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Nebin Pendlebrook's Perilous Pantry (DCC) $4.49
Publisher: Purple Sorcerer Games
by Roger L. [Featured Reviewer] Date Added: 07/07/2014 10:33:09

Eine schöne Sache an der OSR–Szene ist, dass es inzwi­schen viele kleine Ver­lage gibt, und sich einige davon am Schrei­ben von Aben­teu­ern ver­su­chen. So auch Mark Bishop, der sei­nen Erst­ling jetzt bei Pur­ple Sorce­rer Games ver­öf­fent­licht hat. Einem sol­chen Anfang wohnt für mich oft ein Zau­ber inne, und des­we­gen inter­es­sie­ren mich sol­che Ver­öf­fent­li­chun­gen beson­ders. Bei Neu­er­schei­nun­gen für Dun­geon Crawl Clas­sics (DCC) oder andere OSR-Systeme sitzt das Geld bei mir sowieso beson­ders locker. Genau die­ses ver­schwen­de­ri­sche Ver­hal­ten hat bei Nebin Pendlebrook’s Peri­lous Pan­try wie­der zugeschlagen…

Inhalt

DCC beschäf­tigt mich nahezu jede Woche, aber zu einer der schöns­ten Eigen­hei­ten des Sys­tems komme ich nur sel­ten: dem Fun­nel. Wenn eine Gruppe von neuen Spie­lern eine Horde von Stufe-0-Charakteren erstellt und mit ihnen auf Aben­teuer aus­zieht, dann ist das oft wun­der­bar chao­tisch, amü­sant und auch für erfah­rene Spie­ler etwas Neues.

Nebin Pendlebrook’s Peri­lous Pan­try ist genau dar­auf aus­ge­legt. Beim Aus­bauen sei­nes Behau­sung ist ein Halb­ling aus Ver­se­hen in einen unter­ir­di­schen Bereich vor­ge­sto­ßen. Neu­gie­rig hat er sich vor­ge­wagt und ist nicht wie­der­ge­kehrt. Auch der ört­li­che Büt­tel, der ihn suchen ging, kam nicht wie­der. Und jetzt liegt es an einem bun­ten Hau­fen Dorf­be­woh­ner, sich von der Spei­se­kam­mer aus in die Tiefe zu kämpfen.Wer will, kann das Erstel­len die­ser Truppe in der Dorf­kneipe aus­spie­len. Die Details sind lie­be­voll aus­ge­stal­tet, inklu­sive einer kur­zen Story zum Namen der Schänke.

Stufe-0-Charaktere sind ja nicht wirk­lich robust – und beim Fun­nel sol­len ja auch weni­ger inter­es­sante Figu­ren aus­ge­siebt wer­den. Des­we­gen tau­chen in sol­chen Ein­füh­rungs­aben­teu­ern der Stu­fen 0 und 1 eher töd­li­che Fal­len auf, schließ­lich sind sie für mehr als einen SC pro Spie­ler aus­ge­legt. Hier­bei ent­schei­det dann eine Mischung aus Wür­fel­glück und schlauem Vor­ge­hen über die Über­le­bens­chan­cen des Ein­zel­nen und der Gruppe.

In der ers­ten Hälfte des Aben­teu­ers über­wie­gen daher noch klei­nere Kämpfe, zu erfor­schende Mys­te­rien, Geheim­gänge und Fal­len. Diese sind durch­aus klug gestaf­felt, lernt man dabei doch auch gleich­zei­tig die Spiel­me­cha­nis­men gut ken­nen. Gene­rell sind die beschrei­ben­den Texte stim­mungs­voll, und trotz der rela­ti­ven Gerad­li­nig­keit des Dun­ge­ons wirkt es doch viel­sei­tig und inter­es­sant. Vor allem aber wird viel Wert auf inter­es­sante Fund­stü­cke für die Spie­ler gelegt. Mit Glück oder geziel­tem Aus­for­schen fin­det man viel, was den Ein­stieg in das Busi­ness als selbst­stän­di­ger Aben­teu­rer erleich­tert. Dabei erwei­tern die Gegen­stände stel­len­weise das Macht­re­per­toire der Stufe-0-SC deut­lich, aber nicht über­mä­ßig. So haben einige gefun­dene Gegen­stände zwar gespei­cherte Magie, aber diese ver­pufft auch nach nur einer Hand­voll Anwendungen.

Spä­ter lau­ern dann zwei bis drei grö­ßere Kon­fron­ta­tio­nen, wobei dem SL kluge Vari­an­ten der Lösung ange­bo­ten wer­den. Ver­star­ben zu viele Möch­te­gern­hel­den, so gibt es eine glaub­wür­dige Mög­lich­keit, wei­tere Figu­ren ein­zu­füh­ren. Eiern die Spie­ler zu sehr herum, kann der SL die Magie der Umge­bung benut­zen, um ihnen ein­zu­hei­zen. Sogar an eine kino­reife Mantel-und-Degen-Aktion bei einem zen­tra­len Kampf wurde gedacht!

Spiel­be­richt

Beim Spie­len sind mir dann doch mit­ten­drin zwei Sachen auf­ge­fal­len. Ich musste mehr­fach etwas län­ger her­um­blät­tern und suchen, weil min­des­tens zwei Beschrei­bun­gen für Türen nicht in den Räu­men waren, aus denen sie her­aus­führ­ten. Ein Teil der Beschrei­bung von Raum 1–10 fin­det sich vor Raum 1–8 und 1–9, weil der angren­zende Gang keine eigene Num­mer hat.

Cha­rak­ter­er­schaf­fung habe ich durch den Cha­rak­ter­ge­ne­ra­tor von Pur­ple Sorce­rer Games ersetzt. Ein­fach vier Cha­rak­tere pro Seite aus­dru­cken, aus­ein­an­der­schnei­den, mischen und ver­deckt ver­tei­len. Man­che der alter­tüm­li­chen Lehr­be­rufe führ­ten mal wie­der zu eini­gem Nach­fra­gen und kur­zer Inter­net­re­cher­che. Nicht­mensch­li­che Cha­rak­tere ent­ste­hen durch die Tabel­len­ver­tei­lung sowieso immer sehr selten.

Einige Cha­rak­tere wer­den nur dadurch inter­es­sant, dass die Spie­ler kein Inter­esse an ihrer Wei­ter­ver­wen­dung haben. Also pro­biert man schon mal gewag­tere Aktio­nen, und wun­der­bar chao­ti­sche Ergeb­nisse sind die Folge. Es wurde viel expe­ri­men­tiert, und auf­grund der magi­schen Gegen­stände des Aben­teu­ers auch auf Stufe 0 Magie gewirkt und Untote vertrieben.

Weil wir dies­mal mit abwisch­ba­rer Matte gespielt haben, wurde uns zum ers­ten Mal das unsäg­li­che Gedränge bei einem Fun­nel bewusst. 15 Figu­ren in einem schma­len Gang? Wirkte selbst mit far­bi­gen Spiel­stei­nen unwill­kür­lich komisch. Das Aben­teuer ist übri­gens für 16 bis 24 Figu­ren bestimmt.

Zu beson­de­ren Ehren kam ein unbe­deu­ten­der magi­scher Gegen­stand – ein Ast, auf den Magi­scher Mund gewirkt wurde. Der Zau­be­rer lag im Ster­ben, und sein letz­ter Hil­fe­ruf erklang noch lange nach sei­nem Tod. Eigent­lich ein nutz­lo­ses Ding, außer für einen kur­zen Stim­mungs­mo­ment viel­leicht. Aber die Spie­ler tauf­ten ihn „Stecki“ und pro­bier­ten solange damit herum, bis ein NSC tat­säch­lich die Stimme erkannte. Sehr beharrlich.

Zwei Kämpfe waren mir hier­bei für 15 Anfang­s­cha­rak­tere zu stark gewe­sen, und ich habe sie jeweils leicht abge­schwächt. In die finale Kon­fron­ta­tion schaff­ten es 8 der 15 Bau­ern­söhne und drei NSC-Verbündete. Es über­leb­ten letzt­lich 6 SC und 2 NSC. Reich zogen sie davon. Vor allem erleb­ten wir viele jener genia­len Momente, für die DCC immer wie­der gut ist. Es gibt in die­sem Aben­teuer viel her­aus­zu­fin­den und viel aus­zu­pro­bie­ren, was gerne auch in Kla­mauk ausartet.

Preis-/Leistungsverhältnis

Ange­sichts der Qua­li­tät des Inhalts und der guten Optik, sind 4,49 USD defi­ni­tiv in Ord­nung für die­ses Modul. Die Sei­ten­zahl wurde auch nicht künst­lich aufgebläht.

Erschei­nungs­bild

Jen­seits des Titels und der Rück­seite ist das PDF in Grau­tö­nen gehal­ten, was übri­gens sehr stil­voll aus­sieht. Die Text­menge pro Seite und Schrift­größe emp­fand ich als sehr ange­nehm, und hilft vor allem beim Lesen im elek­tro­ni­schen Format.

Die Illus­tra­tio­nen sind gut, viele davon sind im ver­nied­li­chen­den Stil ande­rer Purple-Sorcerer–Pro­dukte gehal­ten. Es sind genug vor­han­den, um den Text auf­zu­lo­ckern. Das Titel­bild gefällt mir beson­ders in sei­ner schlich­ten Art. Die hand­ge­zeich­nete Karte ist in einer anspre­chen­den Schrä­gan­sicht gestaltet.

Bonus/Downloadcontent

Batt­le­maps und Falt­auf­stel­ler gibt es als Extra-PDF beim Kauf zusätz­lich. Auch das Art­work ist noch­mal in grö­ße­rer Auf­lö­sung zum Aus­dru­cken beigegeben.

Fazit

Ich habe das Aben­teuer in einem Zug gele­sen und war sehr ange­tan. Es ist über­sicht­lich auf­be­rei­tet und auch optisch anspre­chend – Karte und Han­dout sind beson­ders ansehn­lich. Von der Gestal­tung zen­tra­ler NSC bis zu den ein­zel­nen Räu­men wirkt das Modul lie­be­voll gemacht, ohne sich in unnö­ti­gen Details zu ver­lie­ren. Auch am Tisch wusste es zu überzeugen.

Pur­ple Sorce­rer Games hat ja bis­her nur John Marr’s eigene Aben­teuer ver­öf­fent­licht, aber mit Mark Bishop hat sich ein Wei­te­rer gefun­den, der sich zu ver­öf­fent­li­chen lohnt. Hut ab vor die­sem Erstling!



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