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Handbuch der Technologie - Fortschritt im Finsterland
 
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Handbuch der Technologie - Fortschritt im Finsterland
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Handbuch der Technologie - Fortschritt im Finsterland
Publisher: Georg Pils
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 01/12/2013 03:23:17

Bereits kurz nach der RPC 2012 hatte ich die Freude, das Grund­re­gel­werk von Fins­ter­land zu rezen­sie­ren, einem öster­rei­chi­schen Rol­len­spiel mit Steam Punk-/Steam Fantasy-Thema. Heute liegt das Hand­buch der Tech­no­lo­gie vor mir. Wer sich vom Titel zu der Über­le­gung ver­lei­ten lässt, es han­dele sich um sei­ten­weise Lis­ten von neuer Tech­no­lo­gie, der irrt gewaltig.

Erschei­nungs­bild

Bereits beim Grund­re­gel­werk hatte mich beein­druckt, dass ein Her­aus­ge­ber ohne gro­ßen Ver­lag im Rücken Hard­co­ver­bände her­aus­brin­gen kann, die mit weit grö­ße­ren Pro­duk­ten kon­kur­rie­ren kön­nen. Auch hier ist es nicht anders. Das Quel­len­buch über­zeugt mit einem sta­bi­len Hard­co­ver­ein­band und Papier im Innen­le­ben mit durch­aus ange­neh­mer Hap­tik. Das Cover wird geziert von einer Faust­kampf­szene auf der obe­ren Trag­flä­che eines Dop­pel­de­ckers, im Hin­ter­grund erkennt man einen Zep­pe­lin und meh­rere andere Flugzeuge. Eines kön­nen die Nach­barn aus dem Süden – Texte inter­es­sant auf­ar­bei­ten, ohne dass erdrü­ckende Text­wände ent­ste­hen. Immer wie­der lockern gekonnte Illus­tra­tio­nen oder auch andere opti­sche Ele­mente den Schreib­fluss auf, so dass die Infor­ma­tio­nen gut an den Leser ver­mit­telt wer­den. Beson­ders der Stil von Eleo­nore Eder gefällt mir gut, ist er doch irgendwo zwi­schen Pho­to­art, Impres­sio­nis­mus und Comic gelagert. Mit 164 Sei­ten liegt das Buch nur gering unter dem Umfang des Grund­re­gel­werks. Dies ist bereits das erste Indiz dafür, dass deut­lich mehr als nur Tech­no­lo­gie beinhal­tet ist. Mir sind nur sehr wenige Tipp­feh­ler auf­ge­fal­len. Druck­satz, Zei­len­ab­stand und gewählte Schrift­art unter­stüt­zen die Leser­lich­keit. Auch Index und Inhalts­an­gabe sind vorhanden.

Inhalt

Die Mensch­heit bleibt sich auch in der Welt von Fins­ter­land treu. Tech­no­lo­gie ent­wi­ckelt sich dann sprung­haft, wenn die Bes­tie Krieg vor der Tür steht. So ist es nicht wei­ter ver­wun­der­lich, dass auch das Mili­tär sei­nen Platz in die­sem Quel­len­buch fin­det. Nach der Kurz­ge­schichte eines Inva­li­den, der nach Tar­im­grad fährt, um dort Ersatz für ein ver­lo­re­nes Glied zu fin­den, geht es direkt ans Eingemachte. Um zu ver­ste­hen, wel­che Ent­wick­lun­gen zum gro­ßen Krieg führ­ten, wird die Geschichte des Fins­ter­lan­des unter mili­tä­ri­schen Gesichts­punk­ten neu auf­ge­rollt. Natür­lich höre ich hier Unken­rufe — „Wieso’n das? Steht doch im GRW“. Nun, liebe Unken: So wie es hier beschrie­ben ist, ste­hen die Infor­ma­tio­nen nicht im Regel­werk. Die Auf­be­rei­tung ist anders deut­lich detail­rei­cher. Auch die Ver­wert­bar­keit der mit­ge­lie­fer­ten Infor­ma­tio­nen ist bes­ser, ich würde fast sagen spiel­freund­li­cher. Soll hei­ßen, man kann die Infor­ma­tio­nen deut­lich bes­ser in mög­li­chen Hand­lungs­fä­den verweben. Danach geht es wei­ter mit einem Exkurs über das Mili­tär des Fins­ter­lan­des und des­sen benutzte Waf­fen­sys­teme. Es sei ange­merkt, dass Kampf­läu­fer, also über­große, ent­fernt huma­no­ide Maschi­nen, nicht das Ende der Fah­nen­stange sind. Ich stelle mir gerne vor, wie ein Trä­ger­schiff a la Aven­gers in einem Steam­punk Uni­ver­sum aus­se­hen würde. Und ja, diese Unge­tüme exis­tie­ren. Luft­waffe, Marine, Magie, berühmte Ein­hei­ten und vie­les mehr – all das wird nicht nur ange­schnit­ten, son­dern auch in genü­gen­der Tiefe dar­ge­bo­ten, um es als SL in die Hand­lung oder als Spie­ler in den Hin­ter­grund einzubringen. Beson­ders bei den berühm­ten Ein­hei­ten spielt seit die­sem Regel­werk auch die Poli­tik eine wich­tige Rolle. Des­we­gen ver­ges­sen die Auto­ren auch nicht, die­sen Bereich erklä­rend abzu­de­cken. End­lich wird klar, wie Kur­fürs­ten, Kai­ser, nied­rige Adlige und Geld­adel zuein­an­der ste­hen und wie die Regie­rung des Fins­ter­lan­des funktioniert. Miss­fal­len hatte mir im Grund­re­gel­werk, dass das tech­no­lo­gi­sche Level der Spiel­welt nur schwer greif­bar war, wenn es um Details ging. Im Kapi­tel „Tech­no­lo­gie“ wird die­ser Miss­stand beho­ben. End­lich erfah­ren die Spie­ler, was mög­lich ist in vie­len Berei­chen des fins­ter­län­di­schen Lebens, ange­fan­gen von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gien wie dem Tele­phon oder auch der top­mo­der­nen Dif­fe­renz­ma­schine, über die indus­tri­el­len Metho­den der Pro­duk­tion – inklu­sive neuer Mate­ria­lien, die teils künst­lich gefer­tigt wur­den, teils sehr sel­ten sind – bis hin zu Medi­zin, Gesund­heit und Machinae.

Ein Merk­mal, das ich an Fins­ter­land sehr schätze, ist, dass zu jedem Abschnitt immer mög­li­che Hand­lungs­fä­den ange­bo­ten wer­den. Ein kon­kre­tes Bei­spiel: Die bekann­te­ren Fir­men, die im Abschnitt über Pro­duk­tion Erwäh­nung fin­den.. Das ermög­licht einen guten Zugriff auf die Spielwelt. Die­ses Merk­mal fin­det sich auch in den detail­rei­chen Beschrei­bun­gen ver­schie­de­ner tech­ni­scher Uni­ver­si­tä­ten mit ihren Bur­schen­schaf­ten, Fach­be­rei­chen und Lek­to­ren. So bie­tet sich oft Stoff für wei­tere Geschich­ten. Dies ist kein Quel­len­buch für SLs alleine und dafür mag ich es sehr! Wo wir gerade von Uni­ver­si­tä­ten spre­chen – Absol­ven­ten wol­len natür­lich eine gute Stelle haben und so fin­den sich auch Beschrei­bun­gen von wich­ti­gen Unter­neh­men (nebst allem Dreck, den sie am Ste­cken haben). Geheim­dienste und Geheim­or­ga­ni­sa­tio­nen ver­voll­stän­di­gen das Bild. Wie ich vor­hin schrieb: Das Buch ist nicht für Spiel­lei­ter alleine, son­dern auch maß­geb­lich für Spie­ler. Zur ein­fa­chen Ver­deut­li­chung der neuen Inhalte die­nen Bei­spiel­cha­rak­tere. Aber auch die sicher­lich stark erwar­te­ten neuen Spe­zi­al­ma­nö­ver und Orga­ni­sa­tio­nen, die beide wäh­rend der Cha­rak­ter­er­schaf­fung gewählt wer­den kön­nen, las­sen das (ggf. mecha­ni­sche) Spie­ler­herz höher schla­gen. Apro­pos mecha­nisch – natür­lich wer­den auch neue Machinae zum Ver­bauen in den eige­nen Kör­per vor­ge­stellt, ob dies nun aus mili­tä­ri­schen oder (übli­cher­weise) medi­zi­ni­schen Grün­den geschieht. Zudem gesel­len sich neue Fahr– und Flug­zeuge zum Fuhr­park des Finsterlandes.

Auch Waf­fen erhal­ten einen eige­nen Abschnitt, hier stol­perte ich jedoch über das eine oder andere Sys­tem, wel­ches einen in mei­nen Augen zu stark erhöh­ten Scha­den erzeugt. Dies mag rea­lis­tisch sein, über­steigt aber dem Bauch­ge­fühl nach die im Grund­re­gel­werk übli­che Aus­prä­gung von Waf­fen­scha­den und ist daher nicht in Balance mit dem Rest der Spielwelt. Den nächs­ten Abschnitt emp­finde ich als beson­ders wert­voll, stellt er doch dar, wie man als Spiel­lei­tung die Tech­no­lo­gie am bes­ten in das Spiel ein­bringt. Wie gehe ich auf Cha­rak­tere mit hoher Tech­ni­kaf­fi­ni­tät ein? Wie nutze ich das Stil­mit­tel des Krie­ges als Trei­ber der tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lung, ohne, dass es kriegs­ver­herr­li­chend wirkt? Wie behal­ten die Spie­ler und Spie­le­rin­nen ihren Spaß trotz der Gräuel? All das sind kom­plexe Zusam­men­hänge, bei denen das Buch hilft, sie in die eigene Spiel­runde ein­zu­brin­gen. Ebenso geht das Kapi­tel auf Orte des Fort­schritts ein, also Loka­li­tä­ten, die ich im Lauf einer Kam­pa­gne ein­brin­gen kann, um das Flair des tech­ni­schen Fort­schritts zu unter­strei­chen. Als lang­jäh­ri­ger Spiel­lei­ter, der eigent­lich nur noch lei­tet, habe ich hier sehr viel Wert­vol­les mitgenommen.

Geg­ner sind immer ein Thema in Rol­len­spie­len. Hier geht das Quel­len­buch nicht nur sehr detail­liert auf den alten Feind, die Eisen­meis­ter, ein, son­dern auch auf eine Viel­zahl von Grup­pie­run­gen, wie die Geheim­or­ga­ni­sa­tion der Aethir und andere, durch­aus auch gefähr­li­che Ver­bin­dun­gen. Was ich per­sön­lich sehr an Fins­ter­land liebe, ist, dass immer wie­der mathe­ma­ti­sche Wer­te­be­schrei­bun­gen mit Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen ver­bun­den wer­den. Jedes Kapi­tel bleibt span­nend! Auto­nome Minen, ein Erbe des Krie­ges, habe ich bereits in meine eigene Kam­pa­gne eingeflochten.

Abschlie­ßend gibt es wie­der ein Aben­teuer: Die Cha­rak­tere beglei­ten einen Zug, der ein neu­ar­ti­ges Waf­fen­sys­tem trans­por­tiert. Erwar­tungs­ge­mäß gibt es einen uner­war­te­ten Twist und – was ich sehr begrüße – Hand­lungs­li­nien, die sich abhän­gig von den Ent­schei­dun­gen der Cha­rak­tere entwickeln. Ich nehme nicht zu große Worte in den Mund, wenn ich schreibe, dass ich von der schie­ren Masse der Infor­ma­tio­nen, wie auch deren Prä­sen­ta­tion ein­fach baff bin. Baff und hin und weg.

Preis-/Leistungsverhältnis

25 EUR für ein Quel­len­buch, wel­ches vie­les klar­stellt, wei­ter­füh­rende Infor­ma­tio­nen lie­fert, Ideen für Hand­lungs­fä­den und – noch dar­über hin­aus – echte mathe­ma­tisch belast­bare Ent­wick­lungs– und Aus­rüs­tun­gungs­mög­lich­kei­ten lie­fert? Na, wor­auf warte ich noch? Eigent­lich kann man nur noch zuschla­gen. Wieso „eigent­lich“? Weil man Fins­ter­land dafür gene­rell mögen sollte. Das Geld ist abso­lut nicht falsch angelegt.

Fazit

Das Hand­buch der Tech­no­lo­gie ver­steht es wun­der­bar, den Anspruch von Fins­ter­land umzu­set­zen, ein anfän­ger­ge­eig­ne­tes Rol­len­spiel in einer Steam­punk­welt zu lie­fern und durch wei­ter­ge­hende Infor­ma­tio­nen zu unter­stüt­zen. Der schiere Gehalt an Infor­ma­tio­nen – ob direkt ver­wert­bar oder auch nur zur per­sön­li­chen Freude des Lesers – ist unglaub­lich hoch und auch die Dar­bie­tung ist groß­ar­tig. Ich kann, auch nach mehr­fa­cher, sehr kri­ti­scher Über­le­gung, nur zu einem Kauf des Quel­len­bu­ches raten. Zumin­dest, wenn man Fins­ter­land spielt und mag.

Bonus/Downloadcontent Es exis­tiert kein direk­ter Down­load­con­tent, jedoch komme ich nicht umhin, auf die wahr­haft üppige Download-Datenbank von Fins­ter­land hin­zu­wei­sen. In die­ser fin­den sich nicht nur gute – wenn auch rudi­men­täre – Aben­teuer, son­dern auch eine Viel­zahl wei­ter­füh­ren­der Spiel­hil­fen: Klick



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