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Nefertiti Overdrive
Publisher: Sword's Edge Publishing
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 04/19/2016 02:40:18

http://wp.me/p1Hoys-6Xqp>

Keine Lust auf Klamauk? Enthemmter Spaß kann beim Rollenspiel auch durch überzeichnete, coole Rollen, große Erfolge und eine Menge Action entstehen. Bühne frei für Nefertiti Overdrive! Darin verkörpert man Helden im alten Ägypten. Der Hintergrund ist gut ausgearbeitet, verzichtet aber auf jede historische Korrektheit. Die Charaktere sind Mitglieder der 25. Dynastie, dem Haus von Kashta, die in einem gespaltenen Reich von Verbündeten der Assyrer bedroht werden. Von deren militärischer Überlegenheit zurückgedrängt, flieht Pharao Tanwetamani in die heilige Stadt der Götter: Thebes. Dort soll sich das Schicksal wenden! Der perfekte Ausgangspunkt für epische Abenteuer.


Etwas ungewohnt ist das Regelsystem von Nefretiti Overdrive, das einige Spieler vielleicht aus Marvel Heroic Roleplaying kennen. Jeder Charakter wird als Konzept (z.B. König, Ritter), Element (z.B. Blitzfäuste, Vipernfänge), Eigenschaft (physisch, sozial) und Motivation beschrieben, wobei jedem Wert ein eigener Würfel zugeordnet wird (von W4 bis W20). Bei einer Probe wählt der Spieler einen Wert jeder Kategorie und erhält damit vier Würfel unterschiedlicher Größe. Ein Glücks-Pool kann die Erfolgschancen weiter modifizieren. Statt endlose Listen von Sonderfähigkeiten abzusuchen wird hier einfach gewürfelt, dann Ergebnisse verteilt und drauflos beschrieben – das erinnert an Erzählspiele wie FATE.


Das Ziel des Spiels sind epische Aktionen, die dem Haus Kashta zum Sieg verhelfen. Erfolg ist dabei auf lange Sicht quasi garantiert. Die Besonderheit von Nefretiti Overdrive ist der Verzicht auf ein Schadenssystem. Die Spielercharaktere sollen triumphieren und können nur schwer durch Stress aus einer Szene genommen werden. Charaktertod und permanente Niederlage sind einfach nicht vorgesehen.


Für frustrierte Spielleiter ist Nefretiti Overdrive eine Selbsttherapie. Mehrere Kapitel drehen sich um Spielphilosophie und lesen sich wie ein Essay um Etikette am Spieltisch oder Tipps für Improvisation. Die Quintessenz davon lautet: „Do whatever makes the game fun“ und „Just enjoy the ass-kickery“. Leitsätze, die sich Nefretiti Overdrive dick auf die Fahnen geschrieben hat.



Rating:
[4 of 5 Stars!]
Nefertiti Overdrive
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V20 Dread Names, Red List
Publisher: Onyx Path Publishing
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 04/06/2016 06:00:52

http://www.teilzeithelden.-
de/2016/02/27/rezension-dread-names-red-list-v20-vae-mortis/-


Mit Dread Names, Red List hat Onyx Path Publishing rund drei Jahre nach Abschluss des Children of the Revolution-Kickstarters den V20-Nachfolgeband zu The Kindred’s Most Wanted veröffentlicht.


Inhalt


Wie bei der World of Darkness üblich, beginnt auch Dread Names, Red List mit einem In-Game-Text, hier in Form eines Briefes der Setitin Kemintiri an Valerius Maior, einen Tremere antitribu, dessen Name erst kürzlich auf die Rote Liste gesetzt wurde. Dieser zweiseitige Brief, in dem die sogenannte dunkle Königin der Roten Liste den „Neuling“ über einige grundlegende Aspekte der Roten Liste ins Bild setzt, bietet eine hervorragende knappe Einführung in die Thematik des Bandes.


Das folgende Kapitel „Introduction“ beschreibt in Kürze die Stimmung des Bandes, welche sich auf die drei Begriffe Jäger, Beute und Paranoia destillieren lässt. Dazu gibt es einen knappen Überblick über die einzelnen Kapitel sowie einige Hinweise auf weiterführendes Material, seien es Romane, Fernsehserien oder andere Vampire: The Masquerade-Publikationen.


Das erste umfangreichere Kapitel von Dread Names, Red List ist „History and Tradition“ überschrieben und ordnet die Rote Liste in den Gesamtkontext der sechs Traditionen der Camarilla ein. Dabei wird insbesondere auf den Unterschied zwischen Blutjagd und Roter Liste eingegangen. Während die Blutjagd durch einen Prinzen ausgerufen wird und von jedem Vampir innerhalb der Domäne des Prinzen die Teilnahme an der Blutjagd erwartet wird, wird ein Anathema, also die Aufnahme einer Peron in die Rote Liste, durch eine Konklave auf Einladung mindestens zweier Justikare beschlossen. Auch ist bei einem Anathema nicht jeder Vampir der Camarilla zur Teilnahme an der Jagd verpflichtet, es müssen lediglich Sichtungen von Personen, die auf der Roten Liste stehen, gemeldet werden.


In dem Kapitel gibt es auch eine ausführliche Schilderung der Geschichte der Roten Liste, deren bloße Existenz lange Jahre nur den Mitgliedern des Inneren Zirkels und deren vertrauenswürdigen Handlangern bekannt war. Die Ursprünge der Roten Liste verschwinden im Nebel der Geschichte. Als gesichert kann heute nur gelten, dass die erste Rote Liste in Europa in der Endphase der ersten Anarchenrevolte aufgestellt wurde. Offiziell bekannt – wenn auch nur dem kleinen Kreis aus Justikaren – wurde die Existenz der Roten Liste im Jahr 1504. Die Darstellung der Geschichte der Roten Liste reicht bis in die Neuzeit und beinhaltet auch eine Liste der auf der Konklave im Jahr 2011 benannten Justikare der Camarilla.


Es wird auch im Detail auf das Verfahren eingegangen, mit dem heute – bei Freiwerden eines der dreizehn Plätze auf der Roten Liste – neue Anathema nominiert werden. Freie Plätze auf der Roten Liste gibt es übrigens immer nur dann, wenn einer der Anathema den endgültigen Tod erleidet. Nicht einmal der Innere Zirkel kann einen Anathema wieder von der Roten Liste streichen. Aber auch hier gilt: Keine Regel ohne Ausnahme, wie der Fall des Gangrel Enkidu zeigt. Obwohl sein endgültiger Tod nie bestätigt werden konnte und die an der Jagd beteiligten Alastoren jede Belohnung abgelehnt haben, wurde Enkidu von der Liste gestrichen.


Bei den Verhandlungen darüber, wer von den einzelnen Justikaren vorgeschlagenen Personen zuerst auf die Rote Liste gesetzt wird, werden häufig von einzelnen Clans Trophäen für den- oder diejenigen ausgelobt, den entsprechenden Anathema zur Strecke bringen. Die Arten der ausgelobten Trophäen können sehr unterschiedlich sein, in der Vergangenheit wurden z.B. die Gewährung einer eigenen Domäne, die Immunität vor Blutjagden, die Freundschaft eines Clans oder einfach finanzielle Mittel ausgelobt. In seltenen Fällen gewähren die Justikare selbst geheime Belohnungen, z.B. in Form von erlaubter Diablerie, der Auflösung eines Blutbandes oder der Ernennung zum Alastor.


Bei den Alastoren, die ebenfalls in diesem Kapitel vorgestellt werden, handelt es sich um geheime Diener der Justikare, die neben der Übernahme von Tätigkeiten für die Justikare und den Inneren Zirkel vor allem mit der Jagd auf die Anathema der Roten Liste beschäftigt sind. Die Identitäten der Alastoren sind ebenso wie die Kriterien ihrer Auswahl und Details zu ihrer intensiven Ausbildung geheim. Ein Alastor wird die Tatsache, dass er ein solcher ist, nur einem Justikar, einem Archonten und vielleicht einem Prinzen in dessen Domäne offenlegen. Aus den Alastoren wählen die Justikare einige aus und ernennen diese zu Roten Alastoren. Diese Roten Alastoren überwachen und koordinieren die Arbeit der Alastoren und machen selbst Jagd auf gefallene Alastoren.


Das nächste Kapitel beinhaltet den eigentlichen Kern von Dread Names, Red List: Die Vorstellung der aktuellen dreizehn Anathema. Darunter finden sich einige alte Bekannte wie z.B. die Nosferatu Rabbat, der Tremere antitribu Valerius Maior, die selbsternannte Gangrel-Blutgöttin Karen Anatos, der Ventrue antitribu Dylan Bruce, die Malkavianer antitribu Petaniqua und die Setitin Kemintiri. Der Magus Christopher Barrow zeigt, dass man kein Kainskind sein muss, um einen Platz auf der Roten Liste zu erhalten.


Alle dreizehn Anathema werden jeweils auf drei bis vier Seiten ausführlich vorgestellt. Neben der persönlichen Geschichte vor und nach dem Kuss erfährt man auch, aus welchen Gründen und auf wessen Initiative hin die jeweilige Person einen Platz auf der Roten Liste erhalten hat. Zu jedem Anathema liegen Spielwerte sowie Hinweise zur rollenspielerischen Umsetzung durch den Storyteller vor. Dieses Kapitel strotzt nur so vor Anknüpfungspunkten für die Einbindung in eigene Chroniken, wobei klar sein sollte, dass Anathema kein günstiger Gegner für Neugeborene sind.


Ist der Leser von Dread Names, Red List am Ende der Vorstellung der dreizehn Anathema angelangt, hat er gut zwei Drittel des Bandes hinter sich. Das nächste Kapitel widmet sich nun in aller Ausführlichkeit den wesentlichen Gegnern der Anathema: den Alastoren. In „Role of the Alastor“ taucht der Leser tief in das geheime Wissen der Justikare ein. Die vorgestellten Details zu den Alastoren sind dem gemeinen Kainskind nicht bekannt bzw. geistern als Gerüchte durch die Nacht.


Der Leser erfährt beispielsweise, dass die Justikare mit Vorliebe Venrue, Nosferatu und Gangrel als Alastoren auswählen und dass mehr als die Hälfte der derzeitigen Alastoren Ventrue und Nosferatu sind. Auch sind die meisten Alastoren Kainskinder einer niedrigen Generation, da nur diese mächtig genug sind, eine Konfrontation mit einem Anathema überleben zu können. Das Aufgabenfeld der Alastoren sowie die für sie geltenden Regeln werden beschrieben. So ist für die Alastoren die übliche Clanpolitik zweitrangig, der Fokus liegt klar auf der Jagd nach den Anathema. Für die Alastoren gilt eine strenge Befehlskette von den Roten Alastoren über die Justikare zu den Mitgliedern des Inneren Zirkels, was durchaus zu Konflikten mit Prinzen, Erstgeborenen oder Sheriffs führen kann. Neben allgemeinen Ausführungen zu Handlungsweisen und Taktiken, liegt ein weiterer Schwerpunkt des Kapitels in der Darstellung der Nutzung bestimmter Disziplinen durch die Alastoren. Insbesondere Auspex, Beherrschung, Gestaltwandel, Thaumaturgie, Tierhaftigkeit und Verdunklung werden von den Alastoren eingesetzt. Alles in allem erhält man in diesem Kapitel einen guten Überblick darüber, wie man einen Charakter konzipieren sollte, damit er später als Alastor eingesetzt werden kann.


Den passenden Baukasten liefert das folgende Kapitel „Character and Traits“. Neben Anregungen zum Charakterkonzept und der Motivation des Charakters, gibt es Hinweise zu geeigneten Hintergründen, vier Disziplinskombinationen (Quick Sight, Iron Facade, Badger’s Hide und Lucinde’s Revenge) sowie neue Vorzüge und Schwächen. Abgeschlossen wird das Kapitel mit drei neuen thaumaturgischen Ritualen (Communicate with Kindred Bond Mate, Extinguish Flames und Ward versus Demons).


Das vorletzte Kapitel in Dread Names, Red List ist das „Storyteller Toolkit“. Als „Kessel Buntes“ geht es hier im Galopp durch Spielleiter-Tipps zum Einsatz der Roten Liste in der eigenen Chronik. Vom Spielstil (eher Action-orientiert oder eher investigativ) über das Charaktermanagement (bei Red List-Chroniken geben sich Justikare, Archonten, Prinzen, Sheriffs, Erstgeborene und Alastoren die Klinke in die Hand) über Story Hooks sowie sechs vorgestellte alternative Anathema lässt dieses Kapitel beim Spielleiter kaum einen Wunsch offen.


Abgeschlossen wird der Band mit „Path of Evil Revelations“. Hier finden Spieler, deren Ziel es ist, den eigenen Charakter auf die Rote Liste zu bekommen, einen durch und durch bösen Pfad samt dunkler thaumaturgischer Rituale.


Preis-/Leistungsverhältnis


Dread Names, Red List bietet für 14,99 USD viel brauchbares Material auf 128 Seiten. Neben Hintergrundmaterial zur Roten Liste und den Alastoren, welches die knappen Angaben im V20-Grundregelwerk deutlich vertieft, findet der Spielleiter viele Anknüpfungspunkte für die eigene Kampagne. Sowohl auf Seiten des Gegners, bei dem mit den dreizehn Anathema und den sechs alternativen Anathema mächtige Gegner bereitgestellt werden, als auch auf der Seite der Spieler bzw. temporärer Verbündeter findet sich hier genug. Die Spieler können in einer Chronik selbst Alastoren spielen, oder bei der Jagd auf einen Anathema mit den Alastoren in Konflikt geraten, oder mit diesen kooperieren. Und natürlich ist die Erschaffung eigener Alastoren möglich. Unabhängig vom Einsatz am Spieltisch hat bei Dread Names, Red List schon das Lesen des Bandes viel Spaß gemacht. Einer der wenigen Kritikpunkte, den ich habe: Mir hat die Vorstellung von ein oder zwei Alastoren gefehlt. Den Gegnern der Anathema wird in dem Buch viel Platz eingeräumt, sowohl vom Hintergrund als auch von den Regeln her. Da wäre die Vorstellung von ein oder zwei ausgearbeiteten Alastoren sinnvoll gewesen.


Das umfangreiche, über die Vorstellung der dreizehn Anathema hinausgehende, Material macht Dread Names, Red List für den Vampire-Spielleiter besonders wertvoll. Onyx Path hat hier richtiggemacht, was bei Kinder der Revolution falsch gemacht wurde. Dread Names, Red List wirkt einfach rund und hinterlässt bei mir nicht den faden Beigeschmack des „War das jetzt alles?“, den Kinder der Revolution hinterließ.


Erscheinungsbild


Das vollfarbige Layout ist angenehm unauffällig und drängt nicht in den Vordergrund. Es ist übersichtlich und der Test bleibt auch vor Hintergrundbildern sehr gut lesbar. Die Bebilderung ist durchgehend auf sehr hohem Niveau. Aussetzer, wie teilweise im V20-Grundregelwerk, gibt es nicht. Neben den dreizehn farbigen ganzseitigen Charakterportraits der Anathema gibt es in Dread Names, Red List nur noch zwei weitere vollfarbige Illustrationen, alle sonstigen (teils ganzseitigen) Bilder sind in braun-beige gehalten, sind aber stimmungsvoll und wissen zu überzeugen. Das PDF ist solide erstellt, Ladezeiten sind auch bei den grafikintensiven Seiten nicht bemerkbar. Das Inhaltsverzeichnis ist voll verlinkt, vermisst habe ich lediglich einen Index.


Bonus/Downloadcontent


Nichts.


Fazit


Dread Names, Red List behandelt die bei den Kainskindern sagenumwobene Rote Liste, auf der die dreizehn, nach Ansicht der Justikare, für die Camarilla gefährlichsten Gegner stehen. Diese Anathema sind zur endgültigen Vernichtung ausgeschrieben. Mit der Jagd auf die Anathema sind die Alastoren betraut: Kainskinder niedriger Generation, die den Willen der Justikare und damit letztlich des Inneren Kreises vollstrecken. Der Band gibt dem Spielleiter alles an die Hand, um Anathema in seiner Chronik in Erscheinung treten zu lassen.


Spieler haben die Möglichkeit, einen Alastor als Charakter zu erschaffen oder auch einen bereits gespielten Charakter zum Alastor werden zu lassen. Und wer stärker zur dunklen Seite neigt, dem werden die Werkzeuge gegeben, um seinen Charakter dahingehend zu gestalten, dass er bei einem freiwerdenden Platz auf der Roten Liste eine Chance hat, selbst nachzurücken. Das enthaltene Hintergrundmaterial lässt themenspezifisch einen genaueren Blick auf Teilaspekte der Camarilla zu. Ein rundherum gelungener V20-Band.



Rating:
[5 of 5 Stars!]
V20 Dread Names, Red List
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Urban Shadows
Publisher: Magpie Games
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 04/05/2016 14:36:26

Urban Shadows ist ein politisches Urban Fantasy Setting, geschrieben von Andrew Medeiros und Mark Diaz Truman, das von Serien und Romanreihen wie Supernatural, True Blood und Dresden Files inspiriert wurde.


Vier Fraktionen ringen in einer von der Spielrunde gemeinsam gestalteten Stadt um weltliche und übernatürliche Macht: Sterbliche versuchen sich gemeinsam gegen Monster zu behaupten, deren Absonderlichkeit sie kaum begreifen. Die Fraktion der Macht umfasst Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten wie Magier oder Medien, die durch ihren bloßen Willen die Realität verändern können. Kreaturen der Nacht sind die Monster, welche die Straße der Stadt unsicher machen – Vampire, Werwölfe, Geister. Schließlich gibt es noch die Fraktion der Wilden, die verschiedene ausgestoßene Kreaturen umfasst wie Feen aus Arcadia oder Menschen, die ihre Seele einem Dämon verkauft haben. Jeder Charakter beginnt das Spiel als Teil einer der vier Fraktionen, kann diese aber im Laufe des Spiels verlassen und Teil einer anderen Fraktion werden.


Eine interessante neue Mechanik ist Korruption. Die Korruptionsleiste spiegelt wider, wie häufig ein Charakter seiner dunklen Natur nachgibt oder sich dunklen Mächten öffnet, um an mehr Macht zu gelangen. Jedes Playbook verfügt über einige Korruptions-Moves, die es den Charakteren ermöglichen, recht schnell recht viel Macht zu erlangen. Wen ein Magier beispielsweise schwarze Magie nutzt, ein Vampir problemlos einen Sterblichen jagt oder ein Sterblicher selbst übernatürliche Kräfte erwirbt, um im großen politischen Spiel eine Chance zu haben, schreitet ihre Korruption weiter voran. Je mehr Korruption ein Charakter angesammelt hat, desto mächtigere Möglichkeiten stehen ihm zur Verfügung, aber desto eher wird er auch zu einem Teil des echten Bösen, das in der Stadt lauert.


Darüber hinaus haben die Autoren das Beziehungssystem weiter ausdefiniert und zu einem noch zentraleren Bestandteil des Spiels gemacht. Beziehungen werden in Urban Shadows durch Schulden definiert, die jeder Charakter bei anderen Charakteren und Fraktionen hat. Diese Schulden können beispielsweise genutzt werden, um Würfelwürfe zu verbessern, Antworten zu bekommen oder Gefallen einzufordern. An das Schuldensystem sind verschiedene Moves gebunden, die abbilden, dass eine Schuld eingefordert wird, dass sich jemand weigert, eine Schuld zu begleichen, dass ein Gefallen getan wird oder dass jemand in einer Auseinandersetzung einen Namen fallen lässt. Das Schuldensystem passt sehr schön zu den korrupten, intriganten Ränkespielen der Fraktionen und ich bin sehr neugierig darauf, wie sie sich im Spiel machen.


Fazit: Politisches Intrigenspiel in der Welt des Übernatürlichen


Mir gefällt die Idee von Urban Shadows gut, auch wenn sie mich nicht so begeistert wie die anderen PbtA-Systeme. Das liegt vor allem daran, dass in den literarischen Vorlagen meist Teile einer Fraktion – also Jäger, Magier, Vampire – gemeinsam gegen die Anhänger anderer Fraktionen vorgehen und dabei in Intrigen und Korruption verwickelt werden. In Supernatural lassen sich die Winchester-Brüder natürlich immer wieder auf einen Handel mit dem buchstäblichen Teufel ein und haben zweifelhafte Verbündete an ihrer Seite; im Zentrum der Geschichte steht aber immer der gemeinsame Kampf der Jäger gegen eine monströse Bedrohung. In Dresden Files gibt es Werwolfs-Gangs und Feenhöfe, im Zentrum stehen aber immer Harry Dresdens Ermittlungen und damit nur die Ausschnitte, welche der Protagonist von diesen Welten wahrnimmt. Ich bin mir nicht sicher, wie sich eine solche Geschichte stattdessen mit mehreren Protagonisten und damit mehreren Einzelinteressen spielt. Da ich Urban Shadows aber bislang noch nicht selbst ausprobiert habe, kann ich dazu noch kein fundiertes Urteil fassen. Es wird aber sicherlich schwieriger als bei anderen PbtA-Settings sein, gleich von Anfang an einen gemeinsamen Vorstellungsraum zu entwickeln.


Sehr gut gefällt mir der Korruptions-Mechanismus, der vor allen den von Anfang an weniger Korrumpierten – den Sterblichen und menschlichen Magiern – Gelegenheit gibt, in eine düstere Spirale von Macht, Verführung und Verzweiflung zu stürzen. Ich kann mir vorstellen, dass dadurch eine schöne spieltechnische Balance zwischen den verschiedenen Gruppierungen geschaffen wird. Ein Vampir, der seiner Blutlust nachgibt, ist schließlich weniger dramatisch als ein alter, idealistischer Jäger, der nach Jahren doch einen Handel mit einem Dämon eingeht, um seine Liebsten zu retten.


http://wp.me/p1Hoys-6Rop>

Rating:
[4 of 5 Stars!]
Urban Shadows
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Travia-Vademecum (PDF) als Download kaufen
Publisher: Ulisses Spiele
by Roger L. [Verified Purchaser]
Date Added: 03/28/2016 13:36:18

Dieser biblische Spruch lässt sich hervorragend auf das im Dezember erschienene Travia-Vademecum übertragen. Für die unkundigen Leser, die mit dem Pantheon der Zwölfgötter nicht vertraut sind, will ich aber zunächst einen Einblick in das Schalten und Walten der göttlichen Mutter Travia liefern.


Die Gütige oder Heilige Mutter, die Strenge und Gütige, die Allzeit Treue oder Schützerin der Schwüre, wie Travia auch genannt wird, ist im Glauben der Zwölfgötter die Göttin der Gastfreundschaft, der Familie und Ehe.


Ihre Priesterschaft predigt von der Wichtigkeit von Heim und Herd, überwacht das Erbrecht des Adels oder spricht seinen Segen über die Gelöbnisse der ehelichen Bande. Wer einen Eid schwört, der tut dies meistens vor Travia und Hilfsbereitschaft wird unter den Anhängern der Göttin ebenso großgeschrieben wie Treue, Demut, Milde und Mitleid.


In vielen Dörfern und Städten finden sich nicht nur Schreine, sondern auch Tempelbauten zu Ehren der Göttin, die den Armen und Heimatlosen ebenso wie den Pilgern und Reisenden Zuflucht und Gaststätte bieten. Doch ist der Dienst im Namen der Göttin stets ein Geben und Nehmen. Wer Gastfreundschaft beansprucht, der muss auch bereit sein für diese zu geben.


In den Travia verehrenden Ländern gibt es verschiedenen Orden, die sich um den Einhalt der göttlichen Gesetze kümmern. Die Bekanntesten sind der Orden der Badilakaner, die sich der Bekämpfung von Unmoral und der Sättigung der Hungernden verschrieben hat und der Dreischwesterorden, welcher sich um das Wohlergehen der Menschen und Ländereien sorgt, die von den Heptarchen geschändet wurden.


Inhalt


Das Travia-Vademecum gliedert sich in – ketzerische – dreizehn Kapitel. Diese befassen sich mit Themen wie Gebeten, Liedern und Chorälen zu Ehren der Göttin, Ritualen und liturgischem Wirken im Namen Travias, der Geschichte und dem strukturellen Aufbau der Traviakirche sowie Heiligen, Artefakten, Orden und Gemeinschaften der Kirche. Den Abschluss bilden Kapitel zur Spielbarkeit eines Traviageweihten.


Auch dieses Vademecum, welches als zwölftes den Kreis des Zwölfgötterpantheons schließt, ist als Ingame-Spielhilfe gedacht und soll die Gebote und Werte der Kirche aus Sicht der Geweihten vermitteln. Im Vorwort weisen David Lukaßen und Anni Dürr darauf hin: „Das Travia-Vademecum möchte Ihnen Anreize geben, wie Sie den Glauben an die Göttin und ihre Gläubigen darstellen und im Spiel erleben können.


Gebete und Lieder


In den ersten zwei Kapiteln findet der Leser einige Gebete, Lieder und Choräle, mit denen am Spieltisch die Lebendigkeit des Traviaglaubens praktisch umgesetzt werden kann. Ob ein Dankgebet zur Morgenstunde, Rast oder Heimkehr, für jeden ist etwas dabei. Und auch die Lieder reichen vom feierlichen Choral bis zum Zunftgesang der Bäcker. Einzig die Tatsache, dass die Lieder auf etwas einfallslosem (deutschem) Liedgut fußen, wie etwa „Alle meine Entlein“, gibt einen faden Beigeschmack.


Liturgien, Göttinnendienste und Rituale


Ausführlich beschreibt das dritte Kapitel das Wirken im Namen der göttlichen Mutter. Stoßgebete werden ebenso beschrieben wie Liturgien rund um Haus und Heim. Das Werk geht detailliert auf den „Speisesegen“ ein, mit welchem nicht nur von Fäulnis befallenes Essen, sondern auch „wahrlich Verdorbenes und Giftiges“ essbar gemacht werden kann. Auch die Segnung des „Hausfriedens“ wird beschrieben, denn was wäre der Mensch ohne ein friedliebendes Heim? Um aber den Weg nach zu diesem Heim stets wiederzufinden, bedarf es der „Segnung des Heimsteins“ und wer auf sich auf Reisen befindet, erfreut sich an einem „Reisesegen“, der vor Gefahren und Unbill schützen soll.


Auf 21 Seiten ist im vierten Kapitel genauestens beschrieben, wie die heiligsten Rituale der Travia durchgeführt werden. Dabei werden die Beschreibungen durch viele inneraventurische Texte ergänzt und besonders viel Wert auf die verschiedenen Eigenheiten lokaler Traditionen gelegt. Eine positive Eigenschaft, die sich über das gesamte Werk erstreckt und zeigt, dass die Traviakirche eine sehr menschennahe Kirche ist, die auf lokale Traditionen Rücksicht nimmt, wenn diese mit den Lehren und Werten der Kirche übereinstimmen.


Zu den heiligsten Ritualen gehören neben dem „Traviabund“ auch die „Weihe einer Heimstatt“ sowie das Segnen von Schwüren und Eiden und das Abnehmen der Buße. Besonders die Badilakaner, die sich der Mildtätigkeit und Barmherzigkeit verschrieben haben, „Speisen die Armen“ oder sammeln Almosen für die Bedürftigen.


Das vierte Kapitel beschreibt aber auch die hohen Feiertage, die im Namen der Göttin begangen werden und die Opfer, die sie von ihren Gläubigen verlangt. Gehorsam und Demut ihrer Diener sind dabei Grundeigenschaften, welche die strenge Göttin voraussetzt.


Travia und ihre Familie


Das fünfte Kapitel befasst sich mit der Göttin selbst und den ihr zugeordneten Aspekten. Wie oben bereits beschrieben, ist die Heilige Mutter eine gnädige Göttin, die Milde, Freundschaft und Treue lobpreist, aber immer wieder wird im Vademecum auch darauf hingewiesen, dass sie, einer Mutter gleich, eine strenge Göttin ist, die Respekt und Demut fordert. Nur wer reumütig Buße tut, wird von ihr auch Barmherzigkeit und Gnade erfahren. Führsorglich kümmert sie sich um ihre Kinder wie der Hirte, der die Gänseschar umsorgt.


Begleitet wird die Göttin in ihrem Tun von Yalsicor, dem Drachen der Freundschaft, dem friedfertigsten der sechs Hohen Drachen, der einst den Zwist zwischen seinen Brüdern schlichtete. In ihrem Gefolge, welches von den Aventuriern als Travias Familie bezeichnet wird, findet sich auch Domara, welche über das Heim wacht und deren Zeichen die Gänsefeder ist. In vielen Tavernen Aventuriens wird der Reisende eine Statuette oder ein Bildnis des Tamano vorfinden, welcher als Alveranier überall dort verehrt wird, wo Gastfreundschaft wichtig ist.


Auch in diesem Kapitel wird viel Wert darauf gelegt, die Gemeinschaft der Traviakirche als menschennahe Gemeinschaft mit ihren unterschiedlichen Ausprägungen und lokalen Bräuchen und Traditionen darzustellen.


Die Traviakirche


Die Kapitel sechs bis acht stellen die Prinzipien und Werte der Kirchengemeinschaft ebenso in den Vordergrund wie die Geschichte und den strukturellen Aufbau der Kirche.


Die bereits erwähnten Aspekte, die der Göttin zugeschrieben werden, sind in spielerfreundlichen Texten ausführlich beschrieben und geben erneut einen guten Einblick auf das Wirken der Göttin auf Dere. Im Vordergrund steht dabei nicht die rituelle Durchführung von Zeremonien und religiösen Handlungen, sondern viel mehr der Umgang mit den Werten und Prinzipien, welche die Kirche vertritt. In einem einleitenden Satz wird erneut darauf hingewiesen, dass die Anhänger der Göttin stets Vorbild sein sollen in Wort und Tat, aber auch, dass sie stets die nötige Härte und Strenge zeigen sollen, wo Travias Werte missachtet werden.


Zu den Werten der Kirche gehören insbesondere „Gastfreundschaft und Herdfrieden“, „Tempelasyl“, „Mäßigung und Wahrung von Sitte und Anstand“ sowie „Milde und Barmherzigkeit“. In der gesamten Publikation wird deutlich gemacht, dass die Kirche der Travia keine unfehlbare Kirche ist, aber dass Vergebung nur dem ehrlichen Büßer vorbehalten ist.


Über die „Pilgerfahrt“, üblicherweise nach Rommilys, wird in den Kapiteln ebenso berichtet wie über „Travias Herberge“, in der man im Jenseits alte Freunde und Verwandte wiedertreffen wird.


Wie wichtig Travia nicht nur für das schließen eines Ehebundes, sondern auch für das Erbrecht ist, wird in einem Abschnitt über „Adoption“ erwähnt und wie unterschiedlich der Göttin gehuldigt wird spiegelt sich in einem Textabschnitt über die verschiedenen „Zeichen der Göttin“ wider. Während die Pflanze Fingerhut und der blaue Edelstein Saphir noch als häufige Zeichen gedeutet werden, so ist zum Beispiel der Kürbis eher ein Symbol des südlichen Kontinents.


Dass es sich bei der Verehrung Travias um eine der ältesten Glaubensausrichtungen handelt, steht außer Frage. Belegt wird dies durch die Aufzeichnung aus der aventurischen Geschichte, die berichtet, dass der Glaube bereits von den Güldenländern nach Aventurien mitgebracht wurde. Und auch die Vorfahren der Thorwaler, die Hjaldinger, sollen aus ihrer Heimat die Verehrung der Gyldara Dravina über das Meer der Sieben Winde getragen haben. Neben dem Mittelreich ist deshalb auch in Thorwal der Glaube an die Göttin besonders stark ausgeprägt.


Durch die Zeitalter und verschiedenen Kriege hindurch, hat sich die Kirche mit ihrer familiären Hierarchie gut erhalten und in vielen Orten kommt ihr noch heute eine hohe Bedeutung zu. Welche Klöster und Tempel besondere Verehrung genießen und welche kulturellen Unterschiede die Kirche in sich vereint, wird im achten Kapitel besonders anschaulich dargestellt. Wie unterschiedlich die Kulturen auch sein mögen, in den meisten Fällen sind Treue und Heim(at) die verbindenden Grundsteine der Gesellschaft und machen damit die Travia-Kirche allgegenwärtig – und sei es nur in ihrer Aufgabe der Missionierung. Mit den „Wildgänsen“ wird sogar die Möglichkeit geschaffen, vom Prinzip der „Sesshaftigkeit“ abzuweichen, da diese ihren Weg in der Missionierung des fahrenden Volkes sehen. Ob dies ein Entgegenkommen der Redaktion an die Spieler ist, damit diese nicht beständig versuchen ihre Reisegefährten zur Heimkehr zu bewegen, wird ein Geheimnis der Götter bleiben. Die Begründung, welche die Worte des Heiligen Badilak liefern sind allerdings gut argumentiert: „Kommen die Menschen nicht zu uns, so ist es an uns, Travias Wort zu ihnen zu tragen.“


Heilige, Artefakte und Orden


Über Artefakte, Heilige und Orden der Mutter Travia kann man im neunten und zehnten Kapitel nachlesen. Neben Badilak, der in diesem Artikel nun schon häufiger genannt wurde, werden auch Personen wie Sankt Travinian oder Yulag-Horas vorgestellt. Ersterer war ein mitleidloser und selbstsüchtiger Sünder, den Travia strafte und welcher erst durch Selbsterkenntnis und Buße die Gnade der Göttin erhielt. Yulag-Horas hingegen, war der Göttin sehr zugetan und veranlasste, dass in jeder neugegründeten Stadt ein Traviatempel stehen solle.


Genauso interessant wie die inneraventurischen Texte zu den Lokalheiligen wie beispielsweise dem „wackeren Ohm“, lesen sich auch die Beschreibungen der verschiedenen Artefakte. Während der „Heilige Kessel“ den meisten wohl als unendliche Quelle von Speisen, aus einigen Abenteuern bekannt sein dürfte, ist die „Chronik der traviagefälligen Abstammung“ ein eher selten erwähntes Artefakt der Kirche.


Der bereits erwähnte Orden der Badilakaner und der Dreischwesterorden, welcher den Glauben an Travia, Peraine und Tsa vereint, sind nur zwei von vielen Orden, die traviagefällig in Aventurien handeln. Einen wichtigen Platz nehmen auch die Orden anderer Zwölfgöttergläubigen ein, wie etwa die „Efferdbrüder“, welche sich um das Wohl der Seeleute sorgen oder die borongefälligen „Noioniten“, die sich dem Seelenheil verschrieben haben.


Im zehnten Kapitel ist zudem auch die Rede vom „Bund zum Schutze von Heim und Herdfeuer zur Mahnung an die Blutnacht von Rommilys“, welcher ebenso wie die Traviamark bereits wieder aufgelöst wurde. Mit dem „Bund der Gänseritter“, wie diese Gemeinschaft auch genannt wurde, wird im Vademecum erneut darauf hingewiesen, dass die Travia-Kirche nicht unfehlbar ist.


Traviageweihte im Spiel


Das elfte Kapitel befasst sich mit der Ausgestaltung eines Traviageweihten als Spieler- oder Nichtspieler-Charakter. Hierbei werden besonders gut die verschiedenen Darstellungsmöglichkeiten hervorgehoben und die Möglichkeiten zur Integration eines solchen Helden in eine Spielergruppe. Ebenso dem Spielleiter, wie den Spielern zweckdienlich sind die Beschreibungen der verschiedenen Strömungen innerhalb der Travia-Kirche. So sind die Spielmöglichkeiten vielfältig und für den kampfliebenden Spieler lässt sich mit dem „Gänseritter“ ebenso etwas finden, wie für die Bevorzugung eines Gelehrten, beispielsweise in Form des klassischen „Dorfgeweihten“. Das Kapitel geht überdies explizit auf kulturelle Besonderheiten der Kirche und den Umgang mit Andersgläubigen und die Mission ein.


Gans zum Schluss


Die letzten Kapitel sind schnell zusammengefasst. Das zwölfte behandelt die „Endnoten“ und weist somit auf das verwendete Liedgut hin, welches die Grundlage der Lieder und Choräle in Kapitel zwei bildet. Das dreizehnte Kapitel enthält lediglich Vakatseiten, leere Seiten für eigene Notizen, wie sie auch an andere Stelle im Vademecum bereits zu finden sind.


Preis-/Leistungsverhältnis


Für ein stimmiges Buch wie dieses ist eine milde Gabe von 14,95 EUR durchaus angemessen. Der Leser erhält neben dem Dank des Verkäufers auch ein informatives Werk mit allem notwendigen Inhalt zum Ausgestalten einer Traviageweihten.


Erscheinungsbild


Das Vademecum rundet die Reihe der 12 aventurischen Gebetsbücher mit seinem traviagefälligen, orangenen Leder-Look hervorragend ab. Den Einband prägt das Symbol der Gans über dem Herdfeuer, wie es als Wassereichen auch im Inneren des Buches und als Kopfzeile zu finden ist. Innenillustratorin Diana Rahfoth trägt maßgeblich durch ihre ansehnlichen Abbildungen zum authentischen Flair des Breviers bei. Lediglich die geringe Schriftgröße und das eher perainegefällige Blätterwerk, welches die unteren Seitenecken ziert, trüben ein wenig die heimelige Atmosphäre.


Bonus/Downloadcontent


Es ist kein Bonus oder Downloadcontent enthalten.


Fazit – Gans gut gelungen!


Das zwölfte und vorerst letzte Vademecum ist rundum gut gelungen. Inhaltlich liefert es viele interessante Informationen rund um den Glauben an die Göttin Travia und bietet somit, was die Autoren bereits im Vorwort versprechen – die Lebendigkeit und Vielschichtigkeit des Traviaglaubens wird an den Spieltisch gebracht! Für Spieler und Spielleiter gleichermaßen sind inneraventurische Texte und Beschreibungen zur Ausgestaltung für Traviageweihte vorhanden und die verschiendenen Ausrichtungen der Kirche bringen für jeden Spieltyp eine Variante mit.


Egal ob Gänseritter, Almosen eintreibender Badilakaner oder Spätberufener Hügelzwerg, in Travias Gemeinschaft haben alle ihren Platz. Das Travia-Vademecum ist mit seinen hilfreichen Darstellungen solcher Spielvarianten und den detaillierten Beschreibungen zu Prinzipien, Werten, Ritualen und Liturgien eine Bereicherung der Spielwelt. Spielern und Spielleitern sei daher ans Herz gelegt, ihr Heim ebenfalls mit diesem Werk zu bereichern.



Rating:
[5 of 5 Stars!]
Travia-Vademecum (PDF) als Download kaufen
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DSA5 - Aventurischer Almanach (PDF) als Download kaufen
Publisher: Ulisses Spiele
by Roger L. [Verified Purchaser]
Date Added: 03/20/2016 09:26:46

Da ist er: Nach mehrmaligen Verschiebungen ist der Aventurische Almanach nun endlich erschienen. Er soll vor allem Einsteigern einen Überblick über die Welt des Schwarzen Auges bieten, von den unterschiedlichen Regionen über die Götter bis hin zu berühmten Persönlichkeiten.
Doch wird auch endlich gut, was lange währt?


Rezension: Aventurischer Almanach - Reiseführer ins Abenteuer (DSA5)


Endlich ist er da, der Aventurische Almanach, die Weltbeschreibung zu Aventurien. Und eines kann ich schon vorwegnehmen: Das Warten hat sich definitiv gelohnt!


Die hauptsächliche Zielgruppe für diesen Band sind natürlich Neu- und Wiedereinsteiger in DSA, die sich einen guten und schnellen Überblick über das Setting verschaffen wollen. Aber auch alte Hasen werden ihre Freude am Almanach haben ... gut gemachte Weltbeschreibungen stellt sich schließlich fast jeder Rollenspieler gerne ins Regal. Außerdem wird Besitz und Kenntnis des Almanachs für den Großteil der vorhandenen und zukünftig erscheinenden Abenteuerbände vorausgesetzt, wodurch er ebenso elementar für das System ist wie das Grundregelwerk.


Nun aber weiter im Text, Aventurien wartet auf uns.


Inhalt


Die Bezeichnung „Weltbeschreibung“ wird dem Aventurischen Almanach nicht wirklich gerecht, eher müsste es „Settingbeschreibung“ heißen. Denn neben den geographischen Eigenschaften Aventuriens werden hier auch Götter, Herrschafts- und Gesellschaftsstrukturen, Flora und Fauna, Komologie und eine Vielzahl anderer Details behandelt, die dem Leser einen bunten und lebhaften Gesamteindruck von diesem wundersamen Kontinent geben. Die anderen Kontinente Deres werden zwar erwähnt, aber nicht näher beschrieben.


Von Land(schaften) und Leuten


Der erste Teil des Buches beschäftigt sich mit den geographischen Gegebenheiten Aventuriens. Die unterschiedlichen Landschaften werden grob beschrieben, von den nördlichen Wäldern über die gemäßigten Gebiete des Mittelreichs bis zu den dampfenden Dschungeln und tückischen Meeren des Südens. Zu jedem Gebiet werden auch einzelne, wichtige Städte und die jeweils dominierende Herrschaftsform genannt. Ergänzt wird dieses Kapitel durch Informationen zu klimatischen Verhältnissen – natürlich samt regeltechnischer Auswirkungen – und Besonderheiten zum Reisen. Denn unter einer Landstraße stellt sich der heutige Mitteleuropäer etwas völlig anderes vor als ein Bewohner des hochmittelalterlich geprägten Mittelreiches.


Der nächste Teil beschäftigt sich mit den verschiedenen Völkern und Spezies. Neben den im Grundregelwerk enthaltenen Menschen, Elfen und Zwergen werden hier auch Orks und Goblins vorgestellt, allerdings ohne Spielwerte. Bis auf die beiden Letztgenannten erfährt aber jemand, der sich auch schon einmal das Grundregelwerk angesehen hat, nicht wirklich etwas Neues, da die Beschreibungen sehr allgemein gehalten sind.
Der nächste Abschnitt mit dem Titel „Land & Leute“ gehört für mich zu den besten Teilen des Buches. Im einleitenden Text am Anfang des Kapitels wird erklärt, dass jede der beschriebenen Regionen gleichzeitig ein eigenes Setting darstellt, was ich nur bestätigen kann. Denn das Spielgefühl hängt sehr stark davon ab, ob die Handlung in den mittelalterlich geprägten mittelreichischen Provinzen, den orientalische-märchenhaften tulamidischen Stadtstaaten oder dem von Piraten und mutigen Händlern bevölkerten Südmeer spielt. Diese Diversität ermöglicht eine hohe Anzahl möglicher Spielstile und so freut es mich, dass hierauf besonderer Wert gelegt wurde.


Jede Region wird dabei nach dem gleichen Schema beschrieben. Am Anfang jedes Eintrages steht immer ein farblich hervorgehobener Kasten, in dem Meinungen verschiedener Leute zu diesem Landstrich in Form von Zitaten wiedergegeben werden. Das bringt den Leser nicht nur das eine oder andere Mal zum Schmunzeln, sondern lässt ihn auch oft die Beziehungen zwischen unterschiedlichen Gebieten erahnen. Danach werden die Landschaft und die Ausdehnung der Region beschrieben, mit besonderem Augenmerk auf geographische Besonderheiten. Darauf folgend sind die Hauptstadt und andere große oder aus anderen Gründen wichtige Städte aufgeführt. Nicht fehlen dürfen natürlich die (groben) Angaben zur Bevölkerungsgröße, und da Aventurien ja bekanntermaßen nicht nur von Menschen bewohnt wird, wird hier die Population sämtlicher ansässiger Spezies aufgeführt. Weiter geht es mit der eventuell vorhandenen Zugehörigkeit zu anderen Staaten und der Beschreibung der Regierungsform.


Der Glaube bestimmt das Verhalten der Menschen in erheblichem Maße, weshalb zu jeder Region auch verehrte Gottheiten angegeben sind. Auch wird die Wirtschaft in Form der am häufigsten ausgeführten Handelswaren grob umrissen. Als letzter Punkt der „harten Fakten“ wird das irdische Vorbild des beschriebenen Gebietes angegeben, was meiner Meinung nach vor allem dem Spielleiter bei der Schaffung der richtigen Atmosphäre eine enorme Hilfe sein kann. Komplettiert wird jeder Eintrag durch einen farblich hervorgehobenen Kasten. Zum einen finden sich hier für diese Region typische Helden, zum anderen Angaben, für welche Art von Abenteuer die Gegend geeignet ist. Die Einträge in diesem Kapitel bieten allesamt einen guten und knappen Überblick über die Regionen Aventuriens.


Ebenfalls in diesem Kapitel findet sich eine Auswahl wichtiger Städte, sei es nun wegen ihrer schieren Größe, ihrer Funktion als Hauptstadt oder einer anderen wichtigen Funktion. Zwar werden hier auch Daten wie Bevölkerungsgröße und wichtige Wahrzeichen genannt, interessanter finde ich aber die Beschreibungen zu den Bewohnern und dem Flair der Stadt. Denn sei es nun das emsige Treiben Festums, die orientalische Märchenhaftigkeit Khunchoms oder die überschäumende Lebensfreude Belhankas: Jede Stadt hat ihren eigenen Zauber und ihre eigenen Geschichten – und das ist ja letzten Endes das, worauf es aus rollenspielerischer Sicht ankommt.


Bräuche, Götter und Zauberkram


Welche wichtigen Feiertage gibt es in Aventurien? Was ist die korrekte Anrede für einen Geweihten? Was wird wo auf Aventurien gegessen? Um diese Fragen kümmert sich das nächste Kapitel des Buches, das sich mit Kultur und Wissenschaft beschäftigt. Hier findet man neben regeltechnischen Angaben zu Krankheiten und alchemistischen Mitteln überwiegend Informationen zum Umgang der Aventurier untereinander. Themen wie Adelsstrukturen und Armeeorganisation werden hier ebenso behandelt wie die Besonderheiten verschiedener Sprachen und der Aberglaube der verschiedenen Völker. Das folgende, eher kurze Kapitel liefert Informationen zu Rechtsprechung und Handel, wie etwa die Wechselkurse von Münzgeld, den Ablauf verschiedener Gerichtsverfahren oder die Erhebung von Zöllen.


Nachfolgend werden wichtige Tier- und Pflanzenarten beschrieben, von der als Heilpflanze begehrten Einbeere bis hin zum von Seeleuten gefürchteten Krakenmolch. Außerdem sind hier die Werte für (als Antagonisten auftretende) Orks und Goblins enthalten.


Götter waren schon immer von elementarer Wichtigkeit bei der Beschreibung von Fantasy-Settings, weshalb sich das folgende Kapitel ausführlich mit ihnen beschäftigt. Aber nicht nur den Zwölfen wird hier Aufmerksamkeit geschenkt, sondern ebenso ihren Gegenspielern, den Erzdämonen und dem Namenlosen, dem bösen dreizehnten Gott. Außerdem werden hier auch die Halbgötter und der Glauben der Naturvölker beschrieben. Das folgende Kapitel widmet sich der für Aventurien ebenso wichtigen Magie. Neben den verschiedenen magischen Traditionen werden hier auch das Verhältnis des gemeinen Aventuriers zur Magie und verschiedene magische Artefakte behandelt.


Im vorletzten Kapitel geht es um wichtige Persönlichkeiten des Kontinents, von der Kaiserin des Mittelreiches über die mysteriöse Zauberin Nahema bis hin zum Aikar Brazoragh, dem obersten Anführer der Orkstämme. Zu jeder Figur gehört neben einem kurzen Beschreibungstext auch ein sehr schön gemachtes Porträt. Weiterhin wird hier das „Garadan-System“ erklärt, welches die Wichtigkeit eines NSC für die lebendige Geschichte Aventuriens festlegt. Die Figuren werden hierfür mit verschiedenen Schachfiguren gekennzeichnet: Der König steht für Unantastbarkeit durch die Helden, der Springer ist beinahe ebenso wichtig, kann aber durch den Meister durch eine andere Figur mit der gleichen Funktion ersetzt werden. Bauern und Türme sind für den Metaplot unerheblich und unterscheiden sich dadurch, dass der Bauer nur in einem bestimmten Abenteuer, der Turm hingegen in einer ganzen Kampagne eine Rolle spielt.


Das letzte (offizielle) Kapitel enthält einen Überblick über die Geschichte Aventuriens, wobei die jüngere Vergangenheit natürlich genauer beschrieben wird, da sie für den momentanen Stand sehr wichtig ist. Nach dem Index schließlich befindet sich ein weiterer Teil, der ausschließlich für den Spielleiter gedacht ist. In ihm werden sowohl die Hintergründe einiger Mysterien, als auch die mehr oder weniger schmutzigen Geheimnisse der zuvor beschriebenen Meisterpersonen beschrieben.


Das Buch enthält auch zwei herausnehmbare Karten: eine kleinere im DIN-A3-Format, die Grenzen zwischen den Regionen zeigt und eine doppelt so große, auf der auch die wichtigsten Städte eingezeichnet sind. Beide sind sehr gut lesbar, aber das verwendete Papier erscheint mir für einen dauerhaften Gebrauch dann doch nicht stabil genug.


Preis-/Leistungsverhältnis
Machen wir uns nichts vor: Knapp 40 EUR sind für ein Buch mit unter 300 Seiten kein kleiner Preis ... aber im Vergleich mit den Weltbeschreibungs-Bänden anderer Systeme auch kein Wucher. Zudem rechtfertigen meiner Ansicht nach die angenehme Haptik, die liebevolle Gestaltung und der gute Gesamtüberblick über das Setting den Preis durchaus.


Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle erwähnt, dass Ulisses auch eine Softcover-Version für knapp 20 EUR anbietet, allerdings muss man bei diesem Preis auch in Kauf nehmen, dass das Buch dann nur in schwarz-weiß ist.


Erscheinungsbild
Langsam komme ich mir wie ein Papagei vor, aber ich kann es nicht anders sagen: Auch diese Buch ist in der Fall ist. Die vollfarbige Gestaltung bleibt dezent und unaufdringlich, die Schrift ist gestochen scharf und in einer angenehmen Größe gewählt. Das Papier ist seidenmatt und besitzt eine vertrauenerweckende Stärke, was meiner Erfahrung nach keine Selbstverständlichkeit bei vollfarbigen Rollenspielbüchern ist.


Ein besonderes Lob muss ich an dieser Stelle auch wieder für die Illustrationen aussprechen: Es gibt nämlich nicht nur viele davon, sondern die überwiegende Mehrheit ist thematisch gut passend und handwerklich schön ausgeführt. Des Weiteren sind sich die Abbildungen – obwohl sie von gut zwei Dutzend unterschiedlichen Künstlern erstellt wurden – ähnlich genug, um wie „aus einem Guss“ zu wirken.


Mein einziger Kritikpunkt an dieser Stelle: Das Lektorat hätte deutlich sorgfältiger ausfallen können. Wortdopplungen, vergessene Leerzeichen und Fehler bei der Groß- und Kleinschreibung kommen zwar nicht auf jeder Seite vor, aber doch häufig genug, um störend aufzufallen.


Fazit
Hier gibt es tatsächlich kaum etwas zu beanstanden. Die Kapitel der Setting-Beschreibung behandeln nicht nur die geographischen Gegebenheiten dieses fantastischen Kontinents, sondern vor allem die verschiedenen Völker und ihre Mentalitäten, wundersame Orte und all jene Details, die Aventurien wirklich lebendig erscheinen lassen. Auch der Überblick über wichtige Persönlichkeiten und die Abhandlung über die Geschichte tragen dazu bei, dass sich der Leser das beschriebene auch wirklich bildlich vorstellen kann. Kurzum: Der Aventurische Alamanach ist vor allem ideal für Neueinsteiger in DSA, aber auch alte Hasen werden ihre Freude an diesem inhaltlich wie optisch sehr schön gemachten Band haben. Einziger Wermutstropfen ist das stellenweise schlampige Lektorat, was an der Endwertung allerdings auch nichts mehr ändert.
Unsere Bewertung



Rating:
[5 of 5 Stars!]
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Destiny Quest 1: Die Legion der Schatten (EPUB) als Download kaufen
Publisher: Mantikore
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 03/06/2016 14:48:15

Im Mai 2012 erschien im englischen Original der erste Band der Reihe Destiny Quest, der durch seinen enormen Umfang schnell eine treue Fangemeinde um sich scharen konnte. Inzwischen hat Autor Michael J. Ward insgesamt drei Bände über das Land Valeron veröffentlicht, von denen der erste mit dem Titel Die Legion der Schatten nun auch auf Deutsch beim Mantikore-Verlag erhältlich ist.


Handlung


Die Geschichte von Die Legion der Schatten erstreckt sich über drei umfangreiche Akte mit insgesamt 939 Abschnitten. Dabei wird diese Aufteilung nicht vom Text selbst übernommen, stattdessen findet der Leser zu Beginn des Buches drei einseitige Übersichtskarten, auf denen er einzelne Questen auswählen kann. Hier offenbart sich schon die erste Stärke von Destiny Quest: Der Spieler ist frei in der Gestaltung der Reihenfolge, in der er die vielen angebotenen Abenteuer bewältigen will – theoretisch spricht auch nichts dagegen, eine Queste ganz auszulassen.


Allerdings suggeriert die Übersichtskarte schon direkt einen Ablauf der Ereignisse, da jede Queste durch ein von vier Symbolen gemäß ihrer Schwierigkeit von leicht (Speer) bis sehr schwer (Schwert) gekennzeichnet ist. Weitere Symbole runden das Bild ab: Städte und Dörfer sind gerade zu Beginn eines Aktes eine Anlaufstelle. Legendäre Monster bieten besonders herausfordernde Kämpfe, die nur wenige Abschnitte umfassen. Jeder Akt wird zudem mit einem separaten Endgegner abgeschlossen.


Akt 1 gibt sich noch sehr beschaulich. Nachdem der eigene Held ohne Gedächtnis nach einem Räuberüberfall wieder erwacht, erhält er von einem im Sterben liegenden Knappen dessen Empfehlungsschreiben für die Ausbildung als Ritter bei Meister Avian Dal. In der ländlichen Region, in der dieser Lehrer sein Refugium hat, sorgen sich die Dörfler und Bauern allerdings um eine Dürre und andere Unbill, die sie einer Hexe zuschreiben – oder ist dies vielleicht doch nur Aberglaube und jemand anders steckt dahinter? Am Ende des Aktes wird der Held jedoch unvermittelt in die eigentliche Geschichte gestoßen, als die Magie des purpurnen Schattenmal auf seinem Arm der titelgebenden Legion der Schatten die Rückkehr durch das lange verschlossene Schattentor ermöglicht.


Akt 2 läuft so zwar auch auf die Suche nach dem Einsiedler Cornelius hinaus, um Hinweise für die Bekämpfung der Legion zu erhalten, vor allem aber erkundet man das Areal in abwechslungsreichen Questen. So steigt der Held in die Lavaschlucht unter einem Meteoriteneinschlag hinab oder sucht nach einer versunkenen Stadt am Grund eines Sees. Erst in Akt 3 nimmt der Konflikt mit der Legion unaufhaltsam an Fahrt auf. Hier trifft man auch auf Kampfgefährten wie Heilerin Langburg oder die Kämpfer Nyms und Kaleb, mit denen man mehrere Questen durchlebt und die der Geschichte einen tieferen Zusammenhalt geben. Eine finale Schlacht ist unausweichlich, doch das letztliche Schicksal des Protagonisten selbst wird mit einem überraschenden Cliffhanger offen gelassen.


Die einzelnen Questen des gesamten Bands bieten viel Abwechslung und decken voller Wonne eine Vielzahl von Fantasyklischees und -genres ab. So sucht man beispielsweise nach einer verschwundenen Bauerntochter, forscht man nach der Ursache für einen sterbenden Wald, verfolgt Echsenwesen durch deren Sumpf oder besucht ein Vampirschloss. Das Land Valeron selbst, in dem Destiny Quest spielt, erhält dabei aber leider nur geringen Wiedererkennungswert. Die Eigenheiten und Geschichte des Schauplatzes kann man nur erahnen, wenn man im ersten Akt immer wieder auf die wirklich schweren logischen Rätsel einer untergegangenen Zwergenkultur stößt, oder wenn im letzten Akt der Konflikt gegen die verheerende Legion aus dem Buchtitel näher rückt.


Der Umfang der Questen unterscheidet sich stark. Nicht selten hat der Spieler nur wenige Entscheidungsmöglichkeiten mit kurzfristiger Bedeutung, so dass die Handlung nur wenige Abschnitte später wieder auf denselben Punkt zuläuft. Manchmal obliegt es dem Leser auch nur, sich zwischen zwei Gegnern zu entscheiden, so dass taktisches Geschick in den Gefechten im Vordergrund steht. Nicht selten ist Die Legion der Schatten auch über mehrere Abschnitte damit beschäftigt, linear die Erzählung voranzutreiben, ohne den Spieler überhaupt vor irgendeine Wahl zu stellen. Zum Glück schließen sich an diese gradlinigen Passagen innerhalb einer Queste oft doch wieder Abzweigungen und Entscheidungen an, mit denen man das Abenteuer auf verschiedenem Wege beenden kann.


Mitunter folgt auf einen gradlinigen Anfang sogar ein verzweigter Komplex, bei dem diverse Entscheidungen anstehen und es durchaus möglich ist, nicht bis zum letzten Geheimnis dieses Abenteuers vorzudringen. Es sind gerade diese Questen, wie im Krater des Meteoriteneinschlags oder in der Gruft eines legendären Helden, in denen Die Legion der Schatten für mich das volle Potential entfaltet.


Regeln


Eine wirkliche Charaktererschaffung findet in Destiny Quest nicht statt: Der eigene Held verfügt über die Attribute Kraft, Magie, Flinkheit und Rüstung, die jeweils mit dem Wert 0 beginnen; dazu kommt eine Lebensenergie von 30. Boni auf die Attribute gewähren nur Gegenstände, von denen man während des eigenen Abenteuers Dutzende entdecken kann. Jeder Fund ist dabei einem von 11 Ausrüstungsfeldern zugewiesen, so etwa Haupt- und Nebenhand, Brust, Kopf, Füße, Halskette oder Ring. Dazu kommen einmalig nutzbare Dinge wie Tränke. Diese Fülle an Gegenständen reizt ständig dazu, den eigenen Abenteurer optimal auszurüsten und zu vervollkommnen, zumal jedes Feld nur genau ein Objekt fassen kann.


Die Verbesserungen steigen dabei kontinuierlich, während man in der Geschichte fortschreitet: Freut man sich zuerst über einen einfachen Bonus von +1 auf ein Attribut, so erhält man auf dem Weg zum Finale stets Zuschläge auf zwei Attribute von +2 bis zu +5. Zuletzt verleihen auch fast alle Gegenstände Spezialfertigkeiten, von denen Die Legion der Schatten unglaubliche 160 verschiedene bereithält. Diese meist nur einmal pro Kampf verwendbaren Sondereffekte erhöhen beispielsweise für kurze Zeit ein Attribut, fügen dem Gegner langfristigen Giftschaden zu oder ermöglichen das Durchschlagen der Rüstung.


Wie aber läuft der Kampf nun genau ab? Der Spieler würfelt sowohl für seinen Charakter als auch den Gegner mit je 2w6 und addiert die jeweilige Flinkheit hinzu; der Kontrahent mit der größeren Gesamtsumme hat einen Treffer gelandet. Der verursachte Schaden entspricht beim Helden wahlweise dem Attributwert in Kraft oder Magie plus 1w6 minus der Rüstung des Getroffenen; bei Gegnern ist nur einer der beiden Werte vorgegeben. Dadurch, dass der Spieler beim Schaden zwei Attribute als Basis zur Auswahl hat, gestaltet sich die optimale Wahl der gefundenen Ausrüstung für den eigenen Fokus noch einmal interessanter.


Ähnlich dem Helden verfügen aber auch die Gegner oftmals über Sonderfertigkeiten, die viel Abwechslung in die Kämpfe bringen. Neben vergleichbaren Effekten, wie zum Beispiel dem Durchschlagen der Rüstung, stehen einigen Kontrahenten auch Gefährten zur Seite, nach deren Niederlage der Hauptschurke geschwächt wird, andere Kontrahenten wiederum werden von Runde zu Runde stärker. Selbstredend werden auch die Attribute und Fertigkeiten der Gegner mit Fortschreiten der Geschichte immer mächtiger, so dass der Spieler stets gefordert wird.


Ein Kampf endet, sobald die Lebensenergie einer Seite auf 0 reduziert ist. Hat der eigene Held die Konfrontation verloren, darf der Spieler entweder eine gänzlich neue Queste beginnen, oder aber den Kampf erneut versuchen. Die Lebensenergie beider Seiten ist dann wieder hergestellt, nur die einmal einsetzbaren Gegenstände sind verloren. Auch wenn man einen Kampf erfolgreich beenden konnte, ist die eigene Lebensenergie wieder vollständig zurück. Diese Zähigkeit des Helden scheint auf den ersten Blick nur dem Spielfluss geschuldet sein. Tatsächlich aber offenbart die Geschichte im weiteren Verlauf eine gute Begründung für diese ungewöhnliche Fähigkeit, die zum Finale hin noch eine zentrale Rolle spielen wird.


Durch die Wahl, ob ein Spieler seine Widersacher eher mit Kraft oder Magie besiegen möchte, ergibt sich auch ein weiteres Element bei der Auswahl der gefundenen Ausrüstung. Zum Ende des ersten Akts hat man zudem die Wahl zwischen einem von drei Pfaden: Krieger, Magier oder Schurke. Hier hilft das Buch auch, abhängig von der bisher gewählten Vorliebe bei den Ausrüstungsboni, die passende Entscheidung zu treffen: Krieger verfügen über hohe Kraft und Rüstung, Magier über hohe Flinkheit und Magie, und Schurken über hohe Flinkheit und Kraft.


Neben einem einmaligen Bonus auf die Lebensenergie zwischen 5 und 15 findet man im weiteren Spielverlauf immer wieder Gegenstände, die nur von einem der drei Pfade benutzt werden können. Auch verstecken sich in den Questen ab Akt 2 spezielle Berufe für die jeweiligen Pfade, wie beispielsweise Gladiator oder Hexenjäger, Taschendieb oder Schwertmeister und Alchemist oder Heiler, die wiederum neue Spezialfertigkeiten verleihen.


Die Vielseitigkeit dieser Kombinationen aus Pfad, Beruf und Spezialfähigkeiten durch die angesammelte Ausrüstung gibt den zunehmend schwereren Gefechten eine ungeheure taktische Tiefe und erhöht den Wiederspielwert von Die Legion der Schatten enorm.


Schreibstil


Michael J. Ward gelingt es in seinem Debüt gekonnt, den Eindruck von Größe zu vermitteln. Stets hat man den Eindruck, dass sich dem Protagonisten nach dem beschaulichen Anfang in Akt 1 zunehmend Machtvolles entgegenstellt und man Zeuge von historischen Ereignissen wird. Gerade im Finale von Akt 3 gelingen Ward wahrhaft epische Schlachtenbeschreibungen, bei denen man sich im Zentrum eines sagenhaften Konflikts wähnt.


Im dritten und letzten Akt, in dem verschiedene Kampfgefährten den Leser auch längere Zeit begleiten, gelingt es dem Autor zwar, diese einzelnen Figuren individuell auszubauen, dennoch stehen klar die Questen und nicht die Nebenrollen im Fokus der Erzählung.


Preis-/Leistungsverhältnis


Mit 19,95 EUR liegt Die Legion der Schatten zwar über ähnlich umfangreichen Romanen in Taschenbuchausgabe, dafür bekommt der Leser aber einen wahrlich dicken Wälzer in die Hand, der auf lange Zeit Lesevergnügen verspricht. Abgesehen vom Umfang reizt der erste Band von Destiny Quest aber auch zum wiederholten Spielen, um die taktischen Möglichkeiten der verschiedenen Klassen, Spezialisierungen und Ausrüstungskombinationen auszuprobieren.


Erscheinungsbild


Destiny Qzest 1 CoverDie Aufmachung des Spielbuchs ist eher zweckmäßig, punktet aber durch seine gute Strukturierung. Neben den ausführlichen Regeln finden sich vier leere Heldenbögen. Besondere Erwähnung verdient der umfassende Glossar im Anhang, der auf unglaublichen 16 Seiten die rund 160 Spezialfähigkeiten erklärt, die man durch Ausrüstung hinzugewinnen kann.


Das Papier des Taschenbuchs scheint mir etwas dünner zu sein als bei anderen Spielbüchern des Mantikore-Verlags, dies wird aber wohl dem Umfang von rund 660 Seiten geschuldet sein. Das übliche Hin- und Herblättern verkraftet Die Legion der Schatten dennoch sehr gut.


Illustrationen finden sich keine, lediglich auf den ersten Seiten ist das Titelbild der englischen Erstausgabe in schwarz-weiß wiedergegeben, dazu zeigen drei Seiten die Übersichtskarten mit den Arealen der drei Spielakte. Die Titelillustration von Dominic Harmann ist handwerklich zwar gut, erinnert mich aber mit ihrer Darstellung eines kraftstrotzenden Finsterlings samt überdimensionaler Waffen eher an ein peinliches Heavy-Metal-Albumcover aus den tiefsten 80ern – Manowar etwa lassen grüßen. Als potentiellen Käufer hätte mich diese in Klischees watende Aufmachung eher abgeschreckt denn zum Erwerb aufgefordert, und das hat Die Legion der Schatten wirklich nicht verdient.


Bonus/Downloadcontent


Der Mantikore-Verlag bietet zu Die Legion der Schatten den Heldenbogen sowie die Übersichtskarten der drei Akte zum Download an. Diese vier Dateien stehen allerdings nur als .jpg-Grafiken und nicht im pdf-Format zur Verfügung.


Fazit


Mit Destiny Quest – Die Legion der Schatten legt Spielbuch-Neuling Michael J. Ward ein beeindruckendes Debüt vor. Dem Leser wird durch die lose Verknüpfung von zunehmend schwereren Questen auf einer offenen Landkarte die freie Wahl gelassen, wie er sein Abenteuer gestalten will. Die verschiedenen Aufgaben sind abwechslungsreich und vermitteln im Lauf von drei umfangreichen Akten zunehmend das Bild eines wahrlich epischen Konflikts. Die Vielzahl an Berufen, Ausrüstung und Sonderfertigkeiten, die die eigene Figur dabei ergattern kann, ermöglichen eine taktische Tiefe, die ich so in anderen Spielbüchern so noch nicht vorgefunden habe.


Ganz makellos ist Die Legion der Schatten dabei aber nicht: Oft opfert der Autor die für Spielbücher charakteristische Entscheidungsfreiheit längeren Passagen aufeinanderfolgender Abschnitte, um geradlinig die Geschichte voranzutreiben. Auch führen Verzweigungen oft nach nur wenigen Optionen wieder zum selben Punkt zusammen. Die Questen jedoch, in denen der Leser allein durch schlaues und besonnenes Vorgehen bis zum letzten Geheimnis vorstoßen kann, sind dafür umso mehr ein Höhepunkt der Lektüre.


So kann ich Destiny Quest – Die Legion der Schatten jedem Freund von Spielbüchern nur wärmstens ans Herz legen, derweil ich voller Spannung auf den angekündigten zweiten Teil Im Feuer der Dämonen warte.



Rating:
[5 of 5 Stars!]
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Gods and Monsters • A World of Adventure for Fate Core
Publisher: Evil Hat Productions, LLC
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 02/25/2016 04:36:23

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Gods and Monsters ist Teil der A World of Adventure-Reihe von Erweiterungen für das beliebte Erzählrollenspiel Fate, die regelmäßig aus dem Patreon-Projekt von Evil Hat Productions entspringen. Die Reihe brachte bereits einige solide Spielmodule wie Eagle Eyes, Verbrecherjagd Noir im alten Rom, oder Sails full of Stars, eine Steampunk-Weltraumoper, heraus. Doch auch schwache Erweiterungen, wie das platte Gefängnisdrama Behind the Walls, waren dabei. Die Autoren versuchen dabei nicht nur interessante Spielwelten zu produzieren, sondern immer auch neue Regeln einzuführen, die zeigen, was man mit Fate alles machen kann. Gods and Monsters beweist nun, dass selbst Götter spielbar sind.


Inhalt


Gods and Monsters führt auf 62 Seiten in eine vorzeitliche Fantasywelt. Diese wurde von einem „Höheren Bewusstsein“ geschaffen, das danach in tausend Stücke zersprang. Jeder Splitter wurde zu einem Gott, welcher die noch junge Welt und das Schicksal ihrer Bewohner formt. Einige von ihnen schließen sich zu Pantheons zusammen und ringen um Anhänger und Einfluss. Andere verfallen ihrer eigenen Macht und werden zu gefährlichen Monstern. In den Händen der Spieler als Götter liegt dabei nicht weniger als das Schicksal der gesamten Spielwelt. Epische Geschichten sind dabei vorprogrammiert. Die Sonne stehlen und die Welt in ewige Finsternis tauchen? In einem Krieg mit einem anderen Pantheon den ganzen Kontinent auseinanderreißen? Warum nicht!


Das Setting: eine ungeformte Wildnis


Viel verrät Gods and Monsters nicht über die namenlose Spielwelt; muss es aber auch nicht. Die Welt ist noch jung und ungezähmt, die Berge zerklüftet, die Wälder düster und das Meer voller bizarrer Lebensformen. Menschen leben in nomadischen Stämmen oder vereinzelten Städten, bearbeiten Bronze und erfinden gerade das Eisenhandwerk. Nahrung wird erjagt oder auf kleinen Feldern geerntet und Waren werden per Tauschsystem gehandelt. Anders als bei Fate-Modulen wie Romance in the Air erfordert diese Ungeformtheit des Settings keine zusätzliche Recherche und Vorarbeit, sondern ist integraler Bestandteil des Spielerlebnisses. Es geht eben genau darum, die Welt durch göttlichen Einfluss zu formen. Gods and Monsters schlägt explizit vor, Wahrheiten über Teile der Welt erst dann festzulegen, wenn Spieler sie ins Spiel einbauen. So wird das Setting tatsächlich nach und nach durch die Entscheidungen der Spieler geformt, was perfekt zum Hintergrund passt. Diese fortgesetzte Schöpfung verbindet dabei als Thema auch die einzelnen Abenteuer. Die erzählte Geschichte wird in „Tales“ eingeteilt, die Details der Spielwelt erklären, z.B. warum ein Berg die Form eines Schädels hat.


Gods and Monsters geht dabei von sechs Standardregionen aus: Forest Primeval, Rugged Peaks, Ocean, Trackless Desert, Sweeping Plains, First City, die alle einen besonderen Stunt haben. Wer etwas mehr Anhaltspunkte zum Spielen braucht, kann eine vorgefertigte Karte der Spielwelt mit Vorschlägen von bereits existierenden Göttern benutzen und direkt loslegen.


Die Spieler: Götter aus großen Sagen


Spieler verkörpern in Gods and Monsters die namensgebenden Götter. Sie ähneln dabei vor allem unserer Vorstellung von Griechischen Göttern als mythische Figuren mit großen Leidenschaften, Fehlern und Begierden. Ab hier wird es aber ein wenig metaphysisch: Götter haben einen „Mantle“, ein Selbstbild, mit dem sie ihre große Macht kanalisieren und das sie in der Schöpfung darstellt. Dies ist jedoch nicht unumstößlich, sondern kann durch eigene Taten oder den Glauben von Anhängern umgestaltet werden – die Identität eines Gottes befindet sich also im Fluss. Im schlimmsten Fall überwältigt die eigene Macht einen Gott und verwandelt ihn für immer in ein Monster, die natürlichen Widersacher der Götter.


Für die Spieler bedeutet das: Sie können einen Gott nach ihren Wünschen erschaffen und genau so aussehen, wie sie es wollen. Hörner, glühende Augen, drei Köpfe? Kein Problem, wenn es zum Mantle passt. Als weitere Besonderheit sind alle Götter unsterblich und können zwar ausgeschaltet und eingesperrt, aber eben nicht getötet werden. Auch können sie sich schnell in jede Region der Schöpfung bewegen, so lange nicht jemand anderes sie daran hindert. Außerdem hören sie die Gebete und Wünsche ihrer Anhänger auch über enorme Distanz hinweg. Damit ist Gods and Monsters definitiv ungewöhnlich und nicht für Anfänger-Spielrunden gedacht. In die neue, epische Rolle muss man sich erst eingewöhnen.


Doch Gods and Monsters lässt Spieler nicht alleine und präsentiert drei Beispiel-Gottheiten, etwa die zornige Naturgöttin Thorn, Cassia, die noble Göttin der Stärke und Silver, den schlangenzüngigen Manipulator. Auch an Beispiel-Monster wurde gedacht, etwa eine gewaltige Seeschlange oder einen Vampir.


Wichtig: Die Gemeinschaft


Ein wichtiger Bestandteil von Gods and Monsters ist die Beziehung der Götter zu den Menschen, genauer gesagt einer menschlichen Gemeinschaft. Diese wird in den Werten Culture, Integrity, Subtlety, Technology, Warfare und Wealth näher beschrieben und kann besondere Aspekte erhalten. Gemeinschaften sind dabei neben anderen Göttern, Nomadenstämmen und Monstern die wichtigsten Anlaufpunkte für Charakterspiel. Dabei kann ein Gott zwar mit einzelnen Personen sprechen, beeinflusst meist aber die Gemeinschaft als Ganzes. Diese funktioniert zudem als Speicher für Machtpunkte (Power Points), einer Ressource, die die Götter ausgeben können, um über besondere Stunts (Boons) Proben zu verbessern. So müssen Götter ihre Gemeinschaften schützen, neue Gemeinschaften erobern, um ihre Macht auszudehnen und werden im Streit versuchen, die Gemeinschaften feindlicher Götter zu konvertieren.


Die Regeln: Komplex im Detail


Gods and Monsters setzt auf das Fate Accelerated-System (auf Deutsch „Turbo Fate“), das ihr zum Spielen braucht. Dabei werden die umfangreichen Fähigkeiten von Fate durch sechs Herangehensweisen (Approaches) an ein Problem ersetzt. Diese wurden bei Gods and Monsters umbenannt und göttlichen Rolle angepasst: Sie heißen Bold, Wise, Mighty, Swift, Subtle und Clever, funktionieren im Kern aber wie die normalen Turbo Fate-Varianten. Neu ist, dass die einzelnen Herangehensweisen gegeneinandergestellt werden. Das Gegenstück zu Wise ist Swift, Clever steht Mighty gegenüber und Bold schließt Subtle aus – irgendwie logisch. Drei Herangehensweisen sind dabei für jeden Gott als „ascendant“ markiert, das heißt, sie entsprechen seiner gewählten Identität und sind mit jeweils einem Aspekt verbunden.


Wann immer ein Spieler nun eine Herangehensweise verwendet, bewegt er einen Marker auf einer Leiste näher an das jeweilige Wort heran. Die Gruppe löst ein Problem durch pure Gewalt? Ein Schritt näher an Mighty; selbst wenn der Gott eigentlich Clever als ascendant markiert hat. Dies erzeugt Power Points und stärkt über bestimmte Schwellen den Effekt der Boon-Stunts (von +1 bis +3). Doch je weiter sich ein Gott auf der Leiste zu einer Herangehensweise bewegt, desto stärker wird auch sein „Geas“, eine übernatürliche Schwäche, die eine Handlung der gegensätzlichen Herangehensweise erschwert. Erreicht ein Spieler das Ende einer der drei Leisten, wird der Gott von seiner eigenen Macht verschlungen und verwandelt sich unwiderruflich in ein Monster – Game Over! Um das zu verhindern können Götter ihre Macht in Heiligtümer oder Gemeinschaften verschieben oder unkontrolliert in die Umgebung abgehen (Bleed off). Dies erzeugt aber einen negativen Aspekt und verzerrt die Landschaft damit zum Schlechteren. So erschaffen Götter faulige Sümpfe, gefährliche Verliese oder brodelnde Lavaseen ganz nebenbei. Manche davon ergeben sogar eigene Plothooks für neue Abenteuer.


Das System von Gods and Monsters ist ungewöhnlich komplex für ein Fate-Rollenspiel. Mit dem Überfliegen der Regeln ist es nicht getan – hier ist tiefe Lektüre und etwas Übung im Spiel angesagt. Dann geht das Spiel aber schnell von der Hand und unterstützt genau die epischen Geschichten, die diese World of Adventure erzählen möchte. Elemente wie Boon-Stunts, Bleed off oder ascendant-Herangehensweisen sind aber eng mit dem Setting verbunden und lassen sich schwer in andere Settings übertragen. Damit funktioniert Gods and Monsters als Fate-Regelerweiterung nur sehr bedingt.


Die Kampagne


Als besonderen Bonus enthält Gods and Monsters auch eine spannende Beispielkampagne als Einstieg für die Spieler. In dieser ist das Licht der Welt mit dem Sonnengott Zarivya verschwunden, als dieser von einer eifersüchtigen Erdgöttin, Gothad-Ul, in die Unterwelt entführt wurde. Die beständige Dunkelheit hat weitreichende Konsequenzen für die ganze Schöpfung; so schleicht ein Lebender Schatten als Avatar der Verderbnis in den Gemeinschaften umher, während die Ahnengeister der Menschen immer zorniger werden. Die Götter müssen gemeinsam mit den Effekten der Krise klarkommen und am Ende das Licht der Welt wiederherstellen. Sie können sich sogar dazu entscheiden, eine neue Sonne herzustellen, anstatt den alten Sonnengott zu befreien. Episch!


Preis-/Leistungsverhältnis


Gods and Monsters wird wie alle World of Adventure-Produkte mit dem Pay What you Want-Modell vertrieben. Der durchschnittliche Preis von knapp 3 USD geht dabei voll in Ordnung. Für ein Modul dieser Qualität wäre auch ein höherer Preis angemessen.


Erscheinungsbild


Gods and MonstersVon allen World of Adventure-Produkten ist Gods and Monsters wohl das schönste. Das liegt am herausragenden Artwork von Manuel Castañón, das die Atmosphäre der ungeformten Welt gut einfängt. Auch das Layout ist solide und übersichtlich. Kleinere Tippfehler verzeiht man diesem Modul dabei gern. Der Regelteil hätte aber etwas übersichtlicher gestaltet sein können.


Fazit


Götter und Fate, da haben sich zwei gefunden! Eine rohe, formbare Spielwelt und sich verändernde Charaktere mit großer Macht passen perfekt zu den narrativen Mechaniken von Turbo Fate. In keinem anderen Rollenspiel lassen sich mythische Taten mit weitreichenden Konsequenzen so mühelos umsetzen, wie hier. So wirkt Gods and Monsters geradezu wie eine logische Erweiterung von Fate, die die Stärken des Spielsystems ausbaut und auf episches Level hebt. Alle Teile des Moduls und seiner Sonderregeln greifen dabei geschickt ineinander und dienen dem mythischen Spiel, was Gods and Monsters zu einer sehr fokussierten Spielerfahrung macht.


Doch das kommt nicht ohne Preis: Die Mechaniken um Intentions, Powerpoints, Milestones und Monsterwerdung sind ungewöhlich komplex für ein Fate-Produkt, erfordern Einlesezeit und lassen sich nicht einfach auf andere Spielwelten übertragen. Trotzdem gehört Gods and Monsters fraglos zu den besten Fate-Modulen, die die A World of Adventure-Reihe hervorgebracht hat. Wer als Fate-Spieler auch nur das geringste Interesse an epischen Abenteuern oder Göttern hat, kann bedenkenlos zugreifen.



Rating:
[5 of 5 Stars!]
Gods and Monsters • A World of Adventure for Fate Core
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House of Bards • A World of Adventure for Fate Core
Publisher: Evil Hat Productions, LLC
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 02/25/2016 03:53:59

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Mit House of Bards erweitert Dave Chalker die World of Adventure-Palette um ein Setting, das seinen Schwerpunkt auf politische Auseinandersetzungen legt. Anders als Eagle Eyes sollen die Spieler aber die Intrigen nicht nur aufdecken, sondern auch selbst einfädeln und spinnen.


Während der Kaiser einen nicht enden wollenden Krieg um die Vergrößerung des Reiches führt, liegt die politische Macht der Hauptstadt beim Stadtrat. Die Inquisition ist ein mächtiger Einflussnehmer, unter deren Joch die Magiergilde leidet. Eifrige Barden sind auf der Suche nach der nächsten brandheißen Story.


Wie weit werden die Charaktere gehen, um ihre Ziele durchzusetzen? Welche Mittel werden Sie ergreifen und was wird sich ihnen auf dem Weg zur Macht entgegenstellen?


Inhalt


Bei House of Bards steht das politische Drama im Vordergrund. Im Gegensatz zu vielen der anderen angebotenen Fate-Settings ist auch das Spiel gegen andere Spieler durchaus gewollt. Dies äußert sich bereits in der Charaktererschaffung. Der Charakter verfügt anstatt seines ersten Abenteuers über eine Ambition, also die Triebfeder seines Handels. Dieses Ziel darf frei gewählt werden, sollte aber keinesfalls trivial oder einfach zu erreichen sein, schließlich will man mit dem Charakter ja einige Zeit Spaß haben. Die anderen Spieler dürfen dann während der „Crossing Path“-Phase überlegen, wie ihre Ambition mit deiner Ambition zusammenhängt, zum Beispiel mit einem zeitweisen Bündnis oder einem durch gegensätzliche Ziele ausgelösten Konflikt.


Um der besonderen Natur des Settings gerecht zu werden, haben sich einige Regeln verändert. Die Charaktere verfügen in diesem Setting über sozialen Stress, um das Gerangel um sozialen Status abzubilden. Etwas unglücklich ist der Verweis auf das Dresden Files Rollenspiel als Referenz für den Einsatz von sozialem Stress, da es sich dabei um ein nicht ganz billiges Vollpreisprodukt handelt, das nicht einmal auf Fate Core, sondern seinem Vorgänger fußt.


Zusätzlich zum neuen Stressbalken freuen sich Spieler von House of Bards über Angriffs- und Verteidigungsmöglichkeiten der vielseitig einsetzbaren Fähigkeiten Ressourcen und Kontakte, sowie über eine Magie-Fähigkeit.


Da sich die Spieler auf unterschiedlichen Seiten eines Konfliktes bewegen können, ist der Konfliktlösung zwischen den Spielercharakteren ein eigenes Kapitel gewidmet. Generell handeln beide Parteien in jedem Fall aus, ob die Probe gemäß dem Wurf ausgeht, oder ob der unterlegene nicht etwas anbieten kann, das der Sieger als Kosten akzeptiert. Eine spannende Idee, die aber gerade in komplexen Kampagnen mit vielen Fronten umständlich wird.


Der Umgang mit den eigenen Aspekten erhält ein eigenes Kapitel. Da die Spieler die Aspekte der Mitspieler zu deren Nachteil einsetzen, gibt es Anregungen wie dies dargestellt werden kann. Von völliger Transparenz aller Spieleraspekte, über alternative Aspekte bis hin zu geheimen Aspekten sind vielfältige Möglichkeiten denkbar, um die Geheimnisse der Charaktere zu wahren.


Ich bau ‘ne Stadt für dich …


Seit die Stadt Costracinni vom kaiserlichen Geschlecht der Costracinnis vor 17 Generationen gegründet wurde, gab es kaum einen Tag, an dem sie sich nicht im Krieg befand. Durch zahlreiche Expansionsfeldzüge wuchs die Stadt zu einem gewaltigen Imperium an. Während der Kaiser sich um die Fronten kümmert, bleibt die Stadt den Räten überlassen, die die Geschicke der Stadt führen.


Costracinni ist dabei in mehrere Bezirke eingeteilt. Jeder Bezirk erhält einen Themen-Aspekt und zwei Problem-Aspekte. Ein einfacher Generator hilft dabei, interessante Probleme zu finden. Im Spiel verfügt jeder Bezirk über einen Vertreter im Stadtrat sowie einen Bezirksrat. Genau der richtige Ort für einen ambitionierten Politiker, sich seine Sporen zu verdienen. Leider fehlen Beispiele für die Namen der Bezirke.


Im Gegensatz zum vorher bereits genannten Dresden Files haben die Schauplätze in House of Bards mehr Aspekte, was ihnen einerseits mehr Struktur, andererseits aber dem Spielleiter mehr Arbeit beschert. Das Spiel empfiehlt, mit doppelt so vielen Bezirken wie Spielern zu starten. Damit ist man schnell bei einer unüberschaubaren Anzahl an Aspekten, lange bevor man die Stadt in ihrer Gesamtheit entwickelt hat.


Diener vieler Herren


Für Zündstoff sorgen die einzelnen Fraktionen, denen sich die Spieler anschließen können. Zuerst stehen hier die Ratsversammlungen, die Costracinni bzw. die einzelnen Bezirke regieren. Als Ratsherr kümmert man sich um die Belange seines Bezirkes, versucht seinen Einflussbereich zu vergrößern oder Dreck über einen Wahlkampfgegner auszugraben.


Wer lieber die Stimme des Volkes repräsentieren will, ist im namengebenden House of Bards bestens aufgehoben. Aber die Politik ist nicht das einzige, was schmutzig ist. Der Konkurrenzkampf zwischen Kollegen und Redakteuren ist hoch. Wer weiß schon, wieso der Chefredakteur die eigene Sensationsstory blockiert um einem Anderen den Vorzug zu geben?


Eine weitere Macht in Costracinni stellen die Kirchen mit ihrer Exekutive, der Inquisition dar. Die Inquisition hat in House of Bards einen hohen Stellenwert und mischt sich des Öfteren in die Politik des Stadtrates. Die Magiergilde steht unter ständiger Überwachung der Inquisition und leidet sehr darunter. Nicht lizenzierten Magiern droht Verfolgung und Tod, sollte ihr Wirken allgemein bekannt werden. Es existieren auch klassische Handwerksgilden, diese nehmen aber eher eine untergeordnete Rolle ein.


Wahlkampf


Eine typische House of Bards Kampagne beschäftigt sich in der Regel mit einer anstehenden Wahl. Es müssen Gefallen eingefordert, Konkurrenten erpresst, Geheimnisse gelüftet und Intrigen durchkreuzt werden. Je nachdem auf welcher Seite die Spieler stehen, bieten sich gute Gelegenheiten, Seilschaften zu bilden, oder dem Mitspieler in die Suppe zu spucken.


Eine House of Bards Kampagne ist nichts für schwache Nerven. Winkelzüge sind an der Tagesordnung und sollten nicht persönlich genommen werden. Daher ist das Setting eher für Rollenspieler geeignet, die eine tolle Story vor das Wohlergehen des eigenen Charakters stellen.


Zum Abschluss des Bandes gibt es noch einige Beispiele, welchen Schwierigkeiten sich ein Charakter möglicherweise gegenübersieht. Sie dienen außerdem als Inspiration für eigene Intrigenspiele. Eine Besonderheit stellen die Aspekte der NPCs dar. Diese enthalten oftmals Lücken, die mit dem Namen eines Spielercharakters gefüllt werden können. Somit bindet man diese Charaktere sehr einfach an Spielercharaktere. Diese Bindungen nehmen zum Teil sehr extreme Ausprägungen an, wie zum Beispiel die Ermordung eines Familienmitgliedes des Spielercharakters. Auch aus Kontakte-Würfen entstandene Charaktere existieren im Spiel weiter. Dadurch bildet sich mit der Zeit ein immer größer werdendes Geflecht an Charakteren, das die Spieler umgibt und auf ihre Aktionen reagieren kann, was andererseits die Komplexität in der Verwaltung für den Spielleiter erhöht.


Insgesamt bietet House of Bards eine spannende Variation des Regelwerks. Das Setting stellt den Konflikt zwischen den Spielern in den Vordergrund und unterscheidet sich damit deutlich von den eher kooperativen anderen Erscheinungen der World of Adventure-Reihe. Costracinni ist nur sehr vage beschrieben und auch die Hintergrundgeschichte ist eher dürftig. Die Regelanpassungen sind aber gelungen und bieten genügend Freiraum, sich seine eigene Metropole zu erschaffen.


Preis-/Leistungsverhältnis


Wie alle Teile der World of Adventure Reihe steht auch House of Bards kostenlos zum Download bereit. Der durchschnittliche, freiwillig gezahlte Preis von knapp 3 USD ist in jedem Fall gerechtfertigt, auch wenn das Setting insgesamt nur in groben Zügen beschreiben ist.


Erscheinungsbild


House of Bards Teaser CoverAuch dieser Band bleibt dem World of Adventure-Layout treu, verzichtet aber leider auf Links im Text sowie einen Index. Das Inhaltsverzeichnis ist voll verlinkt und rettet den Band vor einem medialen Totalausfall. Das Artwork zeichnet sich durch zahlreiche vollfarbige Illustrationen aus, die den Charakter Costracinnis einfangen.


Der Textsatz ist ordentlich, die Platzierung von Grafiken sinnvoll. Der Band hinterlässt damit insgesamt einen guten Eindruck.


Fazit


House of Bards bietet, wie bereits erwähnt, ein aufregendes Polit-PvP-Setting. Das Spiel ist auf die Reibereien zwischen den Spielern angewiesen, um zu wirken. Große Koalitionen zwischen den Spielern sind zwar möglich, berauben die Gruppe aber um die Winkelzüge der einzelnen Charaktere. Jeder Charakter sollte eigene Ambitionen mit an den Tisch bringen, die – und das ist die Aufgabe des Spielleiters –auch im direkten Konflikt zueinander stehen sollen.


Die Hintergrundwelt bleibt indessen ein bisschen blass und viel zu vage. Es gibt zum Beispiel mehrere Kirchen, leider wird aber mit keinem Wort ein Götterpantheon oder eine Glaubenslehre erwähnt. Definiert ist nur, dass die Inquisition alle Kirchen vertritt, was auf einen gemeinsamen Götterglauben schließen lässt


Die Handhabe der einzelnen Bezirke und NPCs ist für den Spielleiter aufwändig. Die Charaktere haben einen unterschiedlichen Wissensstand, wer welche Informationen über welchen Aspekt hat und manchmal haben sogar die Spielercharaktere öffentliche und geheime Aspekte. Um hier die Übersicht zu bewahren, muss man entweder ein gutes System oder ein noch besseres Gedächtnis haben, jongliert man doch stetig mit einer Unzahl an Aspekten.


Insgesamt überzeugt das Konzept von House of Bards, lässt aber Chancen ungenutzt. Costracinni hat ein so dünnes Gerüst an Hintergrundinformationen, dass sich das Spiel in jede beliebige Richtung entwickeln kann. Eine motivierte Gruppe ist für diese Chance sicherlich dankbar, läuft aber Gefahr, Inkonsistenzen zu erzeugen. Leider gibt es, abgesehen von den Gruppierungen der Räte, der Presse und der Kirchen kaum Rahmenbedingungen, an denen sich die Gruppe orientieren kann.


Dieses Spiel ist für Gruppen, die sich für politische Winkelzüge, kurzlebige Allianzen und fiese Intrigen begeistern. Die Spieler sollten aber erwachsen genug sein, Aktionen gegen den eigenen Charakter nicht persönlich zu nehmen und sportlich mit Niederlagen umzugehen. Auf diese Spieler warten hier ein neues Spielgefühl und viele aufregende Momente, die im bisherigen Setting von Fate ihresgleichen suchen.



Rating:
[4 of 5 Stars!]
House of Bards • A World of Adventure for Fate Core
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The Sixth Gun Roleplaying Game
Publisher: Pinnacle Entertainment
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 02/23/2016 02:30:19

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Als bekennender Deadlands-Fan habe ich mich etwas zurückhalten müssen, als Pinnacle den Kickstarter für The Sixth Gun für Savage Worlds anpries. Da ich die Comicvorlage aber nie in Händen hielt, habe ich es mir mal ausnahmsweise verkniffen, mein Geld in noch eine weitere Crowdfunding-Kampagne zu stecken. Darum bin ich auch dann später gerne auf das Angebot eingegangen, mir das Ding für eine Rezension anzusehen. War mir da etwas entgangen?


Inhalt


Mal ganz frei von der Leber weg: The Sixth Gun Role-Playing Game präsentiert seine Welt eher schlecht. Generell leidet das gesamte Produkt an einem schludrigen Aufbau, der Übersichtlichkeit vermissen lässt. Damit will ich nicht sagen, dass es als Rollenspielprodukt versagt. Man darf hier nur wenig Handreiche erwarten, wenn einem die Comic-Reihe nicht geläufig ist. Wer The Sixth Gun also im Rollenspielladen spontan aus dem Regal nimmt, könnte später von seinem Kauf eher enttäuscht sein.


Am Setting liegt das zunächst mal nicht. Da gibt es sechs Superknarren, die eigentlich die Menschheit beschützen sollen. Durch die Jahrtausende sind sie in immer neuer Form aufgetaucht, und wer die Schießeisen in seine Gewalt bringt, kann die Realität umschreiben. Jede dieser Wummen hat auch ihren eigenen Trick auf Lager:



  • Nummer 1 hat die Durchschlagskraft einer Kanone.

  • Nummer 2 kann Leute in Brand stecken oder eine ganze Fläche mit Feuer eindecken.

  • Nummer 3 verbreitet Pestilenz.

  • Nummer 4 kann eine bestimmte Sorte Untoter beschwören.

  • Nummer 5 heilt den Träger, wenn andere damit verletzt werden. Ewige Jugend gibt es noch obendrauf.

  • Nummer 6 ist natürlich der Lamborghini unter diesen Waffen. Je willensstärker der Träger, desto mehr übernatürliche Kräfte werden freigestaltet, inklusive extreme Treffsicherheit, Astralreisen oder Vorahnungen.


Das wäre jetzt alles ganz toll. Dummerweise wurden die sechs Colts in einem dunklen Ritual beschworen, um damit die Unterjochung der Menschheit einzuleiten. Bevor der Weltuntergang während des Amerikanischen Bürgerkriegs eingeleitet worden konnte, griffen noch ein paar Mutige ein und die Sechste verschwand erst mal von der Bildfläche. Das Spiel selbst beginnt viele Jahre später, im Jahre 1887. Was dazwischen so passiert ist, reißt das Buch eher an. Entscheidend jedoch ist, dass fünf der Wunderwummen in den Händen von Bösewichten sind, die Amerika unsicher machen.


Ohne Zusammenhang


Was macht die USA aus? Und was definiert den „Westen“? Das vorliegende Buch scheint sich nicht so gern mit so grundlegenden Fragen auseinanderzusetzen, sonst würde ich mich bei genauerem Hinsehen wahrscheinlich weniger wundern. Trotz der Vorgeschichte im Bürgerkrieg hätte ich mir gedacht, dass die Abenteuer sich im Wesentlichen im (Wilden) Westen abspielen. Drei der fünf beiliegenden Abenteuer sicherlich nicht! Tennessee, Missouri und Kentucky? Alle schon brav Staaten (nicht nur Territorien) seit spätestens 1822. Das wilde Siedlerleben dürfte dort vorbei sein. Überhaupt stellt sich die Frage, wie die Spieler die enormen Distanzen überwinden werden, die zwischen den einzelnen Handlungsorten liegen. Erwähnt werden Nevada, Lousiana, Texas, New Mexico, Tennessee, Utah und Mexico als besondere Orte in der Spielwelt. Damit wären zwei Drittel der Gesamtfläche der Staaten schon mal abgedeckt. The Sixth Gun bietet keine Reiseregeln oder Anhaltspunkte für den SL, wie das vonstatten gehen soll. Man darf mal vermuten, dass mit gnädigem Handwedeln die Helden überall da auftauchen, wo sie gebraucht werden. Wer die „Savage Tales“ aus diesem Band an ihren Originalorten belässt, schießt sich jedenfalls selbst ins Knie ...


Noch besser gefiel mir aber der Absatz, der auf die zahlreichen historischen Quellen über das Amerika des 19. Jahrhunderts verwies. Der „Gazetteer“ ist denn auch dementsprechend dünn. Es ist also alles, wie es wirklich war, außer diese komischen übernatürlichen Sachen, die eigentlich überall sind. Das ist mir für ein Setting aber viel zu wenig! Noch erstaunlicher ist aber, dass eine Westernstadt für die Spieler fünf Seiten ausgewalzt wird. Immerhin gibt es dort eine dieser Waffen zu finden, obwohl das für Neulinge kaum zu bewältigen sein dürfte. Hier stehen also viele Details den groben Pinselstrichen des restlichen Werks gegenüber.


Positive Aspekte


Das alles ist deswegen so enttäuschend, weil im Großen und Ganzen The Sixth Gun RPG eigentlich ein kleiner Batzen Inspiration ist. Es enthält keine Plot-Point-Kampagne, aber immerhin einen brauchbaren Abenteuergenerator. Die fünf enthaltenen Savage Tales könnten zwar auch in jedem Band der Savage Tales of Horror auftauchen, aber sie machen einen guten, spielbaren Eindruck.


Noch besser steht es um die Spielregeln. The Sixth Gun gibt sich als Deadlands Reloaded „light“. Es erfindet das Rad nicht neu, sondern nimmt gelungene Regeln und Konzepte und verwendet sie weiter. Es gibt drei Arkane Hintergründe: Voodoo, Zauberei und Schamanismus. Alle drei orientieren sich mehr an den Savage Worlds Grundregeln als an Deadlands. Sehen wir mal von der Macht „Fluch“ ab, die beinahe wortwörtlich aus dem Weird West übernommen wurde. Mit ein paar zusätzlichen Mächten, Talenten und Handicaps wird die Grundidee von The Sixth Gun gut und mit geringem Einarbeitungsaufwand abgebildet. Für manche Leute noch schöner: Hier gibt es das Übernatürliche, aber keinen Steampunk. Wem Deadlands also zu abgedreht und variantenreich ist, der kann immer noch zu The Sixth Gun greifen. Theoretisch reichen die Regeln hier für jede übernatürliche Wildwestkampagne, und die angebotenen Regeln sind nicht so stark ans Setting gebunden wie im Weird West (wo viele Spielkonzepte direkt an die Existenz von Ghost Rock oder die Manitous gebunden sind). Umgekehrt hindert einen auch nichts daran, das Spektakel um die Schießeisen in den Weird West zu verlegen. So bewarb es ja Pinnacle auch anlässlich seines Kickstarters.


Eine zentrale Rolle im Spiel nehmen die Reliquien ein, Artefakte, die übernatürliche Effekte zugänglich machen. Es wird an mehreren Stellen angenommen, dass die Spieler entweder aktiv nach diesen Reliquien suchen oder sich denen in den Weg stellen, die das für ihre eigenen Zwecke tun. Zusammen mit der umfangreichen Monstersammlung und den vielen stimmungsvollen NSC sollte das auch einige Abenteuer inspirieren können.


Wer mehr will, kann auch zu diesen Produkten greifen.


Preis-/Leistungsverhältnis


Wie schon oben erwähnt, enthält der 96-seitige Band einiges an inspirierendem Material, das sich für alle möglichen Savage Worlds und Deadlands Kampagnen eignen kann. Das ist sicher die knapp 10 USD wert, die Pinnacle für das PDF haben will. Das entspricht auch meiner persönlichen Erwartung an das Verhältnis zwischen Seitenzahl und Preis.


Erscheinungsbild


Sixth Gun Cover Pinnacle Entertainment GroupSettings für Savage Worlds erscheinen bei Pinnacle jetzt typischerweise in kleinen Hardcovern unter 100 Seiten, so auch The Sixth Gun. Wie bei einer Comic-Adaptation nicht anders zu erwarten, bedient sich das Buch bei der Vorlage, wenn es um die Illustrationen geht. Das erinnert an Marvel Heroic, aber bei weitem nicht jede Seite ist dermaßen verziert.


Ein schön gelayoutetes Produkt, keine Frage, aber bei dem begutachteten PDF erscheint mir die Schrift ein wenig zu klein und irgendwie verwaschen. Setze ich den Zoom auf 150%, ist es zwar am Bildschirm gut zu lesen. Die immer noch leicht verblichene Schrift könnte eine Anspielung auf älteren Schriftsatz sein. Egal, was der Grund sein mag, für das Auge ist The Sixth Gun, so wie es mir vorlag, weniger leserlich als vergleichbare Produkte aus gleichem Hause (Lankhmar – City of Thieves oder Savage Tales of Horror).


Bonus/Downloadcontent


Wie zu vielen anderen Savage Worlds-Produkten gibt es auch für The Sixth Gun ein paar Kurzabenteuer und einen Charakterbogen zum Download.


Fazit


Will man The Sixth Gun schnell zusammenfassen, dann könnte man auch sagen: Nimm Deadlands Reloaded, reiß die meisten Seiten raus, ändere ein paar Details, und fertig ist The Sixth Gun. Während Pinnacles Flaggschiff Deadlands viele Zusatzregeln hat, um den Weird West abzubilden, ist The Sixth Gun eigentlich nur ein kleiner Aufsatz auf Savage Worlds. Was nicht schlecht sein muss!


Handwerklich ist das Ganze gut gelöst. Ein paar Arkane Hintergründe, Settingregeln, Talente und Handicaps genügen, um loszulegen. Wirklich Fleisch auf die Knochen kriegt das Ganze aber erst durch die vielen NSC und mächtigen Artefakte, die dieses Setting prägen. Dazu noch ein paar Monster, die auch in Deadlands gut reinpassen (oder dort schon existieren), und der wilde Reigen kann beginnen.


Inhaltlich leidet The Sixth Gun wie andere Pinnacle-Lizenzen daran, ein Leichtgewicht zu sein. Genauso wie bei Lankhmar setzt man wohl darauf, dass existierende Fans (hier: des Comics) zugreifen. Will man sich wirklich in das Setting einarbeiten, ist das Buch zu seicht. Das ist für ein Rollenspielprodukt eher schwach, vergleicht man Deponia, wo die Autoren (und der ursprüngliche Schöpfer der Vorlage) weit über den Kanon der Computerspiele hinausgingen. Auch The One Ring hat es gewagt, den Kanon dort fortzuschreiben, wo Tolkien Details offen ließ.


The Sixth Gun verbleibt als solides Produkt für SL, die diese Arbeit mit etwas Inspiration am liebsten selbst leisten oder einfach der Vorlage verfallen sind. Alle anderen werden mehr als dieses eine Buch brauchen, um eine überzeugende Kampagne in der Welt der Six hinzulegen.



Rating:
[4 of 5 Stars!]
The Sixth Gun Roleplaying Game
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War of Ashes: Fate of Agaptus
Publisher: Evil Hat Productions, LLC
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 02/17/2016 02:40:00

Flauschige Plüschmonster führen in der Rollenspieladaption von War of Ashes einen erbitterten Überlebenskampf um begrenzte Ressourcen. Das grimmige Endzeit-Setting nimmt sich selbst nicht zu ernst und entführt mit liebevollen Zeichnungen in eine mittelalterliche Eiszeit. Ob die Verbindung von Turbo Fate mit Tabletop-Elementen gelungen ist, erfahrt ihr hier!


Rezension: War of Ashes: Fate of Agaptus - Krieg der Plüschmonster (Turbo Fate)


War of Ashes: Fate of Agaptus ist eine Rollenspieladaption der War of Ashes-Tabletop-Reihe von Zombiesmith für Turbo Fate. In Folge einer Eiszeit streiten sich vier flauschige Völker um die immer knapper werdenden Ressourcen. Das Setting wird von den Autoren als "grimsical" bezeichnet. Diese Wortneuschöpfung fasst die zwei zentralen Elemente des Settings prägnant zusammen: Es ist eine düstere Welt brutaler Konflikte und skurriler Kulturen.


Neben dem Setting ist an War of Ashes: Fate of Agaptus besonders, dass es versucht, Miniaturen als taktische Elemente in Konflikten zu integrieren. Ob und wie dies gelingt, lest ihr im zweiten Teil der Rezension.


Der Settingband enthält neben der Settingbeschreibung auch eine vollständige Einführung in das Turbo Fate-Regelwerk. Aufgrund der sehr guten und ausführlichen Einführung ist es uneingeschränkt für den Einstieg in Fate zu empfehlen.


Ein Haufen absurder Plüschmonster


Vier Völker streiten um die schwindenden Ressourcen des Landes: Die gelehrten Elvorix, die wilden Vidaar, die disziplinierten Jaarl und die endlosen Kuld. Technologisch befinden sich die vier Völker auf einem mittelalterlichen Niveau. Sie staunen über die wundersamen und unerklärlichen Ruinen früherer Zivilisationen.
Elvorix und Vidaar verbindet eine jahrhundertealte Feindschaft. Einst waren beide Völker Teil des Volkes der Sentian, die antike Wunderwerke im Land bauten. Irgendwann stießen die gelehrten Sentian jedoch auf die Kuld, die alles verschlangen, das sie in ihre Münder stopfen konnten. Unter General Vidaar entstand schließlich eine mächtige Kriegerkaste, der es gelang die Kuld zu vertreiben. Den Gelehrten allerdings war diese Kriegerkaste nach Ende des Krieges nicht geheuer, sodass die Gelehrte Elvora eine List ersann und die Krieger mit Ausblick auf reiche Schätze, die auf einer fernen Insel auf sie warten sollten, auf eine jahrhundertelange Reise aufs Meer lockte. So ist es wenig verwunderlich, dass die kriegerischen Sentian, die sich nun nach ihrem General Vidaar benannten, nach ihrer endlosen Odyssee fürchterliche Rache an den Elvorix nahmen und viel Wissen der Gelehrten durch Krieg, Mord und Brandschatzung verloren ging. Die alte Fehde ist auch heute noch nicht vergessen, aber das Wiederauftauchen des gemeinsamen Feindes – der gefräßigen Kuld – konnte ein fragiles Bündnis zwischen den Feinden schaffen. Die Jaarl schließlich sind nach einem Vulkanausbruch aus ihrer Heimat geflohen und drohen aufgrund ihres technologischen und militärischen Fortschritts Elvorix und Vidaar auszulöschen. Einige Stimmen unter den Jaarl mutmaßen aber auch, dass es vielleicht zu einem Waffenstillstand kommen könnte.


Launische Götter


Die Götter, die von den Völkern Agaptus' verehrt werden, haben Interesse am Wohl der Sterblichen. Leider sind sie aber völlig unfähig. Selbst wenn sie sich mit wohlwollender Intention in das Leben Sterblicher einmischen, hat dies oft ungewollte Konsequenzen. Ein Ritual zur Abwehr feindlicher Schiffe durch göttliche Winde kann dazu führen, dass auch die eigene Fischereiflotte an den Felsen zerschlägt. Der Wunsch nach reicher Ernte kann Schädlingsinfektionen zur Folge haben, die wiederum fleischfressende Reittiere anlocken, die wiederum Trolle anlocken. Gleichzeitig ist es aber auch fatal, die Götter zu ignorieren oder während eines Rituals einen winzigen Fehler zu begehen – ihr göttlicher Zorn ist mit Sicherheit schlimmer als alles, das sich die Völker Agaptus' gegenseitig antun könnten. So versuchen viele Priester nur vorzugeben, Rituale für eine Gottheit abzuhalten, damit diese nicht zornig wird, vermeiden aber gleichzeitig, eine der vielen launischen und unfähigen Gottheiten auf sich aufmerksam zu machen.
Regeltechnisch wird dieses Spielelement durch das Konzept "göttlichen Interesses" abgebildet. Jede Gottheit des Pantheons verfügt über eigene Konsequenz-Slots, die gefüllt werden, wenn die Spielercharaktere diese Gottheit um Hilfe bitten, beleidigen oder auf andere Art und Weise auf sich aufmerksam machen. Sobald ein weiterer Konsequenz-Slot gefüllt werden müsste, aber alle Slots einer Gottheit schon belegt sind, wird die Gruppe durch göttliches Interesse ausgeschaltet. Dies bedeutet, dass die Charaktere ihr aktuelles Ziel zunächst einmal nicht erreichen und sich die Gottheit in das Leben der Charaktere einmischt. Wenn die Gottheit vor allem aufgrund positiver Taten auf die Gruppe aufmerksam wurde, wird sie vor dieser erscheinen und ihnen zu helfen versuchen (und dabei versehentlich ein Gebäude in Brand setzen). Sollte die Gottheit aber zornig auf die Gruppe sein, wird sie ihnen so lange Hindernisse in den Weg legen und das Leben erschweren (z.B. indem ein Erdbeben die Gruppe verfolgt), bis eine andere Person erneut den Zorn der Gottheit auf sich zieht. Am Ende der Sitzung entscheiden sich die Spieler gemeinsam für einen neuen Gruppenaspekt, welcher die Art der Einmischung bzw. des Interesses der Gottheit an der Gruppe bezeichnet.


Viele Plothooks, wenig Innovatives


War of Ashes: Fate of Agaptus ist es dickes Buch. Auf knapp 200 der 370 Seiten werden das Setting und jede der vier Fraktionen detailliert beschrieben. Diese Beschreibungen sind aufgegliedert in eine Einführung in die jeweilige Gesellschaft, eine Übersicht über Personen/Klassen/Gilden der jeweiligen Fraktion und typische Orte. An vielen Stellen finden sich hier Ideen für kurze Abenteuer. So müssen die Helden beispielsweise einen Weg finden, den Abschluss eines Tempelbaus heraus zu zögern, ohne die Gottheit weiter zu verärgern; oder sie müssen nur mit einer Handvoll Feiglinge eine Vidaar-Garnison gegen einen hinterhältigen Angriff halten, bis die eigentlichen Truppen aus der Schlacht zurückkehren.
Diese Plothooks sind nett, witzig, clever. Sie helfen, das „grimsical"-Gefühl des Settings fassbar zu machen und erlauben es dem Spielleiter, kurz vor dem Spielabend das Buch aufzuschlagen und sich durch eine gute Idee für den Spielabend inspirieren zu lassen. Meiner Meinung nach eignen sie sich, durch ihre Pointierung auf jeweils einen absurden Aspekt der jeweiligen Fraktion, jedoch deutlich besser für Oneshots als für eine länger angelegte, komplexe Kampagne. Mich persönlich hat es sehr geärgert, knapp 200 Seiten Text gelesen und dabei nur einige Ideen für witzige Kurzszenarien gesammelt zu haben.


Hinzu kommt, dass die Beschreibungen der Fraktionen an historischen Kulturen und bekannten Klischees angelehnt sind. Mich hat es wenig überrascht, dass sich in den Siedlungen der an die Wikinger angelehnten Vidaar Häfen, Flotten, Clanhallen, Schmieden und Brauereien befinden. Dass diese Gebäude dann jeweils sehr ausführlich beschrieben sind und teils triviale Plothooks enthalten (Beispiel: Es werden neue Vorräte für die Schmiede benötigt!), transportiert nicht einmal mehr den besonderen Charme des Settings, sondern füllt meines Erachtens viele Seiten mit wenig interessanten Inhalten. Einzig die großartigen Illustrationen, die fast jede Seite des Buches schmücken, haben mich über die trivialen Beschreibungen hinweg getröstet.


Wie soll man das denn spielen?


Für mich ist War of Ashes: Fate of Agaptus ein Settingband für Oneshot-Szenarien. Die herrlich absurden Elemente des Settings liefern wunderbar witzige, kurze Szenarien, die eine Spielrunde sicherlich einige Stunden unterhalten können. Ich sehe aber nicht, wie man dieses Setting in einer längeren Kampagne bespielen kann. Auch wenn formal einige Elemente des Settings auf längere Kampagnen ausgelegt sind (z.B. der "Göttliches Interesse"-Track), kann ich mir nicht vorstellen, wie man die Glaubwürdigkeit der Welt über eine längere Zeit in einer gemischten Heldengruppe aufrechterhalten kann.
Natürlich können die verschiedenen Fraktionen gemeinsame Interessen verfolgen, wie beispielweise die Ursache der Naturkatastrophe zu erforschen und das Fortschreiten der Eiszeit aufzuhalten. Letztlich sind die vier Fraktionen aber auch Todfeinde. Hinzu kommt, dass sich die menschenfressenden Kuld nur durch die Gerüche wieder hochgewürgter Speisen unterhalten können. Das mag für ein paar Spielabende witzig sein, danach würde es mich einfach nur noch nerven.
Eine mögliche Lösung könnte darin bestehen, eine Heldengruppe aus Mitgliedern einer einzigen Fraktion zu spielen. Dadurch würde zwar ein Teil des Charmes des Settings verloren gehen, zugleich könnte aber eine höhere Glaubwürdigkeit der Welt gewahrt werden. Es ist schade, dass der ansonsten sehr gute Spielleiterteil des Buches auch keine konkreten Hinweise gibt, wie sich längere Kampagnen angesichts der innerweltlichen Konflikte zwischen den Gruppen umsetzen lassen.


Fate mit Tabletop-Elementen!?


Der Settingband ist von den War of Ashes Tabletops Shieldwall und Shieldbash inspiriert. Daher lehnen sich auch einige Regelelemente an die Tabletop-Ursprünge an. Zu Beginn jedes Konfliktes gibt es eine Phase des Brüllens, in der sich die Krieger in Rage schreien und Priester sowie Schamanen den Beistand der Götter erflehen. Regeltechnisch erschafft jeder Charakter zu Beginn eines Konfliktes einen Vorteil, welcher die besondere Vorbereitung dieses Charakters zur anstehenden Schlacht wiederspiegelt. Einige Charaktere mögen in eine tiefe Trance fallen, während andere sich in Rage schreien oder dem Blutrausch erliegen. Schafft der Spieler den zugehörigen Würfelwurf nicht, wird der Aspekt zwar trotzdem erschaffen, der Charakter erleidet jedoch eine Konsequenz, die einmal frei ausgenutzt werden kann.
Sobald ein Charakter einen solchen Aspekt erschaffen hat, kann er nur noch diejenige Methode für seine Aktionen wählen, mit deren Hilfe er den Aspekt erschaffen hat, sowie die beiden angrenzenden Methoden (siehe Diagramm) – ansonsten verliert er den Aspekt sofort wieder. Versucht sich also ein rasender Charakter (der Aspekt wurde mit der kraftvollen Methode erschaffen) vorsichtig an einen Gegner heranzuschleichen, ist er nicht mehr rasend. Diese zusätzliche Konflikt-Phase ist ein tolles Element, weil sie einerseits den tribalistischen Hintergrund des Settings schön einfängt und andererseits das Spotlight kurz auf jeden einzelnen Charakter und seine Eigenheiten schwenkt.


Ein weiteres Tabletop-Element ist das Gewicht der Charaktere. Charaktere haben standardmäßig ein Gewicht von Eins, Schergengruppen oder größere Monster können auch höhere Gewichte haben. Übersteigt in einem Konflikt in einer Zone das Gewicht der einen Gruppe das der anderen Gruppe um den Faktor Zwei, kann diese Gruppe einen beliebigen ihrer Würfel in ein + verwandeln. Liegt dieser Faktor sogar bei Vier oder höher, kann die Gruppe gleich zwei ihrer Würfel auf ++ drehen. Das Gewicht lässt sich auf einem Bodenplan beispielsweise durch die von Miniaturen eingenommene Fläche darstellen.
Im Grund ist diese Regel eine Variation der Teamwork-Regel, die meines Erachtens vor allem zusätzlichen Verwaltungsaufwand bedeutet. Daher würde ich empfehlen, die Teamwork-Regel durch die Gewichts-Regel zu ersetzen und nicht beide gleichzeitig zu verwalten. Ansonsten könnte es schwierig fallen Konflikte ohne viel Erfahrung im erweiterten System angemessen einzuschätzen.


Einer der Werbeslogan für War of Ashes: Fate of Agaptus ist, dass es miniaturenfreundlich ist. Angesichts dieser Werbung ist die Empfehlung, Miniaturen einfach zur besseren Visualisierung in Konflikten zu verwenden, sehr antiklimatisch. Nichtsdestoweniger möchte ich den Abschnitt zu Miniaturen und Zonen in Konflikten jedem ans Herz legen, der sich schon einmal über die Zoneneinteilung in Fate den Kopf zerbrochen hat: In keiner offiziellen Publikation habe ich bislang eine so gut beschriebene Einführung in das Zonenkonzept und derart durchdachte Beispiele für den Aufbau von Konfliktzonen in verschiedenen sozialen und physischen Auseinandersetzungen gesehen. Miniaturen helfen dabei zu visualisieren, in welcher Zone sich die Teilnehmer des Konfliktes befinden und welche anderen Szenenaspekte (Objekte, Kulisse, Natur) sich dort befinden. Hätte ich zu Hause eine Miniaturen-Sammlung, würde ich beim nächsten Spieleabend einmal ausprobieren, ob es die Kreativität meiner Spieler anfeuert, eine Konfliktzone auf einer Battlemap mit Miniaturen nachgestellt zu sehen.


Interessant ist auch die Option, ganz im Sinne von Drops in a pond die jeweiligen Tabletop-Spiele Shieldwall und Shieldbash zu nutzen, um den Ausgang größerer Konflikte zu entscheiden. Diese Möglichkeit ist sicherlich vor allem für Spielrunden interessant, in denen diese Tabletops ohnehin gespielt werden.


Erscheinungsbild
Das Layout ist sehr übersichtlich gestaltet. Dunkle Kästchen grenzen besondere Erläuterungen oder Anmerkungen sinnvoll vom Fließtext ab. Die zahlreichen vollfarbigen Illustrationen sind liebevoll und unterstreichen die Grundstimmung des Settingbandes. Hier hätte man nichts besser machen können!


Bonus/Downloadcontent
Die Tabletop-Regelwerk und weiteres Material zum War of Ashes findet ihr auf Zombiesmiths Website . Dort könnt ihr auch die passenden Miniaturen bestellen; ansonsten finden sie sich auch in gut sortierten Tabletop-Geschäften.


Fazit
In War of Ashes: Fate of Agaptus kämpfen vier bis auf den Tod verfeindete Plüschvölker um die immer knapper werdenden Ressourcen einer von der Eiszeit bedrohten Welt. Das Setting ist absurd-komisch und liefert zahlreiche Ideen für unterhaltsame Oneshots. Allerdings ist die Glaubwürdigkeit der Welt in einer längeren Kampagne vermutlich nur schwer aufrechtzuerhalten.
Der Settingband enthält eine umfassende Einführung in die Turbo Fate-Regeln und leitet anhand vieler Beispiele Einsteiger gekonnt zum Fate-Spielen an. Das Vermischen von narrativem Erzählspiel mit Tabletop-Elementen ist sicherlich Geschmacksfrage und gelingt mal besser, mal schlechter, aber nie ohne Konzept.
Alles in allem handelt es sich um einen interessanten Settingband, der mir auf knapp 370 Seiten jedoch deutlich zu umfangreich geraten ist. Hätten die Autoren es geschafft, die wichtigsten Elemente auf 150 Seiten darzulegen, würde ich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen. So jedoch muss man sich bewusst sein, dass man sich durch sehr viele Seiten lesen muss, um unter Umständen nur einige wenige Abende mit dem sehr speziellen Setting zu verbringen.



Rating:
[3 of 5 Stars!]
War of Ashes: Fate of Agaptus
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Romance in the Air • A World of Adventure for Fate Core
Publisher: Evil Hat Productions, LLC
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 02/17/2016 02:05:03

http://www.teilzeithelden.de/2016/02/05/rezension-roman-
ce-in-the-air-steampunk-pulp-political-history-irgendwas-fat-
e/


Rezension: Romance in the Air – Steampunk Pulp Political History Irgendwas (Fate)


Rezension: Romance in the Air – Steampunk Pulp Political History Irgendwas (Fate)
Wir befinden uns in der Welt des „Fin de Siècle“ am Ende des 19. Jahrhunderts. Doch diese Welt ist anders, als die in unseren Geschichtsbüchern. Hier gibt es keine komplexe Landkarte eines zersplitterten Europas, sondern drei um Vormacht streitende Großreiche. Während am Boden für den großen Krieg gerüstet wird, reisen Fürsten, Diplomaten und Spione im Steampunk-Zeppelin über den Kontinent. Die Stimmung ist angespannt, aber es wird geflirtet, der Wein fließt reichlich, die Musik spielt zum Tanz und die Intrigen nehmen ihren verhängnisvollen Lauf.


Inhalt


Romance in the Air ist ein Erweiterungsband für das Fate-System auf 56 Seiten. Es spielt in einem alternativen historischen Szenario um die vorletzte Jahrhundertwende. Es streiten drei Großmächte mit unterschiedlichen Mitteln um die Vorherrschaft auf dem alten Kontinent Europa:


Das „Britannic Empire“ ist der traditionelle Herrscher des Kontinents. Mit einer großen Luftschiffflotte hat es einen entscheidenden militärischen Vorteil auf seiner Seite. Dazu steckt seine hervorragende Dampf-Industrie die der anderen Imperien in die Tasche.


Das „Muscovite Empire“ ist der Emporkömmling und kriegstreibende Rivale auf dem Kontinent. Sein Militär zu Land sucht seinesgleichen und seine Spione bereiten den Krieg vor. Es ist quasi ein grimmiges Russland zur Zarenzeit.


Das „Caliphate of Baghdad“ versucht mit herausragender Diplomatie nicht zwischen die Fronten zu geraten und aus den Spannungen der beiden anderen Großmächte seinen Vorteil zu ziehen.


Wirklich innovativ ist keines davon: Das Britannic Empire ist quasi England plus Frankreich zu Viktorianischer Zeit, das Muscovite Empire ist die grimmige Entsprechung Russlands zur Zarenzeit und das Caliphat of Baghdad ähnelt dem Osmanischen Reich mit besonderer Betonung der Kulturschätze. Geringere globale Mächte, wie etwa Deutschland oder Polen, sind zwar auf der Landkarte eingezeichnet, spielen für Romance in the Skies aber keine Rolle. Schade, denn gerade sie hätten mehr Spannung in den ansonsten recht klischeehaften Aufbau bringen können. Wer mehr über erwähnte Nebenreiche, wie etwa das „Kingdom of Neaples“, wissen möchte, muss selbst recherchieren.


Das Setting: Persönliches statt Politik


Dass der internationalen Politik in einem politischen Rollenspiel so wenig Text gewidmet wird, ist auf den ersten Blick seltsam. Beim Lesen offenbart Romance in the Skies aber seinen Fokus auf persönliche Geschichten, in denen Politik zum Hintergrund schillernder Charaktere wird. Die Spieler verkörpern dabei Mitglieder der gehobenen Gesellschaft, Spione oder Diplomaten, die auf dem Luftschiff Pension Bellvue, einem neutralen Ort über den Wolken, Europa bereisen. Das Setting hält sogar eine Flugroute von London bis Alexandria bereit und beschreibt viele Sehenswürdigkeiten der Reise im Detail. Das Schiff selbst wird aber nur kurz erwähnt. Auch die Liste von Passagieren fällt stichwortartig knapp aus. So ist beispielsweise „Mr. Yves Chevalier“ seiner Beschreibung nach ein einflussreicher Industrialist mit großem Appetit; von welcher Großmacht oder auf was er Appetit hat, bleibt dabei offen.


Mehr Sozialfähigkeiten


Romance in the Air setzt auf die Fate Core–Regeln, benutzt aber eine eigene Auswahl an Skills: Neu sind etwa „Espionage“ (Spionage), „Diplomacy“ (Diplomatie), „Gamble“ (Glücksspiel) oder „Industry“ (Industrie als Ressource unter dem Einfluss des Charakters). Das passt gut zum Setting, ist für Fate Core-Spieler aber gewöhnungsbedürftig. Die Vielzahl an sozialen Fähigkeiten ermöglicht einerseits ein sehr nuanciertes Intrigenspiel und lässt sich gut in andere Fate-Settings mit einem Fokus auf sozialer Interaktion exportieren. Andererseits führt dies zwangsläufig zu inhaltlichen Überschneidungen: Ist nun Empathie, Diplomatie oder Gesellschaftswissen gefragt? Hier muss der Spielleiter entscheiden


Großmächte und Luftschiffe mit Regeln


Etwas Besonderes an Romance in the Air ist die Möglichkeit, Länder durch die Fate-Regeln auszudrücken und mit diesen große Politik zu spielen. Leider fehlt hier eine ausführliche Liste von möglichen Aspekten oder Stunts für Länder, so dass sich das System schlecht auf andere Spiele übertragen lässt. Im Rahmen des Abenteuers sind sie aber durchaus brauchbar, wie auch die beigefügten Fahrzeug-Regeln für Luftschiffe und Flugzeuge.


Tipps zu Intrigen


Das Fin de Siècle ist nicht gerade eine Zeit, in der sich Rollenspieler normalerweise austoben. Da ist es gut, dass Romance in the Air viel Mühe darauf verwendet, den Spielleiter beim Aufbau und Verlauf des Szenarios zu unterstützen. So gibt es nützliche Ratschläge, wie man Spieler gegeneinander aufstellt und damit Intrigenspiel begünstigt. Auch mehrere Tabellen für Zufallsereignisse an Bord oder während der Landgänge helfen Spielleitern dabei, das Spiel aufzulockern und für Gesprächsthemen an Bord zu sorgen. Manche davon geben sogar solide Ideen für ganze Abenteuer ab.


Ja was denn nun?


Das größte Problem von Romance in the Air ist das schwammige Setting, das sich irgendwo zwischen Orient Express-Romantik, Mata-Hari-Spionage und Pulp-Action, zwischen Downtown Abbey, und Dr. Schiwago verortet. Im Regelwerk wird das Genre des Spiels etwa als „Steampunk Pulp Romance Political History Drama“ umrissen. Dass im Regelwerk noch Final Fantasy, („Welcher Teil überhaupt?“), Fullmetal Alchemist („Anime, echt jetzt?“) und der Webcomic Girl Genius erwähnt werden, stiftet mehr Verwirrung, als dass es hilft. Zusammen mit dem eher skizzenhaften Aufbau des Luftschiffes und der kurz geratenen Beschreibung der politischen Mächte ist hier viel Interpretation und Eigenleistung des Spielleiters gefragt.


Preis-/Leistungsverhältnis


Romance in the Air wird wie alle World of Adventure-Produkte mit dem Pay What you Want-Modell vertrieben. Der durchschnittliche Preis von knapp 3 USD geht trotz inhaltlicher Mängel voll in Ordnung. Hier wäre aber mehr drin gewesen: Mit ausführlicher Beschreibung des Luftschiffs, seiner Passagiere und einiger neutraler Staaten hätte der Preis deutlich höher ausfallen können.


Erscheinungsbild


Romance in the Air Teaser FATEWer bereits eine andere World of Adventure gelesen hat, weiß was ihn hier erwartet. Das Layout ist solide und übersichtlich, ein paar vollfarbige Zeichnungen lockern den Lesefluss auf und die Karten der Spielwelt und des Luftschiffs sorgen für Übersicht.


Fazit


Die Stärke der anderen World of Adventure liegt in den fokussierten Spielwelten mit klaren Themen zum sofortigen Losspielen. Nach dem Lesen von Romance in the Air bleiben aber zu viele Fragen offen. Warum spielt das Steampunk-Element kaum eine Rolle? Wie sieht die aktuelle politische Lage des Kontinents aus? Wo liegen die Schwerpunkte des Spiels? Auch ein Fate-Produkt sollte dies nicht alles handwedeln.


Dabei hat die Idee einer Reise über den Wolken durchaus ihren Charme. Mit der richtigen, kreativen Spielrunde kann Romance in the Air ein Sprungbrett sein und eine großartige Diplomatie- und Intrigen-Kampagne ermöglichen. Das Potential ist da. Doch dafür muss der Spielleiter noch einiges an Vorbereitung und Arbeit investieren. Dank dem niedrigen Preis lohnt sich trotzdem der Kauf, allein für die guten Ideen und die ausgefeilten Regeln für gesprächslastige Abenteuer.



Rating:
[3 of 5 Stars!]
Romance in the Air • A World of Adventure for Fate Core
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DSA5 - Aventurisches Bestiarium (PDF) als Download kaufen
Publisher: Ulisses Spiele
by Roger L. [Verified Purchaser]
Date Added: 02/12/2016 03:27:23

http://www.teilzeitheld-
en.de/


So ein Heldenleben wäre ohne eines ziemlich eintönig und langweilig: Jede Menge grausame Bestien, mächtige magische Geschöpfe und wilde Raubtiere, die man zum Wohle der Allgemeinheit heldenhaft dahinmetzeln kann! Ulisses liefert uns zu diesem Zweck einen Band voller Schwertfutter, und unser Redakteur Patrick hat ihn sich für euch angeschaut.


Rezension: DSA5 – Aventurisches Bestiarium – Eigentlich ja, wenn nicht ….
Jedes anständige Fantasy-Rollenspiel braucht natürlich ein Quellenbuch, in dem eine (möglichst große) Auswahl an Bestien und Antagonisten präsentiert wird. Denn ohne mächtige Gegner, die es zu besiegen gilt, hält sich der Ruhm unserer Helden und Heldinnen in denkbar kleinen Grenzen.


Mit dem Aventurischen Bestiarium ist Ende vergangenen Jahres nun endlich auch ein passendes Werk für DSA5 erschienen – oder zumindest der erste Teil eines größeren, zusammenhängenden Werkes. Denn für die 5. Edition hat der Verlag eine wichtige Entscheidung getroffen: Es wird keine thematisch zusammenhängenden Quellenbände wie das „Zoo-Botanica“ oder „Tractatus contra Daemones“ mehr geben, sondern mehrere Bestiarien, ähnlich wie bei Pathfinder.


Ich persönlich stehe diesem Ansatz eher kritisch gegenüber. Erstens liegt das an der erschwerten Suche nach einer bestimmten Kreatur. Denn während ich bei thematisch sortierten Bänden sofort weiß, dass ich einen Dämon auch im Quellenband für Dämonen finde, habe ich bei gemischten Bänden das Problem mit der Nadel im Heuhaufen – oder in diesem Fall Monsterhaufen. Zweitens wird durch den gemischten Aufbau der Spieler in gewisser Weise dazu gezwungen, für eventuell gar nicht benötigte Informationen zu bezahlen. DSA hat sich schon immer durch seine große Vielfalt an Spielstilen ausgezeichnet: Kleine Lokalhelden lassen sich genauso gut abbilden wie reine Seefahrer-Gruppen oder überlebensgroße Helden, die es am laufenden Band mit den mächtigsten Gegnern aufnehmen. Aber wozu braucht eine kleine Gruppe von Lokalhelden Spielwerte zu mächtigen Dämonen? Und warum soll sich eine Seefahrer-Gruppe ein Buch auf den Verdacht hin anschaffen, dass darin eventuell ein paar Seeungeheuer enthalten sind? Mit thematisch getrennten Quellenbänden lässt sich so etwas umgehen.


Nachdem ich nun aber meine anfängliche Skepsis zum Ausdruck gebracht habe, möchte ich mich nun endlich für euch dem Bestiarium widmen, denn das kann ja wohl nichts für Entscheidungen von Verlagsseite aus... oder doch?
Inhalt
Der Band lässt sich in vier Teile untergliedern, von denen sich allerdings nur zwei auch tatsächlich um Kreaturen drehen.


Der erste Teil beschäftigt sich – nach einem Grußwort von Alex Spohr – mit dem Aufbau der Kreaturenbeschreibungen und der Erklärung von im folgenden verwendeten Abkürzungen. Außerdem werden hier einige Kampfsonderfertigkeiten, wie „Anspringen“, „Flugangriff“ oder „Überrennen“ vorgestellt. Diese sind allerdings, wie man sich bei den Bezeichnungen sicherlich schon denken kann, nicht für Spielerhelden, sondern ausschließlich für Raubtiere und andere Bestien gedacht.


Im nächsten Abschnitt geht es dann richtig los. Groß prangt die Überschrift „Ungeheuer“ über dem kurzen Einleitungstext, was aber eigentlich etwas irreführend ist. Zwar werden hier 40 verschiedene Kreaturen ausführlich vorgestellt, allerdings sind nicht alle davon wirklich Ungeheuer und einige davon sind sogar Humanoide. Ich habe an dieser Stelle nachgezählt, wie sich diese 40 Kreaturen zusammensetzen: 6 Dämonen, 4 Feenwesen, 2 niedere und 3 höhere Drachen, 5 Untote, dazu einige weitere kulturschaffende Wesen wie Grolme oder Marus. Was dann noch übrig bleibt, darf größtenteils auch tatsächlich als Ungeheuer bezeichnet werden, sei es nun ein Basilisk, ein Schlinger (hust T-Rex hust) oder ein Säbelzahntiger. Nicht alle dieser Lebewesen sind bösartig - insbesondere Feenwesen, Grolme und Yetis - und anderen Zweibeinern gegenüber im Regelfall neutral, wenn nicht sogar freundlich eingestellt. Der Begriff Ungeheuer ist hier also sehr weit gefasst.


Die einzelnen Kreaturen werden sehr detailliert vorgestellt und ich habe den Eindruck, dass man sich hier strukturell an den Meisterpersonen-Bänden der letzten Edition orientiert hat. Jedes Wesen wird detailliert auf einer Doppelseite vorgestellt, wobei jeder Eintrag von einer kleinen Geschichte eingeleitet wird. Meistens handelt es sich hier um Auszüge aus inneraventurischen Büchern oder Märchen. Besonders amüsant fand ich beispielsweise den Eintrag zu Höhlendrachen, in dem einer Drachin der schönste Jüngling des Dorfes – ob er noch Jungfrau ist weiß niemand so genau – als Opfer angeboten wird, und sie diesen kurzerhand entführt anstatt ihn zu verspeisen. Gefolgt wird das Ganze von einem Fließtext, der die Verbreitung und Lebensweise genauer beschreibt. Hier finden sich Informationen zum generellen Verhalten, Beziehungen zu anderen Kreaturen, Fressgewohnheiten und vielem, was man außerdem noch über dieses Wesen wissen sollte. Die „harten Fakten“, also die spielmechanisch relevanten Werte werden in farblich abgesetzten Kästen präsentiert. Neben den Eigenschafts- und Fertigkeitswerten sind hier auch Informationen zu Größe und Gewicht, Kampfverhalten und eventuell zurückbleibender Beute angegeben. Außerdem finden sich hier auch Einträge, wie viel man bei welcher Fertigkeitsprobe über die jeweilige Kreatur herausfinden kann.


Das nächste Kapitel beschäftigt sich mit gewöhnlichen Tieren, die auch bei uns existieren oder in grauer Vorzeit schon einmal existiert haben. Vom Alligator über den Kampfhund bis hin zu Reittieren ist hier das Wichtigste der Tierwelt vertreten. Die Fließtexte zu den Tieren sind knapp und die Einträge pro Tier nur eine Seite lang, aber die Wertekästen sind ebenso ausführlich wie im vorangegangenen Kapitel.


Den Abschluss bildet ein Anhang, der neben einigen neuen Vor- und Nachteilen wie „Drachentöter“ oder „Raubtiergeruch“ auch generelle Regelinformationen zu Kreaturentypen, wie zum Beispiel Geistern oder Feen beinhaltet. Außerdem werden hier Sonderfertigkeiten und Informationen zur Beuteverwertung präsentiert, was vor allem für Jäger und Alchemisten praktisch sein dürfte.


Doch was ist nun vom Inhalt im Allgemeinen zu halten? Mit der Darreichungsform habe ich überhaupt kein Problem, diese wurde meiner Meinung nach vorbildlich gewählt. Sehr wohl habe ich allerdings mit der Auswahl der Kreaturen ein Problem. Es ist nicht nur so, dass lediglich eine recht geringe Anzahl angeboten wird, sondern es fehlen auch grundlegende Wesen, die in Aventurien sehr oft auftauchen. Der Krakenmolch zum Beispiel kommt in fast jedem Seefahrts-Abenteuer vor, ist aber nicht vorhanden, ebenso wenig wie die Seeschlage. Dafür hat man Wesen mit aufgenommen, die nur lokal begrenzt vorkommen, wie zum Beispiel die Grolme. Ich weiß ja, dass dieses Buch nicht der letzte Kreaturenband zur aktuellen Edition sein wird. Trotzdem hätte ich – gerade beim ersten Teil – erwartet, dass die am häufigsten vorkommenden Kreaturen vollständig enthalten sind, und unbekanntere Wesen in späteren Veröffentlichungen nachgereicht werden. Was mir auch nicht einleuchten will, sind die aufgeführten humanoiden Spezies. Informationen zu Marus und Krakoniern sind ja schön und gut, aber wenn man schon solche Exoten aufnimmt, hätte man auch gleich den Ork-Räuber, den bösen menschlichen Schwarzmagier oder eine Goblin-Schamanin samt ihrer Sippe behandeln können. Diese tauchen sehr viel häufiger auf, und hätten sich eine Erwähnung eigentlich mehr als verdient – und dass man den Begriff Bestiarium hier ohnehin nicht so ernst genommen hat, müsste ja mittlerweile klar sein.


Preis-/Leistungsverhältnis
Für einen vollfarbigen und gut verarbeiteten Quellenband mit zahlreichen Illustrationen ist ein Preis von knapp 28 EUR eigentlich akzeptabel... aber günstig ist er bei einer Stärke von gerade einmal 128 Seiten auch nicht wirklich. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist in diesem Fall also eher als durchschnittlich einzustufen.
Erscheinungsbild
An der Gestaltung des Bestiariums habe ich gar nichts auszusetzen, im Gegenteil: Einmal mehr zeigt sich hier, dass die Entscheidung, die Bände der 5. Edition in Vollfarbe erscheinen zu lassen, richtig war und bleibt. Dabei wirkt die Farbgestaltung stets dezent und ist weder zu knallig noch zu blass. Zusammen mit der angenehmen Papierstärke wird hier ein durchweg positives Leseerlebnis geboten.


Die einzelnen Kreaturen werden sehr übersichtlich auf jeweils einer Doppelseite präsentiert. Allgemeine Informationen werden – inklusive einer (sehr) kurzen Geschichte – als Fließtext präsentiert, während genaue Spieldaten und Zusatzinformationen in eigenen Kästen farblich abgesetzt sind.


Über den Stil der Illustrationen kann man sich, wie so häufig, natürlich streiten. Ich finde aber, dass diese stilistisch bis auf wenige Ausnahmen wie aus einem Guss wirken, trotz der Tatsache, dass sie von einem guten Dutzend unterschiedlicher Künstler erstellt wurden. Außerdem halte ich sie auch thematisch für gut passend: Bei gutmütigen magischen Wesen eher etwas weicher und verspielter, bei Dämonen und ähnlichem deutlich düsterer gestaltet.


Fazit
Eigentlich ist dieses Buch durchaus zu empfehlen. Es stellt einen Grundstock an aventurischen Kreaturen ziemlich ausführlich vor, wobei es stets sehr übersichtlich strukturiert ist. Die vollfarbige Gestaltung und die thematisch gut passenden Illustrationen ergeben zusammen mit einer guten Verarbeitung einen schönen Quellenband. Neueinsteiger in die Welt des Schwarzen Auges werden hier wahrscheinlich voll auf ihre Kosten kommen.


Eigentlich. Denn massiv störend ist die teilweise unpassende Auswahl an Kreaturen, zusammen mit der generell zu kleinen Anzahl an vorgestellten Wesen. Anstelle von einigen wichtigen, weil in vielen Abenteuern auftauchenden Kreaturen, wurden lieber Exoten mit aufgenommen. Weiterhin sind in diesem gemischten Kreaturenband keinerlei Spielwerte für häufig auftauchende zweibeinige Antagonisten enthalten, auch wenn ausgefallenere humanoide Spezies behandelt werden.


Somit wurde bei diesem eigentlich großartig konzipierten Band großes Potential verschenkt. Schade eigentlich, es hätte sehr viel mehr daraus gemacht werden können.
Unsere Bewertung



Rating:
[3 of 5 Stars!]
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Boron-Vademecum (PDF) als Download kaufen
Publisher: Ulisses Spiele
by Roger L. [Verified Purchaser]
Date Added: 01/30/2016 02:38:32

http://www.teilze-
ithelden.de/2016/01/30/rezension-boron-vademecum-traeume-tod-
-und-tenebrae-dsa/


Der Gott des Todes hat so viele Gesichter, wie es Tode gibt. Doch bringt er in Aventurien nicht nur den Tod, sondern auch den gnädigen Schlaf, die Träume und das Vergessen. Wir haben jedoch nicht vergessen einen Blick in das Boron-Vademecum zu werfen. Wer den Tod nicht fürchtet, lese weiter!


Rezension: Boron-Vademecum – Träume, Tod und Tenebrae (DSA )


Als elftes Buch aus der Reihe der Vademeci - Brevier des reisenden Geweihten ist Ende letzten Jahres nun auch das Boron-Vademecum erschienen. Wenngleich die Meinung recht verbreitet ist, dass die Priester des Boron sehr schweigsam sind, so komme ich nicht umhin, meine eigene Meinung zu diesem Werk zu äußern. Lange schlaflose Nächte habe ich es studiert und werde davon nun berichten.


Es ist wohl angebracht, dem unkundigen Leser zunächst einen Exkurs in das aventurische Pantheon der Zwölfgötter zu ermöglichen, um eine Vorstellung davon zu vermitteln, wer Boron eigentlich ist.


Boron, der auch der Ewige, der Schweigsame oder der Unausweichliche genannt wird, verkörpert im aventurischen Zwölfgötterpantheon die Aspekte des Todes, des Schlafes, des Vergessens, des Schweigens, der Ruhe und der Dunkelheit. Seine Anhänger sehen ihre weltlichen Aufgaben in der Totenwache, der Bestattung oder der Traumdeutung. Es gibt einige Orden, die sich zudem mit Bereichen wie dem Kampf gegen Untote (Golgariten), der Sterbehilfe (Marbiden) oder der Seelsorge (Noioniten) beschäftigen.


Als heilige Tiere gelten die schwarzen Raben oder die aasfressenden Geier


Inhalt
Schon das Vorwort weist darauf hin, dass sich auch dieses Brevier als „Ergänzung und Zusammenfassung von Texten“ zu bereits erschienenen Publikationen über die Götterwelt sieht. Das übersichtliche Inhaltsverzeichnis verspricht einige interessante Einblicke in die Kirchen und auch nützlichen Inhalt zur Ausgestaltung eines geweihten Helden. Auch der aventurische Autor Xeliandor lässt es sich nicht nehmen, in einem Geleitwort etwas zur Benutzung des Buches zu sagen. Es soll dem Geweihten als Hilfestellung dienen, um das Wirken des Unergründlichen nachzuvollziehen und in seinem Namen Segen zu spenden. Die Neugier in mir ist geweckt und auch wenn der Herr Boron Bedachtsamkeit predigt, kann ich es kaum erwarten, die nächsten Seiten zu lesen.


Das erste Kapitel handelt vom „Wesen der Gottheit“ und stellt die bereits erwähnten Aspekte vor. Grundlage der Informationen bieten größtenteils Zitate aus verschiedenen Quellen wie zum Beispiel das „Schwarze Buch“, das heiligste Werk der Boronkirche, welches sich als Zitatquelle noch häufiger im Vademecum finden lassen wird. Da der Herr aber unergründlich ist, so hat der Autor bereits auf Seite 18 Platz gelassen, dass ich „von eigener Hand ergänzen“ kann, was ich über das Wesen der Gottheit erfahren habe. Diese sogenannten Vakatseiten lassen sich ebenfalls über das gesamte Buch verteilt wiederfinden.


Im zweiten Kapitel erfahre ich etwas über die Heiligen und die gottgesandten Alveraniare der Kirche und derer gibt es viele. An dieser Stelle sollte vielleicht ergänzt werden, dass es zwei Kirchen gibt, die sich dem Glauben an Boron verschrieben haben und so gibt es in beiden Kirchen sowohl gemeinsame wie auch individuelle (oder lokalverehrte) Heilige. Zu den bekanntesten gehört Golgari, der Totenrabe, der die Seelen der Verstorbenen über das Nirgendmeer bringt, damit diese von der Seelenwaage Rethon geprüft werden können, um Eingang ins Totenreich oder die Paradiese zu erhalten. Aber auch Bishdariel (der Traumbringer), Marbo (die sanfte Tochter) oder Uthar (der Wächter des Totenreiches), sind den meisten Menschen in Aventurien ein Begriff.


Kapitel drei führt in die Strukturen der „Kirche von Punin“ ein. Dieser Zweig der Kirche zählt zu einer eher konservativen Auffassung, was den Umgang mit dem Tod angeht. Die Kirche wird in einer sehr strikten Hierarchie geführt und Prunk und allzu große Zier sind den Priestern, wie auch weltlicher Besitz, zuwider. In Demut scheren sich die meisten Priester den Schädel kahl, wenngleich es keine Vorschriften hierzu gibt. Auch Enthaltsamkeit wird von einigen Brüdern und Schwestern gelebt, das Wichtigste sind aber stets die Frömmigkeit und die Achtung des Glaubens. In der kurzen Beschreibung der Kirche lassen sich viele interessante Informationen gewinnen und auch für alte Hasen halten die Texte die eine oder andere Überraschung bereit. Für die Ausgestaltung am Spieltisch ist der Abschluss des Kapitels, der sich mit der Betreuung der Gläubigen auseinandersetzt, eine wichtige Bereicherung.


Auf die Puniner Kirche kann im vierten Kapitel nur die „Kirche des gekrönten Raben“ oder der „Al’Anfaner Kult“ folgen, wie sich die Boronkirche im Süden des Kontinents nennt. Hierarchie und Ämter werden auf wenigen Seiten beschrieben und bringen nicht nur einen guten Überblick, sondern lassen einen auch Vergleiche zur Puniner Kirche ziehen. In der Beschreibung von „Tracht und Ornat“ wird besonders deutlich, dass die südliche Kirche sich vor allem in ihrem Prunk von der Kirche des Nordens unterscheidet. Der Verzicht ist hier deutlich weniger üblich, kommen doch viele der Priester aus reichen und mächtigen Familien und Geld und Macht werden ganz im Sinne des Götterfürsten eingesetzt. Götterfürst nennt man in Al’Anfa und den südlichen Staaten den Herrn des Todes, denn entgegen der Lehren des Zwölfgötterglaubens wird hier nicht Praios als Herrscher in Alveran verehrt, sondern der Ewige. Diese andere Sichtweise auf die Hierarchie der Götter beeinflusst auch den Umgang mit den Gläubigen, denn für diese ist der Tod allgegenwärtig und dies zu vermitteln ist die Aufgabe seiner Priesterschaft.


Das fünfte Kapitel befasst sich auf 23 Seiten mit den Liturgien der Kirchen und neben bekannten Segnungen, welche schon als Novize erlernt werden können, lässt sich an dieser Stelle auch Neueres finden, das bei Salbungen, Weihen und Segnungen helfen kann. Mit „Bishdariels Auge“ lässt sich beispielsweise in fremde Träume blicken und „Nemekaths Bannfluch“ bringt einem Frevler schlimme Alpträume.


Das anschließende sechste Kapitel führt eine Reihe von Ritualen beider Kirchen auf und beschreibt ausführlich deren Gottesdienste. Zitate und Erfahrungsberichte bereichern das Kapitel und machen es wertvoll für die Benutzung am Spieltisch. Nicht nur der berühmte „Flug der Zehn“, ein ehrenhaftes Menschenopfer, wird ausführlich beschrieben, sondern auch die Durchführung von Gebeten, Traumdeutung, Visionssuche und Grablege.


Auch das siebte Kapitel bindet sich hervorragend an die vorangegangenen an. Thematisch behandelt es die „Gebete beider Kirchen im Alltag“ und liefert damit weiteres, direkt umsetzbares Spielmaterial. Gebete, die innere Stärke, Ruhe und Trost geben sollen, lassen sich hier ebenso finden wie Abschieds- und Totenchoräle. Eine weitere Vakatseite für eigene Gebete und Choräle rundet das Kapitel ab.


Das achte Kapitel beginnt mit einer Beschreibung des „Schwarzen Buches“ und thematisiert in seiner Gesamtheit die „Talismane und Artefakte beider Kirchen“. Neben dem erwähnten Buch haben noch weitere zehn Artefakte Eingang in das Vademecum gefunden. Interessanterweise wird der berühmte „Stab des Vergessens“ nur sehr gekürzt beschrieben, was aber in seiner Rolle in den Abenteuern zum Jahr des Feuers begründet liegt.


Über zehn verschiedene Orden lässt sich im neunten Kapitel Wissenswertes finden. Die Leibgarde des Al’Anfaner Patriarchen, welche sich „Basaltfaust“ nennt, wird ebenso beschrieben wie die Meuchler der „Hand Borons“ oder die weniger bekannten und extrem konservativen „Zorkabiner“. Eine weitere leere Seite eignet sich dazu, an dieser Stelle eigene Sekten und Kulte zu ergänzen. Wie wäre es beispielsweise mit einer alchimistischen Sekte von Giftmischern, die ihren Dienst darin sieht, ihrem Gott möglichst viele Seelen zu bringen, indem das verabreichte Gift sie vom körperlichen Leben erlöst? Der morbiden Phantasie sind zumindest in Aventurien keine Grenzen gesetzt.


Das kurze zehnte Kapitel befasst sich, über die aventurischen Grenzen hinaus, mit dem „dereweiten Wirken des Ewigen“. Oder anders gesagt, liefert es einen kleinen Überblick über Borons Wirken im Güldenland und dem noch relativ unerforschten Südkontinent Uthuria, der seinen Namen vom boronheiligen Uthar erhalten haben soll.


Für die Spielleiter und Spieler gleichermaßen mag das elfte Kapitel das wichtigste sein, bietet es doch detaillierte „Anregungen zur Ausgestaltung eines Boron-Geweihten“. Hier erfährt man von den Geboten und Verboten, denen eine Geweihter unterworfen ist und nach welchen Tugenden und Idealen er sein Leben gestalten sollte. Eine gute Selbstbeherrschung und Menschenkenntnis sind zum Beispiel von großer Bedeutung, um nur zwei zu nennen.


Ebenso wichtig ist es aber auch zu wissen, wie die Boronkirche zu den anderen Kirchen steht und welchen Wert sie in den Augen des Volkes einnimmt. Dass ein Boroni seine Selbstbeherrschung verliert, wenn ein Hesindepriester eine Leichenöffnung zur Obduktion vornehmen möchte, kann ebenso zu einer stimmigen Atmosphäre am Spieltisch führen wie die Angst eines einfachen, abergläubischen Bauern den „Raben in sein Haus zu lassen“.


Das Buch bietet zudem eine Reihe von Konzepten zum Spielen eines Boron-Geweihten. Ob Totengräberin oder Traumdeuter, Diplomat oder Glaubensforscherin, in den Boronkirchen finden alle ihren Platz. Den Abschluss des Kapitels machen eine Übersichtstabelle mit den Titularen und Anreden innerhalb der Kirchenhierarchien sowie nützliche Hinweise zur Einführung eines Geweihten in ein Abenteuer und der Ausgestaltung der Liturgien im Alltag des Helden.


Das einseitige zwölfte Kapitel, welches den Namen „Endnoten“ trägt, verweist darauf, dass einer der beschriebenen Choräle auf eine bekannte Melodie geschrieben wurde. Warum es dazu aber eines eigenen Kapitels bedarf, darüber schweigt sich der Text aus.


Das letzte und (frevelhafte) dreizehnte Kapitel enthält weiteres, das Spiel bereicherndes Material. Auf vier Seiten wird die „beispielhafte Weihe eines Boronangers“ – eines Friedhofes – dargestellt. Ausführlich wird beschrieben, was der Geweihte der die Weihe durchführt zu sagen hat und welche Gesten er dabei ausführen muss.


Preis-/Leistungsverhältnis
Wenngleich der Preis von 14,95 EUR für ein Buch mit nur 168 Seiten etwas hoch wirkt, ist er doch bei der gebotenen Qualität durchaus akzeptabel. Wer bereits andere Werke dieser Reihe besitzt, sollte beim gebotenen Inhalt nicht darauf verzichten, das Boron-Vademecum zu erstehen und ein paar gut investierte Silbertaler haben wohl noch niemanden unter die Erde gebracht.


Erscheinungsbild
Der stabile Einband in Lederoptik ist in schwarz gehalten und mit einem geflügelten Boronsrad (ein halbes Wagenrad) geprägt. Die fleckigen, auf alt getrimmten, matten Seiten geben ein stimmiges Bild ab und die Illustrationen von Katharina Nico tragen ihren Anteil an der Atmosphäre des düsteren Gebetsbuches bei. Im Gegensatz zu den anderen Vademeci wurden in diesem Buch Bilder benutzt, die in ihrer Beschaffenheit durchaus auch von einem Boron-Geweihten persönlich gestaltet worden sein könnten. Wenngleich mein erster Eindruck eine Assoziation zum noionagefälligen Rorschach-Test weckten, so musste ich diese doch revidieren und erkennen, dass die Zeichnungen einen Künstler widerspiegeln könnten, der sich den weltlichen Dingen abgewandt hat und die Schemen seiner borongefälligen Visionssuche zu Papier gebracht haben mag. Zierbilder an den oberen und unteren Rändern der Seiten sind perfekt der Thematik angepasst. Der geringen Schriftgröße, die für das Lesen von Nachteil ist, kann bei einem Buchformat von etwa DIN A6 verziehen werden.


Bonus/Downloadcontent
Es gib keinen Bonus/Downloadcontent.


Fazit
In der Reihe der Vademeci sticht das Boron-Vademecum nicht nur wegen seiner Farbe hervor, sondern auch wegen seines ausgezeichneten Inhaltes. Das Werk bietet eine facettenreiche Darstellung der verschiedenen Boronkirchen und seines ebenso facettenreichen Gottes.


Besonders für die Ausgestaltung eines Boron-Geweihten bringt das Buch interessante Ideen mit sich und bereichert durch atmosphärische Ingame-Inhalte das Spiel. Egal ob Ordenskrieger, Seelsorger oder sogar Geheimagent, das Boron-Vademecum kann alle Wünsche im Spiel mit dem Gott der Ewigkeit erfüllen. Mit kleinen Abzügen in der B-Note, ist dieses Werk eines der besten aus der Vademeci-Reihe und für Spieleiter sowie ambitionierte Spieler von Boron-Geweihten ein Must-have.



Rating:
[5 of 5 Stars!]
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Nest • A World of Adventure for Fate Core
Publisher: Evil Hat Productions, LLC
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 01/27/2016 02:17:38

ht-
tp://www.teilzeithelden.de/2016/01/27/rezension-nest-rueckke-
hr-in-die-fantasiewelten-der-kindheit-fate-core/


Nest ist ein neuer Teil der Worlds of Adventures-Reihe von Evil Hat. Ein letztes Mal reist ihr als Erwachsene zurück in die Fantasiewelten eurer Kindheit, um eine düstere Bedrohung aufzuhalten. Doch nicht nur ihr habt euch verändert – auch die Königreiche von Nest sind nicht mehr so, wie einst …


Rezension: Nest - Rückkehr in die Fantasiewelten der Kindheit (Fate Core)


Nest ist ein weiterer Ableger der beliebten Worlds of Adventure-Reihe von Evil Hat. Als Erwachsene habt ihr die Fantasiewelten eurer Kindheit – die drei großen, magischen Königreiche von Nest – hinter euch gelassen. Vielleicht erinnert ihr euch noch manchmal rührselig an die Heldentaten eurer Kindheit, während ihr verdrossen tagein, tagaus am Fließband steht und zwischen eurer unerfüllten Ehe und dem Ärger mit dem Finanzamt zur Flasche greift. Vielleicht sind euch die Erinnerungen an eure kindlichen Eskapaden auch peinlich, wenn sich euch als Geschäftsführer eines erfolgreichen Unternehmens immer wieder die Vorstellung aufdrängt, dass ihr jeden Tag hunderte von Angestellten delegiert wie einst die Truppen eines Märchenkönigreichs. Eines steht jedoch fest: Die Personen und Orte, die euch in eurer Kindheit erst die Chance gegeben haben, zu gefeierten Helden zu werden, sind in Gefahr. Und nur die größten Helden können Nest vor einer düsteren Bedrohung retten.
Inhalt
Nest ist ein Settingband für Fate Core, der neben dem Setting auch eine Kurzkampagne (für ca. drei bis acht Spielabende) enthält. Die Spieler kehren als Erwachsene in die Fantasiewelten ihrer Kindheit zurück, um die drei Königreiche von Nest vor einer dunkeln Bedrohung zu beschützen. Der Settingband enthält nicht nur drei fantastische Abenteuer in sehr unterschiedlichen, märchenhaften Königreichen, sondern ermöglicht es den Spielern sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie ihre erwachsenen Charaktere darauf reagieren, plötzlich in eine Märchenwelt geworfen zu werden, in der zahllose Sagen und Legenden über ihre Heldengeschichten kursieren.


Die Königreiche von Nest
[quote]Once upon a time you took the road less travelled in a yellow wood; you stepped off the subway at the station on Oak & Ash; you wished upon a falling star. You awoke to a world of magic and wonder, and you learned something you had never suspected: you were a hero. Then you drank from the Well of Waking and found yourself back in your own bed.


You barely remember those adventures. They were dreams; or, if you know in your heart they were something more, what does it matter? You have a job now, and people who are counting on you here. You’re not really a hero, anyway; just ask the people you’ve disappointed. A hero wouldn’t have made the mistakes you have.


So why, after all of these years, are you hearing the horns again?[/quote]


Das erste Kapitel des Settingbandes beginnt mit einer kurzen Beschreibung der drei Königreiche und der jeweils wichtigsten Personen und Orte. Epoch ist ein Reich riesiger Berge, endloser Pinienwälder und pittoresker Dörfer, die Seite an Seite mit herrschaftlichen Schlössern stehen. Oger, Riesen und Drachen lauern in der Wildnis und die einfachen Bewohner der Lande warten darauf, dass die Monster von tapferen und rechtschaffenen Helden zurückgetrieben werden. Von allen drei Königreichen ist Epoch sicherlich die klassischste Märchenwelt. Das Königreich Bungledyne besteht aus einer einzigen riesigen Stadt, die von humanoiden Tieren bewohnt wird. Bungledyne ist voller wundersamer Erfindungen, deren Stadtbild von Dampfschornsteinen, elektrischen Kabeln, Straßenbahnen und Luftschiffen dominiert wird. Hier werden Kinder zu Helden, die ihren Erfindungsreichtum und ihren Fleiß beweisen. Conundrum schließlich ist ein Reich voller Rätsel. Außerhalb der Dörfer und Schlösser findet der Wanderer Labyrinthe, rückwärtsfließende Flüsse und mysteriöse Instrumente. Jeder Einwohner Conundrums folgt einer eigenen Lebensphilosophie, einem sogenannten „Rätsel“. Personen, die beispielsweise dem Rätsel der Stumpfsinnigkeit folgen, dürfen an nichts glauben, das sie momentan nicht mit eigenen Augen sehen können. Hier wird man zum Helden, indem man eines der vielen Mysterien lüftet oder denjenigen hilft, die durch die vielen Mysterien Conundrums in heillose Verwirrung gestürzt wurden.


Die Kurzbeschreibung der drei Königreiche weckt schöne Assoziationen an Märchenwelten der eigenen Kindheit und dürfte so jedem Spieler helfen, ein Königreich zu finden, in dem sein Spielercharakter eine heldenhafte Kindheit verbracht hat. Auch die wichtigsten Personen und Orte sind ideenreich beschrieben. Der Übersicht hätte es allerdings gedient, wenn die wichtigsten Aspekte der drei Königreiche bereits hier und nicht erst weiter hinten in der Kurzkampagne des Settingbandes aufgeführt worden wären. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass die verschiedenen Rätsel-Philosophien Conundrums nach der ersten Belustigung am Spieltisch aufgrund ihrer Albernheit bei einer konsequenten Umsetzung schnell nerven könnten.


Die Helden von Nest
Die Charaktererschaffung entspricht größtenteils den normalen Fate Core-Regeln, wobei Aspekte an das Setting angepasst wurden und sich zahlreiche Vorschläge für von Märchen inspirierten Stunts finden.


Neben zwei freien Aspekten hat jeder Charakter einen Heroisches-Konzept-Aspekt, einen Mundanes-Leben-Aspekt und einen Aufhänger-Aspekt. Das heroische Konzept umfasst die Rolle, welche der Charakter als Kind in Nest gespielt hat, und ist zugleich der Titel, unter dem ihn die Bewohner der Königreiche kennen. Das mundane Leben spiegelt den Erwachsenen wider, zu dem sich der Charakter entwickelt hat. Der Aufhänger ist schließlich etwas, das den Charakter nach wie vor mit Nest und/oder den anderen Helden verbindet. Eine mit einem anderen Charakter gemeinsam erlebte Geschichte („Ich habe geschworen, Brian in der realen Welt zu finden“, „Shana hat nie an mich geglaubt“), eine magische Kraft, über die der Charakter selbst in der realen Welt noch verfügt („Noch immer der Schnellste“, „Niemand kann mich anlügen“), oder eine Verbindung zur realen Welt („Ich heirate nächste Woche“, „Magie konnte meine Mutter nicht retten“).


Ebenso wie in Fate Core kann jeder Charakter bis zu fünf Stunts besitzen, allerdings bekommt der Spielleiter nach dem dritten Stunt pro weiterem einen zusätzlichen Fate-Punkt pro Spielsitzung. Ob der Spieler zugleich weiterhin einen Punkt Erholungsrate verliert, ist aus der Beschreibung leider nicht klar ersichtlich. Vorgeschlagene Stunts halten sich an das von Fate Core vorgegebene Regelkorsett und ermöglichen die eigentlich unmöglichen, magischen Taten, die wir aus Märchenbüchern kennen.


Darüber hinaus definiert jeder Spieler zu Spielbeginn (oder auch erst während des Spiels) einen magischen Talisman, den sein Charakter im Laufe des Abenteuers finden wird. Talismane sind mächtige Artefakte, die aus einem Namen, einem Aspekt und zwei Stunts bestehen. Die Aspekte der Talismane sollen möglichst mehrdeutig formuliert sein („Der Schlüssel, der alles öffnen kann“, „Ein Schwert, das nach Sieg dürstet“), sodass ungeahnte oder ungewollte Konsequenzen mit der Benutzung des mächtigen Artefakts einhergehen. Für jeden gefundenen Talisman erhält der Spielleiter zwei weitere Fate-Punkte pro Spielabend.


Die Charaktererschaffung ist insgesamt äußerst gelungen, weil sie a) die Eigenheiten typischer Märchenfiguren griffig abbildet, b) die Spannung zwischen der kindlichen Heldengeschichte und dem entzauberten Erwachsenenleben mechanisch ins Spiel einbindet und c) die Grundregeln von Fate Core nicht unnötig verkompliziert. Einzig dass nicht klar ist, ob Spieler für zusätzliche Stunts weiterhin Erholungsrate verlieren, ist ein Wermutstropfen auf der sonst überzeugenden Umsetzung.


Das Spiel
Der Spielleiter oder die Spielrunde können entscheiden, welches von drei Themen die Abenteuer in Nest einfärben soll: Heldentum (die Charaktere müssen wieder zu den Helden ihrer Kindheit werden und die Königreiche retten), Wiedergutmachung (die Charaktere müssen die eigenen Ängste und Schwächen überwinden, welche die Königreiche geprägt haben) oder Dekonstruktion (die Charaktere stellen fest, dass das Wissen und die Fertigkeiten, die sie als Erwachsene erworben haben, viel mächtiger sind als die Magie der Fantasiewelt). Darüber hinaus kann der Spielleiter einen von drei Feinden auswählen, gegen den sich die Charaktere behaupten müssen und dessen genaue Natur das Auftreten und Verhalten seiner düsteren Schergen bestimmt. Ich bin von diesen Wahlmöglichkeiten begeistert, weil sie eine größtmögliche Anpassung an die Vorlieben der eigenen Spielrunde ermöglichen und sogar Lust darauf machen, das Szenario mehrmals mit unterschiedlichen Spielrunden zu spielen.


Das Szenario selbst besteht aus drei Abenteuern, in denen die Charaktere die Bedrohung aus den drei Königreichen Nests zurücktreiben und den Bewohnern neue Hoffnung schenken. Abschließend müssen die Charaktere den Feind im großen Finale in der Stadt Eg stellen und für immer aus Nest vertreiben. Die drei Abenteuer sind strukturell ähnlich aufgebaut: Immer müssen die Charaktere, verborgen vor den Augen der Schergen des Feindes, in Erfahrung bringen, was für ein Ziel dieser in jedem der Königreiche verfolgt, und unter ehemaligen Freunden und Feinden Verbündete sammeln, um dieses Ziel zu vereiteln. Je nach Natur des Feindes können diese Ziele tragisch, böswillig oder egoistisch sein. Insgesamt sind die drei Abenteuer grundsolide. Sie sind handwerklich gut gemacht, überraschen aber nur selten und bedienen gekonnt stereotypische Elemente bekannter Märchenerzählungen.
Preis-/Leistungsverhältnis
Davon kann sich jeder, der Nest herunterlädt, selbst ein Bild machen und anschließend zahlen, was er für angemessen hält. Ich finde den vorgeschlagenen Preis von 4 USD mehr als angemessen.
Erscheinungsbild
Nest verwendet das typische, übersichtliche Worlds of Adventure-Layout und den typischen Fate-Schriftsatz. Die Lesezeichen im PDF erlauben eine schnelle Orientierung. Im Settingband befinden sich über zwanzig vollfarbige Illustrationen, welche das Märchenthema des Bandes einfangen und unterstreichen sowie wichtige NSC illustrieren.


Fazit
Nest versetzt die Spieler in die Fantasiewelten ihrer Kindheit zurück. Der Settingband wurde von Vorlagen wie Alice im Wunderland, Die Chroniken von Narnia, Pans Labyrinth, Hook und Wicked inspiriert und transportiert sowohl inhaltlich als auch mechanisch den bittersüßen Widerspruch zwischen der magischen Kinderwelt voller Heroen und dem tristeren, aber selbstbestimmteren Leben der Erwachsenen.


Wem dieses Grundthema zusagt, dem wird auch Nest außerordentlich gut gefallen. Der Settingband liefert genug Material, um ohne große weitere Vorbereitung einfach losspielen zu können. Indem er sich eng an Fate Core orientiert und nur wenige Elemente des Regelwerks modifiziert, ist der Band schnell jedem zugänglich, der Fate Core kennt. Eventuell wäre eine Umsetzung auf Basis von Turbo Fate sinnvoller gewesen, da dessen freiere Fertigkeitslisten erfahrungsgemäß die Aufnahme von Magie und anderen übernatürlichen Elementen ins Spiel vereinfachen, während dies nun vor allem über Stunts oder das Schaffen von Fakten abgedeckt wird.


Die drei Abenteuer sind grundsolide und bieten genug Spielmaterial für drei bis acht Spielabende. Die NSC sind liebevoll gestaltet und an bekannte Archetypen aus Märchengeschichten angelehnt. Insbesondere die Erinnerungen an die Fantasiewelten der Kindheit der Spieler (nicht der Charaktere) können dieses Szenario zu einem ganz besonderen Erlebnis machen.



Rating:
[5 of 5 Stars!]
Nest • A World of Adventure for Fate Core
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Symbaroum - Core Rulebook
Publisher: Jarnringen
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 01/20/2016 03:32:21

http://www.teilzeithelden-
.de/2016/01/20/rezension-symbaroum-oekos-krieg-und-korruptio-
n/


Als Setting mit nur wenig Fantasy-Einheitsbrei präsentiert der schwedische Verlag Järnringen sein Rollenspiel Symbaroum nun auch auf Englisch. Visuell opulent, mit einfachen Regeln, aber stark individualisierbaren Charakteren darf man sich in einen Konflikt zwischen kolonialen Ausbeutern und natur-affinen Völkern einmischen.


Rezension: Symbaroum – Ökos, Krieg und Korruption


Crowdfunding hat es mal wieder möglich gemacht: Ein schwedischer Verlag beglückt uns mit seinem Produkt Symbaroum nun auch in einer internationalen Fassung auf Englisch. Kampagnen und Abenteuer sind auch in der Pipeline oder zumindest angedacht. Das schwedische Sortiment ist laut Webseite aber noch nicht wesentlich größer als das englische. Das Spielerhandbuch, das Optionenvielfalt in allen SC-relevanten Bereichen verspricht, gibt es noch nicht auf Englisch. Jedenfalls hat Symbaroum bereits ein gewisses Echo in der Rollenspielszene erzeugt, man spricht über dieses Spiel. Wir haben uns mal angesehen, was dahinter steckt.
Die Spielwelt


Symbaroum hat sich einen Kniff vorbehalten, den ich sehr begrüße: Es lässt weiße Flecken auf der Karte. Genauer gesagt, stellt Symbaroum uns nur einen Teil der Spielwelt vor – das Köngreich Ambria und den Davokar-Wald. Das gab es auch schon früher, so z.B. in der Box Forgotten Realms Campaign Set, in der das Setting teilweise undefiniert war und dem SL Freiraum ließ. Die Autoren von Symbaroum teilen aber schon jetzt klar mit, dass sie das Setting in weiteren Veröffentlichungen ausbauen wollen.


Dieser Teil der Welt ist durch einen zentralen Konflikt definiert: Die Ambrianer stammen eigentlich aus dem Süden und sind über die Gebirgskette der Titanen gekommen, weil ihr Land nach einem Krieg unbewohnbar geworden ist. Ihre ganze Zivilisation musste sich also eine neue Heimat suchen. Die spärlich besiedelten Lande südlich des Davokar-Walds hatten sich da angeboten. Dünn besiedelt heißt aber nicht unbesiedelt. „Barbarische“ Clans siedeln hier genauso wie Elfen, Goblins und Oger. Die Barbaren, die in der weiten Ebene zwischen den Bergen und dem Wald siedelten, wurden durch die Ambrianer unterworfen und deren Königreich nimmt jetzt diesen Raum ein. Die anderen Stämme und Rassen leben hingegen überwiegend im Wald.


Der Konflikt wird weiterhin angeheizt, weil der Sonnenkult der Ambrianer die Natur als Unordnung ansieht und den Menschen als ordnendes Element. In Bezug auf die unzivilisierte Wildnis stehen Interessen und Ideologie der Ambrianer also denen der „Ureinwohner“ diametral gegenüber. Die sehen sich mehr als Bewahrer der Natur. Der Wald wird zum Konfliktort, wo Ideologie, Gier, Selbstbehauptung und ähnliche Motive aufeinander treffen.


Symbaroum ist übrigens der Name der fortgeschrittenen Zivilisation, die diese Lande einst besiedelt hat. Die Schätze dieser versunkenen Zivilisation locken dementsprechend Schatzsucher und Abenteurer an.


Die Regeln


Die Regeln von Symbaroum sind beinahe banal. Es gibt acht Attribute (Accurate, Cunning, Discreet, Persuasive, Quick, Resolute, Strong, Vigilant), die Werte von 5 bis 18 annehmen können. Eine Probe wird mit 1W20 gewürfelt. Den Zielwert zu unterwürfeln oder zu erreichen ist ein Erfolg. Der Zielwert ist entweder der Attributwert oder es kommt noch ein Modifikator hinzu.


Das hört sich ein wenig nach Dungeonslayers oder ähnlichen Systemen an, aber ein zusätzlicher Kniff bei Symbaroum ist, dass alle Proben von den Spielern geleistet werden. Wie bei Numenera oder The Strange würfelt der Spieler seine eigenen Angriffe. Für Angriffe der NSC wirft der Spieler Verteidigungsproben. Das System ist also nicht symmetrisch. Für jeden Punkt, den der NSC im relevanten Attribut über 10 hat, wird die Probe um 1 erschwert, und für jeden Punkt darunter, erleichtert. Andere Umstände ergeben ebenso einen Modifikator von -5 (maximale Erschwernis) bis +5 (maximale Erleichterung).


Die Notation für Proben ist [ getestetes Attribut ← modifizierendes Attribut ].


Ein SC schleicht sich an einen NSC an. Das ist eine [ Discreet ← Vigilant ] Probe. D.h., der Charakter muss auf sein Discreet-Attribut würfeln, und Erleichterung oder Erschwernis werden durch das Vigilant-Attribut des NSC bestimmt.


Ein NSC schleicht sich an einen SC heran. Das ist eine [ Vigilant ← Discreet ] Probe.


Beide Proben werden durch den Spieler ausgeführt.


Viel einstecken, wenig aushalten


Nach Abgleich der Zahlenwerte in Symbaroum wurde mir klar, dass die Einzelheiten im Kampf bei Symbaroum etwas anders gewichtet sind. Bei D&D oder Fantasy AGE hat man Trefferpunkte, die einen (mit steigender Stufe wachsenden) Puffer darstellen. In Symbaroum hat man mindestens 10 Punkte Toughness, oder den Wert des Strong-Attributs. Kein Monster im SL-Teil hat mehr als 18 Toughness. Das kann ein besonders starker SC maximal auch erreichen.


Ein SC mit Strong 15 (Maximalwert für neue Charaktere) kann durch das Erwerben von Fähigkeiten maximal 18 Strong und somit auch 18 Toughness erreichen. Spieler mit niedrigeren Startwerten entsprechend weniger, daher werden andere Faktoren wichtiger. Waffen und Rüstung der Spieler werden durch Würfel ausgedrückt – ein Bastardschwert macht 1W10 Schaden, eine mittelschwere Rüstung fängt 1W6 Schaden ab. Monster hingegen würfeln nicht – sie erzeugen fixen Schaden und reduzieren erhaltenen Schaden auch um einen fixen Betrag. Für Nahkämpfer ist gute Rüstung also ein Muss, um sich die wenigen Toughness-Punkte zu erhalten.


Hier gibt es ein kleines Paradox – Rüstung fängt zwar Schaden ab, verringert aber die Fähigkeit, Treffern auszuweichen. Bei den besten Rüstungen zum Glück nur im geringen Umfang (-2 für eine besonders gute schwere Rüstung, -4 für eine normale schwere Rüstung). Die Rüstung hilft zwar, wenn man einstecken muss, ist aber ansonsten eher hinderlich.


Ein SC mit Accurate 12 will einen ausgehungerten Troll angreifen, eine [ Accurate ← Defense ] Probe. Der Troll hat Defense +7, weil er groß und geschwächt und somit leicht zu treffen ist. Die Zielzahl ist also 19. Er würfelt eine 8 und trifft. Das Schwert richtet 1W8 Schaden an. Der Troll hat eine fixe Rüstung von 4. Der Spieler würfelt eine 5 und macht somit nur 1 mickrigen Punkt Schaden. Die Toughness des Trolls sinkt von 15 auf 14. Ohne weitere Vorteile wird es schwierig sein, den Troll ernsthaft zu verletzen!


Nun greift der Troll an: eine [ Defense ← Accurate ] Probe. Der SC hat Quick 12, trägt aber mittelschwere Rüstung, was ihn mit -3 behindert. Das Sekundärattribut Defense hat somit den Wert 9. Der Troll hat Accurate auf 13, das ist auch eine -3. Somit ist der Zielwert 6. Der Spieler wirft eine 18 und wird getroffen. Die Klauen des Trolls verursachen 8 Schaden. Der Spieler hält mit 1W6 dagegen und würfelt eine glückliche 6! 2 Schaden muss die Spielfigur hinnehmen, aber lange wird das ungleiche Duell nicht andauern können.


Wie man sieht, erfordern hohe fixe Werte beim Gegner entweder viel Würfelglück oder entsprechende Boni, die den Schaden erhöhen. Dies kann durch die Anwendung von Sonderfertigkeiten, bessere Ausrüstung oder das Erringen von taktischen Vorteilen erreicht werden.


Magie und Korruption


„Korruption“ ist ein zentrales Thema in Symbaroum und so auch als numerischer Spielwert abgebildet. Sie ist am ehesten mit der sinkenden geistigen Gesundheit von Call of Cthulhu SC zu vergleichen. Zaubern bewirkt Korruption. Dunkle Orte bewirken Korruption. Das Erlernen von Ritualen bewirkt Korruption. Sogar das Erreichen einer bestimmten Schwelle an Korruption bewirkt noch mehr Korruption.


Erreicht der Charakter die Hälfte seines Resolute-Attributs an Korruption, erhält er ein Stigma, das erst verschwindet, wenn die Korruption abgebaut werden konnte. Erreicht er den Wert seines Resolute-Attributs, dann ist es vorbei: Ohne weiteren Test verwandelt sich der Charakter in ein Monster und wird NSC.


Genauso wie bei den Trefferpunkten (Toughness) hat man hier nicht viel Spielraum. Nur wer einer magischen Tradition angehört, kann die Korruptionskosten senken, und das auch nur für die Sprüche und Rituale, die zum Repertoire der Tradition gehören. Priester, Hexen und Zauberer (englisch Wizard) können Rituale wirken, um sich von permanenter Korruption zu heilen. Die anderen Spruchwirker senken immerhin die Kosten für den Erwerb und das Wirken ihrer eigenen Magie. Völlig der Korruption ausgeliefert sind die Mystiker ohne Schule – sie haben weder den Zugang zu Ritualen, um die Korruption zu senken, und zahlen auch noch überall die vollen Kosten. Das kann sehr schnell heikel werden!


Noch schlimmer ist es für alle nichtmagischen SC. Es gibt Effekte, ob durch verwunschene Orte oder Monster, die Korruption bewirken. Temporäre Korruption kann man noch am Ende der Szene abschütteln. Aber permanente Korruption kann zum ernsthaften Problem werden und den SC unspielbar machen. Die relativ niedrigen Schwellen, gerade wenn man Resolute nicht besonders hoch gewählt hat, könnten bei Spielern schnell zu Frustration führen.


Charaktererschaffung


Mag Symbaroum sonst sehr viel Wert auf die Würfel legen, ist es beim Erschaffen einer Spielfigur streng deterministisch. Man kann für die acht Attribute entweder eine vorgegebene Reihe an Zahlen verwenden oder 80 Punkte verteilen. Kein Attribut darf unter 5, keines über 15, und nur eines genau auf 15 sein. Wer mehr Struktur will, kann sich an einem Archetyp orientieren.


Danach wählt man eine Rasse. Die Rasse gibt oft ein oder mehrere Eigenschaften (Trait) mit, manchmal muss man diese auch kaufen. So haben Oger z.B. die Möglichkeit, die Eigenschaft Robust zu wählen und so übermenschengroß zu werden.


Eigenschaften bleiben auf die jeweiligen Rassen beschränkt, allgemeine Fähigkeiten (Abilities) und mystische Kräfte (Mystical Powers) kann hingegen jeder erwerben. Hierbei gilt, dass man entweder fünf auf dem Rang Novice kaufen darf oder zwei auf dem Rang Novice und eines auf dem Rang Adept. Die Auswahl ist also zwischen Spezialisierung oder mehr Talenten mit wenig Tiefgang. Sollte man Rasseneigenschaften erwerben wollen, die ebenfalls einen Rang haben, so muss man dafür entsprechend weniger Fähigkeiten und Zauber wählen.


Hier verbirgt sich auch ein irreführender Fehler. Es wird insgesamt zweimal von „creation points“ gesprochen, eine entsprechende Regel findet sich aber nicht. Anscheinend ist damit die Anzahl der Ränge gemeint, die man in Eigenschaften, Fähigkeiten und Zauber investieren darf. Entweder wurde hier eine ursprüngliche Regelfassung unvollständig umgeschrieben oder beim Übersetzen die Terminologie inkonsequent gehandhabt.


Man bestimmt im Folgenden noch die Korruption zu Spielbeginn und die Farbe des eigenen Schattens, einer mystischen Aura, die Mystikern etwas über das eigene Wesen verrät. Nach Startausrüstung und Geld kommen noch die üblichen Sachen ohne mechanische Auswirkung wie Persönlichkeit und Ziele des Charakters. Es ist gut, wenn Spieler sich darüber Gedanken machen, belohnt wird es vom System jedoch nicht.


Später ändern sich nur noch Rang und Anzahl der Fähigkeiten und Zauber. Diese können je nach Rang – Novice, Adept, Master – für je 10-30 XP gekauft werden. Es gibt Fähigkeiten, die bestehende Talente noch um bis zu drei Punkte maximal steigern können. Eine Formel der Art „neuer Rang in Attribut * x XP“ kommt dankenswerterweise nicht zum Einsatz.
Spielbarkeit aus Spielleitersicht


Es gibt einen SL-Teil, der das Übliche beinhaltet: Wie baue ich Geschichten auf? Tipps und Tricks. Eine Sammlung von etwas über dreißig Monster(-varianten) unterteilt in neun Kategorien. Monsterspezialfähigkeiten. Auf 58 Seiten wird die Spielwelt erklärt, der SL weiß aber kaum mehr als die Spieler. Es gibt jedoch Empfehlungen, welche Kreaturen wo anzutreffen sind und eine Liste mit den Details magischer Gegenstände.
Spielbarkeit aus Spielersicht


Die größte Herausforderung an den Spieler ist die Wahl der Fähigkeiten und Zauber und somit die spielmechanische Entwicklung des SC. Der Rest des Systems ist für Spieler anhand der simplen Probenmechanik banal.


Die Wichtigkeit bestimmter Attribute mag den Spielern auf den ersten Blick nicht auffallen. Es gibt immerhin einen warnenden Satz in der Attributbeschreibung für Resolute, damit der Spieler erkennt, wie zentral dieses Attribut sein kann. Für Anfänger mag sich erst im Spiel entscheiden, welche Attribute nun wirklich am besten zum Konzept passen. Eine Verschiebung von Punkten nach Spielbeginn ist zulässig, zumal die Werte nur noch in sehr begrenztem Umfang steigen werden. Dies ist besonders zu beachten, weil es keine separaten Skills gibt, sondern nur Attributproben.
Preis-/Leistungsverhältnis


Zumindest für das PDF ist der Preis von 18,99 USD angemessen. Die knapp 60 USD für das Print-on-Demand-Hardcover sehe ich dann schon kritischer, gemessen an der Seitenzahl von 264. Betrachtet man die schönen Illustrationen, kann eigentlich nur ein Premium-Hardcover in Frage kommen, sonst hätte man sich die Druckoption auch sparen können. Dass man dann für das PDF noch einmal 8,50 USD draufzahlen soll, ist mir persönlich definitiv zu viel.


Die Preisstruktur auf der Verlagshomepage ist ähnlich: 49,95 USD für die Printversion, da kommen nach Deutschland aber nochmal satte 19,95 USD an Versandkosten hinzu.
Spielbericht
Kein Testspiel.
Erscheinungsbild


Das vielleicht Tollste an Symbaroum ist das Design und die Illus. Das Layout ist knackig, augenfreundlich, gut lesbar. Tabellen sind ansehnlich, auch die Blöcke, die Sonderfertigkeiten beschreiben, sind gut strukturiert. Als Indie (zumindest auf internationaler Ebene) muss Symbaroum ein geringeres Budget als die meisten Mainstream-Produkte gehabt haben, dennoch sind alle Illustrationen einfach nur gut, stimmungsvoll, inspirierend. Bei solcher Bebilderung hätte man sich glatt den Settingteil sparen können, da muss einem doch einfach etwas dazu einfallen! Die Bilder sind in Farbe und leicht verwaschen, vermitteln Eindrücke und Impressionen aus einer fremden Welt mit atemberaubender Landschaft und mit riesenhaften Monstern.


Um einen Vergleich anzustellen: Vom Artwork reicht es, in seinem eigenen Stil, an Numenera und The Strange heran, nur dass Monte Cook seine Produkte mit noch mehr Bildern bestücken konnte. Selten hat mir das Design eines Buchs so gut gefallen.


Bonus/Downloadcontent
Keine Downloads auf der Verlagshomepage.
Fazit


Ein großes Manko gleich vorweg: Symbaroum ist als Regelbuch nicht gut strukturiert. Relevante Informationen sucht man oft quer durch das ganze Buch. Selbst das Erstellen eines Charakters ist nur auf den ersten Blick klar wiedergegeben, nach den Details sucht man einfach zu lange, obwohl sie anscheinend eigene Kapitel haben. Ein Konzept wird an einer Stelle eingeführt, aber nicht erklärt. Seitenverweise führen oft in Kapitel, die auch nur die halbe Wahrheit enthalten. SL werden das ganze Buch strukturiert durcharbeiten müssen, am besten mit der Suchfunktion im PDF, um diese Unzulänglichkeiten ausgleichen zu können. Seit der Erstauflage von The One Ring ist mir kein Spiel untergekommen, dass so unnötig viel Verwirrung und Nachschlagen (und Suchen) erfordert hat, um das Zusammenspiel der Mechaniken zu verstehen.


Die Regelbasis von Symbaroum ist einfach und gut verständlich, die Abwicklung sollte weder Spielern noch SL Probleme bereiten. Hat man erst mal die Sonderfertigkeiten ausgewählt, kann schnell los gespielt werden. Das Steigerungssystem ist simpel, der Charakter entwickelt sich stetig fort. Individuelle Charakterkonzepte lassen sich gut umsetzen, es gibt im eigentlichen Sinn keine Klassen.


Die Welt wird (vor allem durch die Bebilderung im Buch) so manchen ansprechen können. Und wenn nicht, wird es sicher in Zusatzprodukten andere Gegenden mit anders gearteten Abenteuern geben. Die Ambrianer sind ja einerseits militaristisch geartete Kolonialherren, andererseits aber auch Flüchtlinge einer Katastrophe. Die Idee, eine Völkerwanderung zum Konflikt auszubauen, ist sicher reizvoll und setzt diese Spielwelt von anderen Produkten ab.


Trotz einiger handwerklichen Schnitzer macht das Gesamtwerk einen guten Eindruck. Die relativ hohe Verletzlichkeit der SC sowohl in Bezug auf physischen als auch spirituellen Schaden ist zwar ein Faktor, mit dem man bei Symbaroum leben muss. Als Spielsystem wird es aber sicher Anhänger finden.



Rating:
[4 of 5 Stars!]
Symbaroum - Core Rulebook
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